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Mehr Mobilität

 

11.05.2017

Privatversicherte können ihren Versicherungsschutz im europäischen Ausland jetzt besser nachweisen

Ein neues Formular erleichtert es Privatversicherten, ihren Versicherungsschutz im Ausland nachzuweisen. Das bringt mehr Flexibilität und weniger Bürokratie.


Privatversicherte genießen nicht nur im Inland eine sehr große Flexibilität. Auch im Ausland, insbesondere in Europa, sichert eine Private Krankenversicherung eine hohe Mobilität – in der Regel ohne bürokratischen Aufwand. Denn der Versicherungsschutz in der PKV erstreckt sich auf die Heilbehandlung in ganz Europa. Sogar im außereuropäischen Ausland besteht während des ersten Monats eines vorübergehenden Aufenthaltes ebenfalls Versicherungsschutz, ohne dass dafür eine besondere Vereinbarung notwendig ist.

Noch großzügigere Regelungen gelten für die Europäische Union (EU) bzw. für den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), zu dem beispielsweise auch Norwegen und Island gehören. Wenn ein Privatversicherter seinen gewöhnlichen Aufenthalt in eines dieser Länder verlegt, setzt sich sein Versicherungsverhältnis automatisch fort.

Hin und wieder gab es im Ausland Irritationen beim Nachweis über eine PKV.

In der Vergangenheit ist es allerdings in einzelnen Ländern gelegentlich zu Irritationen beim Nachweis dieses Versicherungsschutzes gekommen. Dies konnte passieren, wenn im Gastland eine gesetzliche Versicherungspf licht besteht und die Behörden dort eine entsprechende Ausnahmegenehmigung nur erteilten, wenn zuvor ein Formular zur Bestätigung einer bestehenden Krankenversicherung in Deutschland vorgelegt wurde. Während es in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) das standardisierte und abgestimmte „Formular S1“ (zuvor E 106) gibt, um das Bestehen einer Krankenvollversicherung nachzuweisen, fehlte bisher eine entsprechende mit den Krankenversicherungsträgern der EU-Staaten und den EWRLändern abgestimmte Bescheinigung für die Private Krankenversicherung.

Dies führte bisweilen dazu, dass die zuständigen Stellen der Gastländer – wie zum Beispiel Universitäten – auch von Privatversicherten aus Deutschland das so genannte Formular S1 verlangten. Die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung wurden daher immer wieder von Versicherten um eine entsprechende Bescheinigung gebeten. Die Private Krankenversicherung fällt allerdings nicht in den Anwendungsbereich der EU-Verordnungen zur Koordinierung der Systeme der Sozialen Sicherheit, auf denen das S1-Formular basiert. Das Dokument ist zudem so konzipiert, dass es ausschließlich auf das System der gesetzlichen Krankenversicherung abstellt. Es bescheinigt insbesondere den Anspruch auf Sachleistungen bei Krankheit und Mutterschaft. Die Gewährung von Sachleistungen ist der Privaten Krankenversicherung jedoch wesensfremd, weil das private System nach dem Verfahren der Kostenerstattung organisiert ist.

Ein Rückgriff der deutschen PKV-Unternehmen auf das Formular S1 wird in der Praxis von den Krankenversicherungsträgern der Gastländer zwar teilweise akzeptiert, führt dessen ungeachtet aber zu einer falschen Abbildung der tatsächlichen Rechtslage.

Zum Teil sahen sich die PKV-Versicherten daher gezwungen, für den Zeitraum ihres Aufenthaltes im Gastland eine zusätzliche Krankenversicherung abzuschließen bzw. ihre PKV auf eine Anwartschaft umzustellen. Die Mobilität der PKV-Versicherten wurde durch diesen Umstand gegenüber den GKV-Versicherten erheblich benachteiligt.

Das neue Formular gilt neben EU- und EWR-Staaten auch für die Schweiz.

Im Interesse der Privatversicherten hat der PKV-Verband daher eine eigene Bescheinigung entworfen und mit dem zuständigen Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) abgestimmt. In der jüngsten Sitzung der Verwaltungskommission für soziale Sicherheit in der Europäischen Union wurde die erarbeitete Bescheinigung mit dem Titel „Certificate of Entitlement“ den Vertretern der weiteren Mitgliedstaaten vorgestellt.

Das neue zweiseitige Formular gilt neben den genannten Ländern auch für die Schweiz und trägt dazu bei, Mobilität und Flexibilität der Privatversicherten weiter zu stärken und den bürokratischen Aufwand bei einem Umzug ins europäische Ausland gering zu halten. Der PKV-Verband hat den Vordruck seinen Mitgliedsunternehmen zur Verfügung gestellt, die es bei Bedarf gerne ausfüllen. Das Formular kann auch auf der Internetseite des PKV-Verbandes heruntergeladen werden.


Das Formular finden Sie unter: www.pkv.de/certificate