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Startschuss

© BMG/Michael Schinkel

 

19.07.2017

Die „Allianz für Gesundheitskompetenz“ soll helfen, Gesundheitsthemen besser zu vermitteln.


Wie weit Alltagssprache und Medizinersprache auseinanderklaffen können, zeigte Moderator Eckart von Hirschhausen am Beispiel von Beipackzetteln für Arzneimittel. „Wie oft“, fragte er das Publikum, „muss mit Nebenwirkungen gerechnet werden, wenn darin ‚häufig‘ steht?“. Die Lösung: In ein bis zehn Prozent der Fälle. „Nun, meine Damen und Herren“, fragte von Hirschhausen schmunzelnd, „würden Sie von einem Elfmeterschützen beim Fußball, der bei jedem zehnten Versuch einen Treffer erzielt, sagen, dass er häufig trifft?“

Das kleine Beispiel steht stellvertretend für ein wesentlich größeres Problem. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums verfügen rund 54 Prozent der Deutschen nur über eine „eingeschränkte Gesundheitskompetenz“. Das bedeutet, sie haben Schwierigkeiten, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, sie zu bewerten und die richtigen Entscheidungen für eine gesunde Lebensweise oder zur Krankheitsbewältigung zu treffen.

„Den Anstoß zur Gründung der 'Allianz' gab Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Dies betrifft Studien zufolge insbesondere Ältere sowie Menschen mit chronischer Erkrankung, mit geringem Bildungsstatus und mit Migrationshintergrund. Eine bessere Gesundheitskompetenz zahlt sich für den Einzelnen, aber auch für das Gemeinwesen aus: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden drei bis fünf Prozent der Gesundheitsausgaben durch eine unzureichende Gesundheitskompetenz verursacht. Allein für Deutschland würde dies umgerechnet bis zu 15 Milliarden Euro bedeuten.

Aus diesen Gründen hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe den Anstoß zur Gründung der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ gegeben. Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung von 14 beteiligten  Institutionen wurde nun der Startschuss dafür gegeben. Die Unterzeichner – darunter auch der Verband der Privaten Krankenversicherung – verpflichten sich damit, in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich eigenverantwortlich  Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitswissens zu entwickeln und umzusetzen.

Die „Allianz für Gesundheitskompetenz“ will die bestehenden Ansätze und Maßnahmen der verschiedenen Einrichtungen im Gesundheitswesen bündeln, stärken und besser aufeinander abstimmen. Zugleich sollen neue Ansätze und Maßnahmen – auch nach internationalen Vorbildern – entwickelt und angewandt werden. Ziel ist es, eine umfassende, bundesweite Strategie zur Förderung von Gesundheitskompetenz zu entwickeln. Dabei sollen bürgernahe Maßnahmen für die Menschen vor Ort umgesetzt und langfristig verankert werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die Akteure der Allianz verpflichtet, in drei Bereichen tätig zu werden. An erster Stelle steht das Thema Gesundheitsbildung. Hier sollen regelmäßige Untersuchungen zum Gesundheitsinformationsbedarf und -informationsverhalten durchgeführt werden. Vor allem sollen zielgruppengerechte und an die Lebenswelten angepasste Gesundheitsinformationsangebote entwickelt und umgesetzt werden.

Im zweiten Handlungsfeld geht es um die Vernetzung wissenschaftlich abgesicherter Informationsangebote. Denn für viele Menschen ist es eine große Herausforderung, geprüfte und nicht geprüfte Informationen zu unterscheiden. Vereinbart wurde daher der Aufbau einer Internetplattform, die der Vernetzung bestehender qualitätsgesicherter Angebote dient. Das Bundesministerium für Gesundheit wird den Aufbau des Portals fördern, und zwar in Abstimmung mit den Akteuren der Allianz für Gesundheitskompetenz.

Drittens sieht die gemeinsame Erklärung vor, die Aus-, Weiter- und Fortbildung für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Lehrplänen, mit denen die Fähigkeiten zur Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten verbessert werden sollen. Ziel ist es, dass Patienten umfassend und leicht verständlich über Vor- und Nachteile sowie mögliche Risiken von Früherkennung, Diagnostik und Therapie aufgeklärt werden.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung engagiert sich über die von ihm im Jahr 2015 gegründete unabhängige und gemeinnützige Stiftung Gesundheitswissen für die Verbesserung der Gesundheitskompetenz.

Ziel der Stiftung ist es, die gesundheitliche Kompetenz in der Bevölkerung zu erhöhen. Dafür entwickelt sie in einer verständlichen Sprache nicht nur Texte, sondern auch Faktenboxen, Infografiken und Erklärvideos. Zentrale Informationsplattform dafür wird die Internetseite der Stiftung sein.

Zur Zielgruppe der Stiftung gehören nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch Ärztinnen und Ärzte sowie andere Angehörige der Gesundheitsberufe, die in ihrer Arbeit mit den Patientinnen und Patienten von gut aufbereiteten evidenzbasierten Informationen profitieren können.

Die Stiftung befindet sich derzeit im Aufbau. Ihr stehen jährlich 7 Millionen Euro zur Verfügung, die die Private Krankenversicherung aufbringt. Sobald der Aufbau abgeschlossen ist, wird die Stiftung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu verbessern.

Weitere Informationen im Internet:
www.stiftung-gesundheitswissen.de
www.bundesgesundheitsministerium.de