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PKV publik 9.2016

14.11.2016

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Denn anders als die GKV bildet die PKV sogenannte Alterungsrückstellungen: Dabei wird ein Teil des Versichertenbeitrags für die im Alter tendenziell steigenden Krankheitskosten verzinslich angelegt. Das macht die PKV zu einem nachhaltigen System, in dem die Versicherten für sich selbst Vorsorge treffen – anstatt kommende Generationen finanziell zu belasten.

Die PKV ist bei der Anlage dieser Alterungsrückstellungen traditionell sehr vorsichtig und investiert überwiegend in langfristige, festverzinsliche Papiere. An den Finanzmärkten wurde diese bewusst risikoarme Strategie schon von manchen belächelt – doch dann kamen Aktiencrashs und Bankenkrisen. Dank ihrer umsichtigen, breitgestreuten Anlagepolitik hat die Private Krankenversicherung all diese Krisen bis heute hervorragend gemeistert: So konnten die Alterungsrückstellungen der Privatversicherten in den vergangenen zehn Jahren auf fast 230 Milliarden Euro verdoppelt werden. Und selbst als der Leitzins der Europäischen Zentralbank im Jahr 2015 Richtung Null absank, betrug die durchschnittliche Verzinsung aller PKV-Anlagen noch immer starke 3,7 Prozent.  

Allerdings resultiert der PKV-Kapitalmarkterfolg vor allem aus dem Anteil langlaufender Anleihen aus früheren Jahren, als es weltweit noch deutlich höhere Zinsen gab. Sowohl die Wiederanlage auslaufender Papiere als auch das Investment der aktuellen Versichertenbeiträge werden durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank natürlich erschwert. In der Folge „performt“ die PKV bei der Nettoverzinsung zwar immer noch viel besser als andere, aber eben auch nicht mehr ganz so gut wie früher.

Vorsorglich haben die PKV-Unternehmen daher bei ihren neuen Tarifen bereits die Zinserwartungen zurückgenommen und den sogenannten Rechnungszins in der Kalkulation, der seit Jahrzehnten branchenweit bei 3,5 Prozent lag, deutlich abgesenkt. Dieses Vorgehen wäre auch für viele Bestandstarife angeraten gewesen. Doch die gesetzlich verankerten Beitragsanpassungsregeln für die PKV legen fest: Eine Anpassung darf nur erfolgen, wenn einer von zwei sogenannten Auslösenden Faktoren erreicht wird. Diese betreffen die Leistungsausgaben und die Lebenserwartung.

Dabei gelten dann starre Schwellenwerte: Nur wenn die tatsächlich gezahlten Versicherungsleistungen um mehr als 10 Prozent (in vielen Tarifen gilt auch ein Wert von 5 Prozent) von den kalkulierten Leistungen abweichen, ist eine Neukalkulation der Beiträge möglich. Entsprechendes gilt für eine Veränderung der allgemeinen Lebenserwartung. Das Zinsniveau hingegen gehört nicht zu den Auslösenden Faktoren – und durfte von den Versicherungsunternehmen folglich bislang nicht separat zum Anlass für eine Beitragsanpassung genommen werden.

Nun sind in den meisten PKV-Tarifen die auslösenden Faktoren schon seit einigen Jahren nicht mehr angesprungen. Sobald das dann aber doch einmal geschieht, muss es zu entsprechenden nachholenden Beitragsanpassungen an die tatsächliche Kostenentwicklung kommen. Dabei müssen dann alle Kalkulationsgrundlagen auf den Prüfstand – insbesondere auch der erwähnte Rechnungszins.

Können die Unternehmen – so lautet dann die Frage – das für die Versorgung der Versicherten im Alter benötigte Kapital noch wie ursprünglich berechnet am Markt erwirtschaften? Oder muss, bei gesunkenen Zinsen, die Vorsorge der Versicherten und damit der Beitrag erhöht werden, um die Versicherungsleistung auch weiter für alle Zukunft garantieren zu können?

Da die meisten Unternehmen die Beiträge derzeit noch mit einem Rechnungszins von 3,5 Prozent kalkulieren, muss bei der nächsten Anpassung die Niedrigzinsentwicklung der vergangenen Jahre nachgeholt werden. Das könnte für viele Versicherte zu ungewohnten, überproportionalen Beitragssprüngen führen. Und es dürfte Verärgerung auslösen. Schließlich weiß man aus Umfragen: Wenn die Preise schon ansteigen müssen, dann ist den Menschen eine Entwicklung in regelmäßigen kleinen Schritten deutlich lieber als ein Anstieg in zwar seltenen, dafür aber größeren Sprüngen.

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