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Vorsicht: Portabilität wäre unsolidarisch und ginge zu Lasten der Kranken

Portabilität
 

Die Monopolkommission hat in ihrem 75. Sondergutachten zum deutschen Krankenversicherungssystem eine sogenannte Portabilität von Alterungsrückstellungen in der Privaten Krankenversicherung (PKV) vorgeschlagen. „Wenn die theoretischen Vorschläge der Monopolkommission in die Praxis umgesetzt würden, hätte das extrem unsolidarische Auswirkungen ausgerechnet zu Lasten der älteren und kränkeren Versicherten“, warnt der Direktor des PKV-Verbandes, Volker Leienbach:

„Die kollektive Kalkulation in der PKV sichert die Solidarität zwischen den Gesunden und den Kranken. Die Alterungsrückstellungen sind dabei nichts anderes als eine gemeinsame Risikovorsorge für die späteren Krankheitskosten derjenigen aus der Versichertengemeinschaft, die besonders krank werden. Alle Erfahrungen zeigen in GKV und PKV gleichermaßen: Es wechseln fast nur Junge und Gesunde. Damit führt jeder Wechsel zu einer Verschlechterung der Risikomischung.

Durch die rückwirkende Einführung einer Portabilität würde dem kollektiven Deckungskapital eine Summe entzogen, die die verbleibenden Versicherten mit entsprechend höheren Beiträgen nachfinanzieren müssen. Die rückwirkende Portabilität wäre damit eine Entsolidarisierung der Tarife zu Lasten der Alten und Kranken. Für sie würde es teurer.

 

Bis heute gibt es kein praktikables Modell für eine Portabilität, alle Theoriemodelle sind dagegen mit negativen Nebenwirkungen behaftet. So warnt auch ein von den Verbraucherzentralen 2015 beauftragtes Gutachten des Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Jürgen Wasem: Dies würde ‚zu einer Umverteilung zugunsten derjenigen Versicherten führen, die die Wechseloption wahrnehmen, und zulasten derjenigen Versicherten, die keinen Wechsel vornehmen‘.

Ohnehin sehen die allermeisten Privatversicherten gar keinen Grund, ihren Versicherer zu wechseln: 93 Prozent sind mit ihrem PKV-Unternehmen zufrieden oder sogar sehr zufrieden (Umfrage Allensbach-Institut 2016).

Der Vorschlag der Monopolkommission wäre ein Versuch, nachträglich die Vertragsbedingungen der Bestandsversicherten zu verändern, deren Vertragsbeginn oft jahrzehntelang zurückliegt. Dies ist sowohl rechtlich als auch praktisch kaum möglich. Würde man es dennoch versuchen, bliebe das nicht ohne gravierende Folgen. Die Zukunft hingegen, also die Vertragsbedingungen beim Eintritt von Neuversicherten, kann man gestalten. Dies hat der Gesetzgeber mit Wirkung ab 2009 getan.

Für alle seit dem 1.1.2009 abgeschlossenen PKV-Verträge wurde von Anfang an einkalkuliert, dass den Versicherten bei einem Unternehmenswechsel ein so genannter Übertragungswert in Höhe der Basistarif-Rückstellung mitgegeben wird. Das gilt bereits für mehr als zwei Millionen Privatversicherte und immer mehr Menschen wachsen in diese ‚neue Welt‘. Einen solchen Anspruch von vornherein einzukalkulieren ist etwas grundlegend anderes als ein rückwirkender Eingriff in oft seit Jahrzehnten bestehende Verträge.“

 

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