• Vorlesen
  • A A A

PKV publik 9.2016

Kampagnenmotiv
 

14.11.2016

Die Information der breiten Bevölkerung zu HIV und AIDS wird durch zahlreiche Settingmaßnahmen ergänzt. Viele dieser Projekte finanziert die Private Krankenversicherung.


„Mit HIV komm‘ ich klar. Mit Ablehnung nicht.“ Das ist eine von drei Aussagen der aktuellen Kampagne anlässlich des diesjährigen Welt-AIDSTages am 1. Dezember. Sie ist seit Anfang November auf zahlreichen Plakatwänden in Deutschland zu sehen. Wie auch in den Vorjahren wurde sie gemeinsam von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), dem Bundesgesundheitsministerium, der Deutschen AIDS-Hilfe sowie der Deutschen AIDS-Stiftung umgesetzt. Ziel ist es, die hohe Aufmerksamkeit innerhalb der Gesamtbevölkerung für das Thema HIV zu erhalten, Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV und AIDS abzubauen und die Vor-Ort-Arbeit zu unterstützen.

Die diesjährige Kampagne macht deutlich, wie Menschen die Diskriminierung aufgrund ihrer HIV-Infektion erleben: „Gegen HIV hab‘ ich Medikamente. Gegen dumme Sprüche nicht.“, ist deshalb die Botschaft eines jüngeren Mannes. Diskriminierungserfahrungen und die Angst vor Zurückweisung und Ablehnung führen dazu, dass Menschen mit HIV oft nicht einmal den engsten Freunden und der Familie von ihrer Infektion erzählen.

Ein Dritter verbirgt sich deshalb hinter seinem Schild, nur seine Glatze schaut dahinter hervor. Seine Botschaft lautet: „Mit HIV kann ich leben. Mit dem ewigen Verstecken nicht.“ Denn viele Betroffene trauen sich noch immer nicht, das Thema öffentlich anzusprechen. Der ungewollte Nebeneffekt: HIV verschwindet zunehmend aus der öffentlichen und privaten Wahrnehmung.

Die Kampagne regt deshalb dazu an, die Perspektive eines Menschen mit HIV einzunehmen. Die persönlichen Aussagen erlauben es den Lesern, die Gefühlslage der Betroffenen nachzuvollziehen. Denn dank der deutlich verbesserten medizinischen Versorgungslage sind heute – anders als zu Beginn der HIV-Ausbreitung – Zurückweisung und Ausgrenzung, aber auch die selbstgewählte Isolierung für viele die schwerwiegendsten Folgen der Infektion.

Wie wichtig die Kommunikation über das Thema in der Öffentlichkeit wie im privaten Kreis ist, zeigt ein Blick über den deutschen Tellerrand: Gerade in den Ländern, wo die Themen HIV und Verhütung verharmlost oder gar totgeschwiegen werden, breitet sich die Infektion aus. In Russland beispielsweise infizierten sich im vergangenen Jahr etwa 95.000 Menschen neu mit HIV. Damit hat sich die Zahl der Infizierten in Russland binnen zehn Jahren auf mehr als eine Million verzehnfacht – die Süddeutsche Zeitung schlussfolgerte kürzlich, dort braue sich eine „Superseuche“ zusammen.

In einigen Ländern im südlichen Afrika, wo die HIV-Infektions-Quote bei 20 Prozent der Bevölkerung und darüber liegt, hat dagegen ein Umdenken stattgefunden. Dank massiver Aufklärungsmaßnahmen und deutlich verbesserter Behandlungsmöglichkeiten geht die Rate der Neuinfektionen langsam zurück.

Immer noch ist es dort aber keine Selbstverständlichkeit, offen über HIV und AIDS zu sprechen. Zuwanderer, die aus diesen Regionen nach Deutschland kommen, haben damit auch die Chance, sich erstmalig über Schutz- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. „Gott, ich bin tot“, schildert eine HIV-Positive namens Theresa ihre erste Reaktion auf die Diagnose. Eine Uganderin namens Blessed erzählt, sie sei nach der Diagnose mit den Kindern aufs Land gezogen – in der Überzeugung, bald sterben zu müssen.

In Deutschland engagieren sich seit mehreren Jahren örtliche AIDS-Hilfen, kirchliche Beratungsstellen und Universitäten, um Zuwanderer auf das Thema HIV anzusprechen, zumeist über speziell geschulte Muttersprachler. Viele dieser Projekte für Migrantinnen und Migranten werden von der Deutschen AIDS-Stiftung gefördert. Die Finanzmittel dafür spendet seit vielen Jahren der Verband der Privaten Krankenversicherung.

Eines dieser Projekte im sogenannten Setting ist das des HIVCENTERs an der Frankfurter Uniklinik: Ein Viertel der dortigen Patienten ist nicht in Deutschland geboren. Ein großes Problem ist deswegen die Sprachbarriere. Dies gilt vor allem für neue Patienten, die noch nicht lange in Deutschland leben – oftmals befinden sich aber genau diese in einem lebensbedrohlichen Krankheitsstadium.

Eigene Offenheit hilft gegen die Stigmatisierung in der Öffentlichkeit.

Das HIVCENTER hat deshalb das Projekt HelpingHand initiiert: Patienten mit Migrationshintergrund, die bereits länger in Deutschland leben, unsere Sprache sehr gut sprechen und mit dem HIVCENTER sowie dem deutschen Gesundheitssystem vertraut sind, werden zu sogenannten PatientenExperten geschult. Diese helfen mit Dolmetscherdiensten und individueller Patientenbegleitung im HIVCENTER, aber auch als Begleiter bei externen Untersuchungen oder Behördengängen.

Ergänzt wird das Angebot durch niedrigschwellige Kontaktangebote, die von den PatientenExperten entwickelt und organisiert werden. Der persönliche Kontakt zu anderen Betroffenen etwa beim internationalen Kaffeeklatsch hilft, die HIV-Diagnose anzunehmen. Denn vielen ist nicht bewusst, dass dank der guten medizinischen Versorgung in Deutschland die Lebensaussichten mit HIV fast so hoch liegen wie bei Nichtinfizierten.

Zu erleben, wie gut das Leben trotz Infektion sein kann, lässt sie neues Selbstbewusstsein schöpfen. Um eines Tages den Schritt zu wagen, mit dem engeren oder sogar erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis selbst über die eigene HIV-Infektion zu sprechen. Weil man durch Aktionen etwa anlässlich des Welt-AIDS-Tages weiß, dass die eigene Offenheit nicht zu Stigmatisierung in der Öffentlichkeit führt.


www.welt-aids-tag.de