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13.06.2017

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Infolge des Wirtschaftlichkeitsgebotes bekommt darüber hinaus jeder Kassenarzt beispielsweise einen festen Geldbetrag je Patienten zugewiesen, der ihm für die Verordnung von Heilmitteln zur Verfügung steht. Stellt sich heraus, dass Ärzte durch zu viele oder zu umfangreiche Verordnungen gegen diese „Heilmittelrichtgröße“ verstoßen haben, können sie dafür persönlich finanziell in Regress genommen werden.

Damit begrenzt die Angst der Ärzte vor Regressen die Zahl der Verordnungen – unabhängig vom individuellen Bedarf der Patienten. Auch die Tatsache, dass Kassenpatienten bei Heilmitteln Zuzahlungen in Höhe von zehn Prozent der Kosten sowie zehn Euro für jede Verordnung leisten müssen, rationiert die Inanspruchnahme dieser Leistungen.

In der Privaten Krankenversicherung zählt dagegen ausschließlich das Kriterium der medizinischen Notwendigkeit, nach Maßgabe des individuellen Versicherungsvertrags. Ärzte müssen weder mit Eingriffen in ihre Therapiefreiheit rechnen, noch müssen sie nachträgliche Regresse fürchten. Sie können ihren privatversicherten Patienten die aus ihrer Sicht optimale Heilmittelversorgung verordnen, die dem Krankheitsverlauf am besten entspricht. Im Vergleich zu gesetzlich versicherten Patienten erhalten Privatversicherte bei Heilmitteln in aller Regel eine umfangreichere und individuellere Versorgung.

So verwundert es nicht, dass der Mehrumsatz durch Privatversicherte im Jahr 2015 fast eine Milliarde Euro erreichte (0,996 Milliarden Euro). Die Vorsitzende des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten, Ute Repschläger, ordnet die Bedeutung von Privatversicherten daher als sehr hoch ein: „Praxen können nur existieren, wenn sie ungefähr 22 Prozent an Umsatz über Privatpatienten generieren. Gerät dieses System aus der Balance, dann ist die wirtschaftliche Arbeitsweise der Praxis nicht mehr gesichert. Der Praxisinhaber kann nur dann seine Praxis wirtschaftlich führen, wenn das im Verhältnis stimmt. Er kann nur dann gute Mitarbeitergehälter zahlen, er kann nur dann für eine gute Ausstattung sorgen, er kann nur dann Mitarbeiter wirklich zu Fortbildungen schicken. Das ganze System hängt davon ab. Das macht uns schwere Sorgen, denn letztendlich könnte dies zu Praxisschließungen führen. Eine Praxis ist auf dieses duale System angewiesen.“

Jeder Sektor im Gesundheitssystem profitiert von der Existenz der PKV.

Im Ergebnis profitiert also jeder Sektor in der deutschen Gesundheitsversorgung von der Existenz der Privaten Krankenversicherung und ihrer Kunden. Jeder einheitliche Versicherungsmarkt würde die berufliche Handlungsfähigkeit von Ärzten und anderen Berufen im Gesundheitssystem stärker einschränken als dies viele heute ahnen.

Die Entscheidungsfreiheit der Mediziner würde extrem beschnitten und die Möglichkeiten, einem Patienten wirklich zu helfen, würden nicht mehr allein von der ärztlichen Kunst, sondern immer mehr von einheitlichen staatlichen Budgetvorgaben und Leistungskatalogen bestimmt. Das kann nicht im Interesse derjenigen sein, die die Qualität des hervorragenden deutschen Gesundheitssystems auch in Zukunft garantieren wollen.


Die Studie des WIP finden Sie unter: www.wip-pkv.de

Die Studie des PVS-Verbandes ist unter www.pvs.de abrufbar

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