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PKV publik 10.2016

zwei Kinder (ein Zwillingspärchen) lachen keck in die Kamera
 

09.12.2016

Nah beieinander

Die Beitragsentwicklung in Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung verläuft annähernd gleich

Die Beitragseinnahmen pro Kopf in Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung haben sich in den vergangenen 10 Jahren sehr ähnlich entwickelt.


Als sich vor einigen Wochen abzeichnete, dass in der Privaten Krankenversicherung (PKV) für 2017 untypisch hohe Beitragsanpassungen anstehen, kam kaum eine Medienschlagzeile darüber ohne Begriffe wie „Schock“ oder „Explosion“ aus. Dabei gibt es mit dem medizinischen Fortschritt und der anhaltenden Niedrigzinsphase handfeste, nachvollziehbare Gründe für die Anpassungen. Außerdem fehlte in den meisten Medienberichten eine wichtige Vergleichszahl - und die nimmt der PKV-Beitragsentwicklung jede Schlagzeilen-Dramatik: Die Entwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist nämlich nahezu identisch. In den vergangenen zehn Jahren nahmen die Beitragseinnahmen je Versicherten in der GKV sogar stärker zu als in der Privaten Krankenversicherung.

Nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums stiegen die Beitragseinnahmen in der GKV pro Kopf zwischen 2007 bis 2017 um insgesamt 37 Prozent. Im gleichen Zeitraum verzeichnete die PKV einen Anstieg der Beitragseinnahmen pro Kopf um 35 Prozent, wie das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) errechnet hat. Umgerechnet ergibt sich damit in den vergangenen zehn Jahren ein durchschnittlicher Anstieg um 3,0 Prozent pro Jahr in der PKV, verglichen mit 3,2 Prozent pro Jahr in der GKV. Die für 2017 angekündigten Beitragsanpassungen in PKV-Tarifen hat das WIP dabei bereits berücksichtigt.

Der Anstieg der Einnahmen in der Gesetzlichen Krankenversicherung resultiert vor allem aus einer Zunahme der beitragspflichtigen Einkommen, dem Anstieg des Beitragssatzes sowie aus der regelmäßigen Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze. Rechnet man auch die milliardenschweren Steuerzuschüsse ein, die die GKV erhält, fällt der Vergleich nochmals günstiger für die PKV aus: Dem durchschnittlichen Anstieg von 3,0 Prozent pro Kopf und Jahr in der PKV stehen dann 3,8 Prozent in der GKV gegenüber.

Die Beitragsentwicklung ist in beiden Systemen nahezu identisch.

Ob nun aber mit oder ohne Zuschuss: Der Vergleich zeigt, wie ähnlich sich die Beiträge in beiden Systemen entwickeln. Doch während die GKV jedes Jahr automatisch steigende Beiträge erhält – ohne ihren Versicherten dies auch nur mitzuteilen – muss die PKV warten, bis die Kosten gesetzlich vorgegebene Schwellenwerte übersteigen. Durch die dadurch notwendige nachholende Anpassung kann auf mehrere Jahre Beitragsstabilität unvermittelt ein abrupter Anstieg erfolgen. Die PKV hat deshalb in Einklang mit Forderungen von Verbraucherschützern Vorschläge gemacht, wie sich die Entwicklung verstetigen lässt. Leider hat die Politik diese bisher nicht aufgegriffen. Die neuen WIP-Zahlen werden hoffentlich helfen, den Gesetzgeber zu überzeugen, dass er hier im Interesse der Versicherten handeln sollte.

Sowohl in Gesetzlicher wie Privater Krankenversicherung ist die Beitragsentwicklung vor dem Hintergrund einer Alterung der Bevölkerung zu sehen, die mit höheren Ausgaben einhergeht. Zudem führt der medizinisch-technische Fortschritt zu Ausgabensteigerungen, gleichzeitig erhöht er aber den Nutzen der Versicherten, indem er vielfach eine bessere Diagnostik und Therapie ermöglicht.

So hat Deutschland eines der leistungsstärksten Gesundheitssysteme der Welt: Mit freier Arztwahl, hoher Versorgungsdichte, international rekordverdächtig kurzen Wartezeiten und mit Teilhabe am medizinischen Fortschritt für alle. Diese gute Versorgung gilt es, auch in Zukunft zu sichern. Nur die Private Krankenversicherung sorgt dafür finanziell vor und trägt damit zur Stabilisierung bei (siehe Beitrag: "Mehr Wohlstand dank der PKV"). Zudem hält das duale System beide Teile auf Trab, die GKV ebenso wie die PKV. Hier gilt wie sonst im Leben: Wettbewerb belebt das Geschäft – und davon profitieren alle Versicherten. Übrigens: Privatversicherte zeigen sich in den entsprechenden Umfragen tendenziell immer noch ein wenig zufriedener mit ihrer Versorgung als der Durchschnitt. Und auch mit dem Preis- Leistungs-Verhältnis ihrer Privaten Krankenversicherung können sie weiterhin sehr zufrieden sein. Denn die aktuelle WIP-Untersuchung belegt: Selbst wenn die privaten Krankenversicherungen den Beitrag einmal etwas heftiger anheben müssen, so holen sie doch meist nur das nach, was sich in der Gesetzlichen Krankenversicherung still und leise längst vollzogen hat.


www.wip-pkv.de