• Vorlesen
  • A A A

Kalt erwischt

 

08.03.2017

Immer wieder belästigen unseriöse Anrufer Versicherte und missbrauchen dafür den Namen des PKV-Verbandes. Betroffene so genannter „Cold Calls“ sollten sich auf keinen Fall auf die Anrufer einlassen und stattdessen deren Kontaktdaten notieren und melden.

Kaum etwas ist lästiger als unerwünschte Werbeanrufe. Leider berichten zurzeit jedoch wieder sehr viele Menschen von genau solchen Belästigungen. Offensichtlich benutzen zahlreiche Anrufer dabei einen besonders perfiden Trick, indem sie sich als Mitarbeiter des „Verbandes der Deutschen Krankenversicherung“, des „Verbandes der privaten Krankenversicherer Deutschlands“ oder einer anderen Fantasie-Organisation mit ähnlich klingendem Namen ausgeben. Damit soll eine Nähe zum Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) suggeriert und dessen Name missbraucht werden.

Über Organisation und Motivation der Anrufer ist in der Regel wenig bekannt.

Viele Opfer solcher Anrufe beschweren sich derzeit beim PKV-Verband über diese Praxis und fragen nach Rat. Dabei berichten sie stets über eine ähnliche Vorgehensweise der Anrufer. Der vermeintliche PKV-Mitarbeiter kündigt deutliche Beitragssteigerungen in der Krankenversicherung an und bietet an, einen günstigeren Tarif innerhalb oder außerhalb des Versicherungsunternehmens zu finden – wofür natürlich die persönlichen Daten notwendig seien. Viele der so belästigten Personen berichten auch über ein aggressives Verhalten der Anrufer, wenn sie die Hintergründe für die Kontaktaufnahme genauer erfragen.

Mitarbeiter des PKV-Verbandes führen niemals vertriebsorientierte Gespräche.

Mitarbeiter des echten PKV-Verbandes führen selbstverständlich keine derartigen vertriebsorientierten Telefongespräche. Es handelt sich hier um einen neutralen Dachverband, der keinerlei Produktwerbung betreibt und schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen gar nicht als Makler tätig werden dürfte. Solche unlauteren Werbemethoden führen die Verbraucher in die Irre und schädigen damit den guten Ruf der Branche.

Mit den Kenntnissen dieser unerbetenen Anrufer scheint es schon deshalb nicht weit her zu sein, weil immer wieder auch Pflichtversicherte aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von ihnen angerufen werden, die aufgrund gesetzlicher Hürden die GKV gar nicht verlassen dürfen.

Ob die Anrufer, die zurzeit ihr Unwesen treiben, alle einer Organisation angehören oder unabhängig voneinander agieren, ist leider ebenso wenig bekannt, wie deren tatsächlichen Absichten. So könnte es sich dabei um Adressenhändler handeln, die lediglich möglichst viele persönliche Daten abgreifen wollen, oder auch um so genannte Tarifoptimierer, die damit werben, für Privatversicherte gegen Honorar einen billigeren Tarif zu organisieren.

 

Adressenhändler versuchen immer wieder, den Umstand auszunutzen, dass für den Wechsel einer Krankenversicherung oder eines Tarifs natürlich viele persönliche Daten erforderlich sind. Dies haben sie schon in der Vergangenheit immer wieder ausgenutzt, um sich persönliche Angaben unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen zu erschleichen. Solche ungewünschten Anrufe – so genannte „Cold Calls“ – erfüllen den Tatbestand des strafbaren Verhaltens im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes (§44 Abs. 1 i.V.m. § 43 Abs. 2 Nr. 1 BDSG).

Verfolgt wird eine solche Straftat allerdings nur auf Antrag. Antragsberechtigt sind dabei unter anderem die Betroffenen selbst oder die Datenschutzaufsichtsbehörde, nicht aber der Verband der Privaten Krankenversicherung. Die Betroffenen sollten daher Namen und Telefonnummer des Anrufers notieren und einen Strafantrag bei der Polizei stellen. Bei der Bundesnetzagentur sind ebenfalls Beschwerden gegen unerlaubte Telefonwerbung möglich. Für Beschwerden bei den zuständigen Landesdatenschutzbeauftragten sind deren Anschriften auf der Internetseite der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationssicherheit zu finden.

Besonders hinterhältig sind solche „Cold Calls“, wenn die Anrufer bewusst Zukunftsängste bei Versicherten wecken, indem sie maßlos übertriebene Prognosen für zukünftige Beitragssteigerungen abgeben. Tatsache ist jedoch zum einen, dass die PKV-Beiträge auf lange Sicht nicht stärker steigen als die Beiträge in der GKV – in den letzten zehn Jahren sind sie sogar etwas weniger stark gestiegen: in der Gesetzlichen Krankenversicherung pro Kopf im Schnitt um 3,2 Prozent pro Jahr und in der Privaten Krankenversicherung um 3,0 Prozent.

Zum anderen haben Privatversicherte, die ihren Tarifbeitrag optimieren möchten, jederzeit das Recht, in andere Tarife ihres Versicherungsunternehmens zu wechseln – und zwar kostenlos und unter voller Mitnahme ihrer bisher gebildeten Alterungsrückstellungen. Die meisten PKV-Unternehmen gehen in der Unterstützung der Versicherten bei einem solchen internen Tarifwechsel sogar freiwillig über die gesetzlichen Anforderungen hinaus (s. Artikel: Für jede Lebenslage).

Wer jedoch mit einem illegalen „Cold Call“ telefonisch seine Dienste beim Tarifwechsel aufdrängt, bei dem dürfte es sich kaum um einen seriösen Partner handeln.


Wichtige Internetadressen für Beschwerden:
Bundesnetzagentur: www.bundesnetzagentur.de
Bundesbeauftragte für den Datenschutz: www.bfdi.bund.de