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"Bewährtes soll man nicht zur Disposition stellen"

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Fritz Becker ist Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes

 

Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, spricht im Interview mit PKV publik über die Vorteile des deutschen Gesundheitssystems und die Herausforderungen des demografischen Wandels.


Herr Becker, wie gut ist die medizinische Versorgung in Deutschland?

Becker: Praktisch jedes Arzneimittel wird in der GKV und in der PKV erstattet, in der PKV ist die Erstattung teilweise noch besser. Sie haben alle Behandlungsmöglichkeiten – weitestgehend im Krankenhaus und bei der Ärzteschaft. Wenn ich mir andere Länder anschaue, wo wir Altersbegrenzungen haben, so haben wir das alles in Deutschland nicht.

Und was wir nicht vergessen dürfen: In Deutschland gibt es den Kontrahierungszwang. Kontrahierungszwang heißt, dass wir jeden Patienten bedienen. Wenn wir den internationalen Vergleich sehen, dann steht das deutsche Gesundheitswesen sehr gut da.

Trägt die Wahlfreiheit der Patienten dazu bei?

Becker: Wahlfreiheit ist immer gut. Jeder Patient sollte die Wahl haben, zu welchem Arzt er geht und natürlich zu welchem Apotheker er geht. Die Arzneimittelpreisverordnung, die wir in Deutschland haben – das heißt gleiche Preise überall –, ist aktiver Verbraucherschutz.

Wie bewerten Sie das Miteinander von GKV und PKV?

Becker: Bewährtes soll man nicht ändern. Das ist meine persönliche Meinung. Ich denke, das System hat sich für die Patienten bewährt. Ich trete absolut dafür ein, dass wir das bewährte System – GKV auf der einen Schiene, PKV auf der anderen Schiene – beibehalten.

Vor welchen Herausforderungen steht das Gesundheitssystem?

Becker: Wir haben eine Gesellschaft, die immer älter wird. Das ist schön, heißt aber auch, dass die Kosten steigen. Wir haben auf der anderen Seite, was Arzneimittel betrifft, auch steigende Kosten. Wir werden immer modernere Arzneimittel haben und auch personalisierte Arzneimittel bekommen.

Das muss finanziert werden. Da muss vielleicht auch der Einzelne mehr beitragen. Derzeit haben wir die Situation, dass wir eigentlich in einer Vollversicherungsmentalität leben. Wir müssen, so glaube ich, zukünftig wieder mehr Eigenleistungen in das System bringen.

Empfehlen Sie auch Reformen für die PKV?

Becker: Bis dato ist es so, dass in der GKV ein Arzneimittel durch ein gleichwertiges Generikum ersetzt werden kann. Das ist uns derzeit gesetzlich im PKV-Bereich, beim Privatrezept, verboten. Ich bin ein absoluter Anhänger davon, dass die PKV eben auch Arzneimittel austauschen darf und ein Aut-Idem-Gebot bekommt. Das können wir gemeinsam angehen.


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