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PKV publik 8.2016

Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln, ist Botschafter für das Präventionsprogram „Älter werden in Balance“.

 

11.10.2016

„Wir müssen den Sportmuffeln die Freude an der Bewegung zurückbringen.“

Der Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse spricht über die gesundheitliche Bedeutung von Sport, die Motivation älterer Menschen zu mehr Bewegung und die Vorteile des von ihm entwickelten AlltagsTrainigsProgramms (ATP).


Warum sind Sie Botschafter von „Älter werden in Balance“?

Froböse: Bewegung und Sport spielen für unsere Gesundheit, unsere Lebensqualität sowie mit zunehmendem Alter auch die individuelle Mobilität eine bedeutende Rolle, wir profitieren also davon auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Die Menschen und insbesondere die Best-Ager davon zu überzeugen und mit dem „Bewegungsvirus“ anzustecken, ist mir deshalb ein wichtiges Anliegen.

Was ist das Besondere an dem von Ihnen entwickelten Bewegungsprogramm?

Froböse: Das Besondere am AlltagsTrainingsProgramm ist, dass es absolut keine Barrieren gibt. Wir setzen den Fokus vollkommen auf den Alltag: Treppe steigen, Wege des täglichen Bedarfs zu Fuß zurücklegen, Heben und Tragen, Aufstehen und Hinsetzen und weitere Alltagssituationen helfen also, die eigene Fitness zu steigern. Das Programm macht deutlich, dass es für eine Extraportion Bewegung nichts braucht – denn der Alltag bietet uns die beste und simpelste Trainingsstätte. Ein solches Programm fehlte bislang.

Gibt es etwas, das Sie in der Pilotphase überrascht hat?

Froböse: An der Pilotphase, die von April bis August 2016 stattfand, nahmen zehn Vereine aus den Strukturen des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen teil. In insgesamt elf Kursen haben rund 130 Menschen fleißig nach dem ATP trainiert. Dabei haben es die Vereine geschafft, insbesondere die körperlichsportlich Inaktiven zu erreichen. Das freut mich ganz besonders, denn gerade diese Zielgruppe stellt für uns eine maßgebliche Herausforderung dar. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer gaben an, bislang nicht körperlich-sportlich aktiv gewesen zu sein – also genau die Zielgruppe des Programms.

Warum bewegen sich ältere Menschen nicht genügend?

Froböse: Mit dem Ende des Berufslebens reduziert sich für viele auch die Bewegung, bedingt durch die Wege, die nun nicht mehr zurückgelegt werden müssen. Auch neuere Studien weisen darauf hin, dass mit dem Wegfall der Arbeit viele Menschen inaktiver werden und ihre Gesundheit darunter leidet. Ein weiterer Grund ist das fehlende Bewegungs-Angebot, speziell in ländlichen Gebieten. Hier ist das Aufwand-Nutzen-Verhältnis meist zu hoch, und viele ältere Personen schaffen es schlicht nicht mehr selbstständig zum nächsten Sportverein. Darüber hinaus ist das Angebot für Ältere und Hochbetagte lange nicht so ausgefeilt wie für die jüngere und mittelalte Generation.

Wie kann es aus Ihrer Sicht noch besser gelingen, erklärte Sportmuffel zu mehr Bewegung zu ermuntern?

Froböse: Insbesondere die Sportmuffel merken schnell, wenn sie der Bewegung und Aktivität einmal ein wenig Platz im Alltag verschafft haben, welch positive Effekte diese mit sich bringen: So erhöht sich die Lebensqualität – natürlich durch die bessere Fitness, aber auch die mentale Balance. Doch ein wesentlicher Faktor ist der Spaß. Wir müssen also all den Sportmuffeln die Freude zurückbringen, die wir durch Aktivität ganz leicht erfahren, und das frei Haus.