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13.06.2017

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Auf Basis der WIP-Zahlen gehen die Privatärztlichen Verrechnungsstellen davon aus, dass in einem einheitlichen Krankenversicherungssystem ohne die Private Krankenversicherung etwa 34.000 Vollzeitstellen allein in den ambulanten Praxen weg fielen.

Ergänzend zur Methodik des WIP differenziert die PVS die Mehrumsätze der Privatpatienten zusätzlich nach Facharztgruppen. Dabei zeigt sich, dass die einzelnen Gruppen von einem Verlust der Einnahmen durch Privatversicherte unterschiedlich betroffen wären. Während eine Allgemeinmedizin-Praxis rund 22.000 Euro jährlich verlöre, müsste eine Praxis in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde mit rund 76.500 Euro Verlust rechnen.

Die Auswirkungen eines Wegfalls dieses Finanzierungsanteils beschreibt Klaus Reinhard, der Vorsitzende des Ärzteverbandes Hartmannbund: „In einem einheitlichen Versicherungssystem wird die Versorgung sicherlich auf einem niedrigeren Niveau als aktuell stattfinden.“

Die Hauptursache für die geringeren Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – und somit für das Entstehen des Mehrumsatzes durch Privatpatienten – im ambulanten Sektor ist die umfassende Regulierung und Budgetierung im Bereich der GKV-Versorgung. Damit verbunden sind unterschiedliche Preisordnungen: der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) in der GKV im Gegensatz zur Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) für die Privatpatienten. Die Private Krankenversicherung richtet sich mit ihrer Kostenerstattung nach den gesetzlichen Vorgaben. Denn die GOÄ ist nichts anderes als eine Rechtsverordnung, die vom Bundesgesundheitsministerium erlassen wurde und an die sich alle ambulant tätigen Ärzte bei ihren Privatrechnungen zwingend halten müssen. Demgegenüber wurden für die Behandlung gesetzlich Versicherter über den EBM im Laufe der Jahre und Jahrzehnte immer wieder Kürzungen und Budgetierungen vorgenommen.

Die gleiche Systematik gilt auch im zahnärztlichen Bereich – mit ähnlichen Konsequenzen. Für gesetzlich Versicherte gilt der Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA), für Privatversicherte die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Hier hat das WIP einen Mehrumsatz der Privatpatienten von 3,26 Milliarden Euro im Jahr 2015 errechnet.

Entsprechend hoch schätzt Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, die Bedeutung der Privatversicherten ein: „Man muss ganz ehrlich sagen: Eine Praxis, die sich ausschließlich über GKVLeistungen finanziert, ist heutzutage auf Dauer nicht überlebensfähig, sodass die PKV-Versicherten einen Großteil der Praxen als auch der Ausstattung finanzieren. Und das kommt allen Zahnärzten, das kommt allen Patienten und allen Bürgern zugute. Denn wenn es die Private Krankenversicherung nicht mehr geben würde, dann würden die Ausstattungen sinken, dann würden die Praxen Schwierigkeiten bekommen, dann würden die Patienten nicht mehr an den Innovationen partizipieren können – und das hätte natürlich dramatische Folgen.“

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