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PKV publik 9.2016

Ansgar Jonietz

Ansgar Jonietz ist Geschäftsführer von

 

14.11.2016

GASTBEITRAG

Der Patientenbrief: Gesundheitsinfo in leicht verständlicher Sprache

Das Sozialunternehmen „Was hab‘ ich?“ erstellt für Patienten zusätzlich zum Arztbrief jetzt auch einen Patientenbrief. Von Ansgar Jonietz


Nach dem Krankenhaus-Aufenthalt erhält jeder Patient einen Entlassungsbrief. Der ist für den weiterbehandelnden Arzt geschrieben, also in medizinischer Fachsprache – der Patient versteht meist kaum, was darin über die Diagnosen, die Behandlung und die weiterführende Therapie steht. Dabei ist ein Verständnis der eigenen Krankheit essenziell für die Therapietreue. Zahlreiche Studien zeigen, dass der moderne Patient sich mehr Informationen wünscht. Gleichzeitig verfügen nur 46 Prozent der Deutschen über eine gute oder ausgezeichnete Gesundheitskompetenz. Und eine geringere Gesundheitskompetenz geht nicht nur mit mangelnder Therapietreue, sondern auch mit einer geringeren Lebenserwartung einher.

Das Sozialunternehmen „Was hab‘ ich?“ evaluiert nun erstmals den Einsatz eines sogenannten „Patientenbriefs“. Dafür erhalten die Patienten der Abteilung Innere Medizin der Paracelsus-Klinik Bad Ems seit Herbst 2015 zusätzlich zum Entlassungsbrief auch eine leicht verständliche Version. Darin enthalten sind individuelle, laienverständliche Informationen über das Krankheitsbild des Patienten, durchgeführte Untersuchungen und gesundheitsförderliches Verhalten nach der Entlassung. Die patientengerechten Informationen ermöglichen es dem Patienten, im Arztgespräch die richtigen Fragen zu stellen und gemeinsam mit dem Arzt Entscheidungen zu treffen. Der Patientenbrief möchte damit die Gesundheitskompetenz und nachhaltig die Gesundheit der Patienten erhöhen. Die Studie wird vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Für die Klinik-Ärzte entsteht durch den Patientenbrief kein Zusatz-Aufwand: Der Entlassungsbrief wird digital und datenschutzkonform an „Was hab‘ ich?“ übermittelt. Hier erstellen die hauptamtlich tätigen Ärzte den Patientenbrief, dieser wird dann postalisch im Namen der Klinik an den Patienten übermittelt. Aktuell arbeitet das gemeinnützige Unternehmen bereits an einer automatisierten Version des Patientenbriefes, um das Produkt breiter einsetzen zu können. Langfristiges Ziel ist es, allen Patienten in Deutschland verständliche Gesundheitsinformationen zur Verfügung zu stellen.

„Was hab‘ ich?“ setzt sich bereits seit 2011 für eine Verbesserung der Arzt-Patienten- Kommunikation ein. Dafür entwickelten die Gründer, zwei Medizinstudierende und ein Informatiker, die Internetseite washabich.de. Hier können Patienten kostenlos und anonym ihre medizinischen Befunde einsenden. Diese werden dann von ehrenamtlich tätigen Medizinstudierenden und Ärzten in eine verständliche Sprache übersetzt. Damit wird nicht nur den Patienten beim Verstehen ihrer Befunde geholfen, gleichzeitig erhält jedes ehrenamtliche Team-Mitglied eine Ausbildung in leicht verständlicher Kommunikation. So konnten bereits über 29.000 Befunde übersetzt und mehr als 1.400 Mediziner in patientenfreundlicher Sprache geschult werden. Für das Engagement im Bereich der Arzt-Patienten- Kommunikation wurde „Was hab‘ ich?“ bereits vielfach ausgezeichnet.


www.washabich.de