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Frühlingskur für das Immunsystem

Frühlingskur für das Immunsystem

Dr. med. Sigrid Ley-Köllstadt ist Ärztliche Leiterin beim Deutschen Grünen Kreuz.

 

08.03.2017

GASTBEITRAG

Das Deutsche Grüne Kreuz befasst sich schon seit fast 70 Jahren mit den Themen Prävention und Schutz vor Infektionskrankheiten. Impfungen als primäre Prävention spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Jeder Arztbesuch sollte für eine Überprüfung des Impfschutzes genutzt werden. von Sigrid Ley-Köllstadt


Impfungen wurden vordringlich gegen Infektionen entwickelt, die besonders schwer verlaufen und gegen die man sonst kaum Möglichkeiten der Therapie hat. Hier einige Beispiele, an die man vor allem in den Frühlingsmonaten denken sollte, um das Immunsystem fit zu machen.

Zu Beginn der Gartensaison steht die Impfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) an, und man sollte prüfen, ob der Impfschutz aktuell ist, die letzte Tetanus- Impfung also nicht länger als 10 Jahre zurückliegt. Die Impfung schützt vor einem unsichtbaren, aber dadurch nicht weniger gefährlichen Mitbewohner unserer Gärten, dem Tetanus-Bakterium. Seine Dauerformen, die Sporen, können monate- bis jahrelang in Erdreich und Tierkot, aber auch auf Pflanzenteilen überdauern. Durch eine Verletzung, das kann eine Bagatelle wie ein Kratzer oder Stich durch Dornen sein, kommen sie in den Körper. So starb vergangenes Jahr eine 82-jährige Frau, die sich bei der Gartenarbeit eine tiefe Schnittwunde zugezogen hatte und keinen Impfschutz hatte.

Die Tetanus-Sporen wandeln sich im Körper zu den gefährlichen Bakterien um, deren Giftwirkung zu schweren Krämpfen führen. Alle 10 Jahre verlangt unser Immunsystem eine Tetanus- Auffrischimpfung, damit der Impfschutz erhalten bleibt, den wir mit der Grundimmunisierung, bestehend aus drei Impfungen, erwerben.

Fehlt eine Impfung gegen Tetanus, sollte man sich nie nur dagegen impfen lassen, sondern immer auch auf einen vollständigen Schutz gegen Diphtherie achten. Diese Auffrischimpfungen werden ebenfalls alle 10 Jahre empfohlen. Auch der Impfschutz gegen Keuchhusten sollte überprüft werden. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) haben innerhalb der letzten 10 Jahre 71,4 Prozent der Erwachsenen eine Auffrischimpfung gegen Tetanus erhalten, aber nur 57,1 Prozent bekamen die entsprechende Impfung gegen Diphtherie.

Noch weit niedriger sind die Durchimpfungsraten gegen Keuchhusten, der keine Kinderkrankheit mehr ist – das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt bei ca. 40 Jahren. Man kann sich mit Keuchhusten mehrfach im Leben anstecken und erkranken, die Krankheit hinterlässt, anders als z. B. Masern oder Windpocken, keine lebenslange Immunität; der Schutz ist auf etwa 10 Jahre begrenzt.

Die Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird für alle empfohlen, die in Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind, also dort leben oder dorthin reisen. Meist startet die Saison im April und geht – anders als der Name sagt – bis in den November. Betroffen sind nach Angaben des RKI folgende Gebiete:

  • Baden-Württemberg, alle Landkreise (LK)
  • Bayern (außer einigen LK in Schwaben und im westlichen Teil Oberbayerns)
  • Hessen: LK Odenwald, LK Bergstraße, LK Darmstadt-Dieburg, Stadtkreis (SK) Darmstadt, LK Groß-Gerau, LK Offenbach, SK Offenbach, LK Main-Kinzig- Kreis, LK Marburg-Biedenkopf
  • Rheinland-Pfalz: LK Birkenfeld
  • Saarland: LK Saar-Pfalz-Kreis
  • Sachsen: LK Vogtlandkreis
  • Thüringen: SK Jena, SK Gera, LK Saale- Holzland-Kreis, LK Saale-Orla-Kreis, LK Saalfeld-Rudolstadt, LK Hildburghausen, LK Sonneberg, LK Greiz

Fazit: Rechtzeitiges Auffrischen des Impfschutzes kann vielen gefährlichen Krankheiten vorbeugen. Dem Frühjahr und der Reisezeit kann man dann noch entspannter entgegensehen.