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Warum wird mein Beitrag plötzlich so stark erhöht?

Die gesetzlichen Vorschriften zur Beitragsanpassung in der PKV* legen fest: Eine Beitragsanpassung darf nur erfolgen, wenn die Versicherungsleistungen in einem Tarif nachweislich um mindestens 10 Prozent höher liegen als ursprünglich kalkuliert. (In manchen Tarifen gilt abweichend ein Schwellenwert von 5 Prozent.) Ob diese Bedingungen vorliegen, wird von einem unabhängigen Treuhänder kontrolliert.

Die Kostensteigerungen in den PKV-Tarifen überschreiten längst nicht in jedem Jahr diese vorgeschriebenen Schwellenwerte. Dann gibt es auch keine Beitragsanpassung.

Weil die Kosten des medizinischen Fortschritts in Deutschland gleichwohl stetig steigen, müssen die Veränderungen der Vorjahre zwangsläufig in die Beiträge einkalkuliert werden, sobald der Schwellenwert überschritten wird. Dann kommt es zu einer aufholenden Anpassung der Beiträge an die tatsächliche Kostenentwicklung. So wird die allgemeine Teuerung der Medizin den Versicherten nachträglich „auf einen Schlag“ in Rechnung gestellt.

Ein Beispiel dafür ist in diesem Jahr der Standardtarif. Obwohl die Ausgaben für die Versicherten stiegen, blieb der Beitrag der nicht-beihilfeberechtigten Männer in den letzten vier Jahren stabil. Nun wurde jedoch der oben erwähnte Schwellenwert überschritten. Die Folge: Die Kostensteigerungen der letzten Jahre sowie das anhaltend niedrige Zinsniveau müssen bei der Beitragskalkulation berücksichtigt werden. Für die Versicherten bedeutet das eine spürbare Beitragserhöhung.

Dies alles würde die PKV den Versicherten gerne ersparen. Der PKV-Verband hat deshalb frühzeitig den Gesetzgeber aufgefordert, die Kalkulationsvorschriften zu reformieren, um eine stetigere und maßvollere Beitragsentwicklung ohne derartige „Sprünge“ zu erreichen. Auch Verbraucherschützer unterstützen eine solche Reform, doch leider hat der Gesetzgeber dies bisher nicht aufgegriffen.

Ein großer Teil der Beitragserhöhung geht in die PKV-typische Vorsorge für Ihre absehbar höheren Gesundheitskosten im Alter. Dieses Geld kommt den Versicherten später wieder selbst zugute. Sie zahlen also für Ihre eigene Zukunft.

Übrigens: Im Beitragsvergleich mit der Gesetzlichen Krankenversicherung schneidet die PKV nach wie vor sehr gut ab: Selbst wenn man die aktuellen Beitragserhöhungen berücksichtigt, ergibt sich von 2008 bis 2018 in der PKV pro Kopf insgesamt ein geringerer Anstieg pro Jahr (+3,05 %) als in der Gesetzlichen Krankenversicherung (+3,28 %). Auch die Zeitschrift „Finanztest“ kommt auf längere Sicht zu der Schlussfolgerung: „Die Kosten pro Versicherten steigen gleichermaßen, egal, ob privat oder gesetzlich versichert.“ (mehr zum Vergleich von PKV und GKV)


Der medizinische Fortschritt: Auch wenn sich niemand darüber freut, den Fortschritt in der Medizin mit steigenden Beiträgen bezahlen zu müssen, so gilt im Gegenzug doch auch, dass dadurch in Deutschland der persönliche Leistungsanspruch im Ernstfall heute so umfassend ist wie niemals zuvor. Die Diagnose- und Behandlungsmethoden haben sich enorm verbessert: Während ein Herzinfarkt früher oft tödlich verlief, sind die Überlebenschancen heute viel höher. Modernste Geräte erlauben einen genauen, strahlungsarmen Einblick in den Körper. Früher unerfüllbare Kinderwünsche werden wahr und Medikamente werden zunehmend maßgeschneidert. Blinddarmoperationen, die früher mit langen Narben einhergingen, führen die Ärzte heute mittels kleiner Einstiche durch, die man später nicht mehr sieht. Diese allgemeine Entwicklung spürt natürlich auch der Einzelne: Prozentual gibt jeder Bundesbürger immer mehr von seinem verfügbaren Einkommen für die Gesundheit aus – aber er bekommt dafür auch eine immer bessere medizinische Versorgung.


*Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und Krankenversicherungsaufsichtsverordnung (KVAV)

 

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