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Welche Rolle spielen die Niedrigzinsen für meinen PKV-Beitrag?

Die Beiträge in der Privaten Krankenversicherung werden für die gesamte Lebenserwartung des Versicherten kalkuliert. Denn jeder PKV-Vertrag garantiert unbefristet einen unkürzbaren medizinischen Leistungsumfang. In der Gesetzlichen Krankenversicherung hat es hingegen schon mehrfach Leistungskürzungen durch „Kostendämpfungsgesetze“ gegeben, die auch in Zukunft jederzeit möglich sind.

Für diese lebenslange Garantie sorgt die PKV finanziell vor, indem große Teile der Beiträge der Versicherten als Alterungsrückstellungen zinsbringend auf dem Kapitalmarkt angelegt werden. Nach einem Anstieg der Gesundheitskosten muss bei jeder Beitragsanpassung auch diese Vorsorge an das neue Kostenniveau angepasst werden, damit die lebenslange Leistungsgarantie zu den gestiegenen Preisen erfüllt werden kann.

Jetzt kommt eine geradezu historische Sondersituation hinzu. Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen in den letzten Jahren immer weiter gesenkt, aktuell sogar auf null.

Die Alterungsrückstellungen der PKV-Tarife werden seit Jahrzehnten mit einem sogenannten Rechnungszins von 3,5 Prozent kalkuliert. Diesen Zins – und meistens noch deutlich mehr – hat die PKV auch stets für ihre Kunden erwirtschaftet. Selbst als der Leitzins der Europäischen Zentralbank 2015 in Richtung Null gesenkt wurde, betrug die durchschnittliche Nettoverzinsung der PKV-Kapitalanlagen noch immer starke 3,7 Prozent, so auch 2016.

Allerdings resultiert dieser Erfolg vor allem aus dem Anteil langlaufender Anleihen aus früheren Jahren, als es noch deutlich höhere Zinsen gab. Durch die Niedrigzinspolitik sind heute bei neuen festverzinslichen Geldanlagen die Erträge natürlich geringer. In der Folge schneidet die PKV bei ihren Kapitalanlagen zwar immer noch besser ab als viele andere, aber eben auch nicht mehr so gut wie früher. Um aber die Gesundheitsleistungen im Alter auch für die Zukunft solide abzusichern, muss die PKV den Zinsschwund berücksichtigen. Was die Zinsen derzeit nicht mehr hergeben, muss – so ist es gesetzlich vorgeschrieben – durch eine Erhöhung der Vorsorge ausgeglichen werden, also durch zusätzliche Beiträge. Davon sind Privatversicherte jetzt ebenso betroffen wie andere Sparer auch.

Die sinkenden Zinsen treffen nun auf die starren gesetzlichen Kalkulationsvorschriften. Danach kann das Zinsniveau nicht jedes Jahr aktuell in den Beiträgen berücksichtigt werden. Die Versicherung muss warten, bis die übrigen Kostensteigerungen den vorgeschriebenen Schwellenwert überschreiten – und dann zusätzlich auch den Ausgleich für die gesunkenen Zinserträge einkalkulieren. Daher sind die Unternehmen jetzt in vielen Tarifen gezwungen, zeitverzögert die schon seit Jahren andauernde Niedrigzinsphase „auf einen Schlag“ einzupreisen.

 

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