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ältere Dame mit zwei Kindern
 

10.04.2017

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Das Thema Pflege ist in der Gesellschaft angekommen

Laut einer Meinungsumfrage der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) interessiert sich die große Mehrheit der Menschen für das Thema Pflege. Doch mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, selten oder nie darüber in den Medien informiert zu werden.


Pflegebedürftigkeit ist längst kein Randthema mehr. Schon im Dezember vergangenen Jahres zeigte eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA, dass fast jeder Dritte in seinem persönlichen Umfeld Menschen kennt, die an Demenz oder Alzheimer leiden. Eine aktuelle Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) bestätigt nun eindrucksvoll, dass das Thema mitten in der Gesellschaft angekommen ist. In einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 2.000 Personen gab demnach mit 81 Prozent die überwiegende Mehrheit an, sich für das Thema Pflege zu interessieren. 43 Prozent aller Befragten bewerteten das Thema zudem als wichtig für ihre Entscheidung bei der Bundestagswahl. In der Altersgruppe über 50 Jahren sind dies sogar 53 Prozent.

Es ist davon auszugehen, dass diese Werte in den kommenden Jahren weiter steigen. Denn die Zahl der Menschen in hohem Alter nimmt kontinuierlich zu. Bis zum Jahr 2060 rechnet das Statistische Bundesamt mit insgesamt rund 9 Millionen über 80-Jährigen. Das entspräche einer Verdoppelung im Vergleich zum Jahr 2015. Und da das Risiko einer Pflegebedürftigkeit mit höherem Alter wächst, wird die Zahl der direkt oder indirekt Betroffenen ebenfalls stark zunehmen. Für das Jahr 2030 gehen Vorausberechnungen von bis zu 3,5 Millionen Pflegebedürftigen aus – fast eine Million mehr als heute.

 

Gerade vor dem Hintergrund dieser Entwicklung zeigt die ZQP-Umfrage auch, dass im Bereich Pflege noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist. Denn mehr als die Hälfte nimmt das Thema Pflege selten oder nie in den Medien wahr. Und mehr als zwei Drittel (68 Prozent) fühlen sich bisher weniger gut bis schlecht über die jüngst beschlossenen Pflegereformen informiert.

Dabei wurde in den zurückliegenden Jahren tatsächlich viel unternommen, um die Situation der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen zu verbessern. Das Reformpaket der Pflegestärkungsgesetze I bis III gilt dabei als umfassendste Reform seit Einführung der Pflegepflichtversicherung. So haben durch die neuen Gesetze in den kommenden Jahren schätzungsweise 500.000 Menschen mehr Anspruch auf Leistungen.

„Trotz aktueller Leistungsverbesserungen in der Pflegeversicherung darf niemand glauben, die Herausforderungen in der Pflege seien nun bewältigt“, sagt der ZQP-Vorstandsvorsitzende Ralf Suhr. „Die Befragung zeigt, dass die Bürger Pflege als politisch hochrelevantes Thema sehen. Die Wähler werden auch nach der Bundestagswahl genau verfolgen, welche Wege die Parteien hier zukünftig gehen wollen. Zum Beispiel bei den noch nicht ausgestalteten, aber zentralen Aspekten ‚Personalausstattung‘ und ‚Transparenz von Qualität‘ gilt es, überzeugende Lösungen zu präsentieren.“

Die meisten Deutschen wollen auch im Pflegefall zu Hause wohnen bleiben.

Diese Einschätzung wird von den Umfrageergebnissen untermauert: Gefragt nach dringenden Problemen in einer konkreten Versorgungssituation ist 68 Prozent der Befragten mehr Zeit für die persönliche Zuwendung besonders wichtig. 54 Prozent wollen, dass die Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen gefördert wird.

Die Befragung zeigt zudem, dass es der Wunsch der meisten Deutschen ist, im Fall von Pflegebedürftigkeit zuhause leben zu können. Dies geben 70 Prozent an. Fast jeder Zweite wünscht sich dazu einen Mix aus familialer und professioneller Pflege (47 Prozent). Sorgen bereiten den Menschen vor allem mögliche kognitive Einschränkungen (63 Prozent), die Abhängigkeit von anderen Menschen (56 Prozent) sowie die Angst vor finanziellen Sorgen und Einsamkeit (36 bzw. 32 Prozent). Dies alles zeigt, dass das Thema Pflege auch die nächsten Bundesregierungen weiter stark beschäftigen wird.


Weitere Informationen zur Umfrage finden Sie im Internet unter: www.zqp.de