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PKV publik 8.2016

Sportler auf Startposition vor Hindernislauf
 

11.10.2016

Hohe Hürden

Die Versicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung steigt auf 57.600 Euro im Jahr

Die Einkommensgrenze für den Wechsel in die Private Krankenversicherung steigt 2017 wieder einmal um mehr als tausend Euro. Was Wechselwillige beachten müssen.


Es ist eine leidige Tradition: Auch im kommenden Jahr wird es für Angestellte wieder erneut schwieriger, in die Private Krankenversicherung (PKV) zu wechseln. Anfang September hat das Bundesarbeitsministerium seinen jährlichen Entwurf für die Anpassung der Sozialversicherungsrechengrößen vorgelegt. Demzufolge steigt 2017 die Einkommensgrenze, ab der Angestellte in die Private Krankenversicherung wechseln dürfen, auf 57.600 Euro im Jahr bzw. 4.800 Euro im Monat.

Diese sogenannte Versicherungspflichtgrenze wird damit wie bereits in den Vorjahren um 1.350 Euro pro Jahr ansteigen – ein deutlicher Aufschlag. Grund dafür ist die gesetzliche Anpassungssystematik. Zwar orientiert sich die Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze laut Gesetz am „Verhältnis, in dem die Bruttolöhne und -gehälter“ zu den jeweiligen Gehältern im Jahr zuvor stehen. Diese vermeintlich gerechte Regelung wird aber dadurch untergraben, dass das Ergebnis immer auf das nächsthöhere Vielfache von 450 aufgerundet wird.

In den letzten fünf Jahren ist die Wechsel-Hürde insgesamt um etwa 13 Prozent höher geworden. Das entspricht mehr als 500 Euro im Monat. Angestellten fällt es somit zunehmend schwerer, das benötigte Einkommen für einen Wechsel in die PKV zu erzielen.

Attraktiver Wechsel

Dabei spricht vieles für einen solchen Wechsel. Denn neben den hervorragenden Leistungen in der Privaten Krankenversicherung hat man dort auch die Möglichkeit, diese – anders als in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – seinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen anzupassen.

Bedenken sollte man auch, dass die jährliche Anpassung der Sozialversicherungsgrößen für Kassenmitglieder einen oft unbemerkten und meist deutlichen Beitragsaufschlag mit sich bringt. So steigt nämlich auch die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze – das ist der Einkommensanteil, bis zu welchem Krankenkassenbeiträge auf den Lohn berechnet werden – im nächsten Jahr um 1.350 Euro auf dann 52.200 Euro im Jahr. Hinzu kommt eine vom GKV-Spitzenverband prognostizierte Anhebung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von derzeit 1,1 auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr. Damit ergibt sich ein GKV-Gesamtbeitrag – Arbeitgeberanteil inklusive – von etwa 700 Euro im Monat für alle freiwillig versicherten Arbeitnehmer. Und dabei ist die Pflegepflichtversicherung noch nicht einmal mitgerechnet.

Anders als bei Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung muss die jeweilige gesetzliche Krankenkasse ihren Mitgliedern eine Erhöhung nicht förmlich mitteilen. Sondern der Arbeitgeber führt einfach nach dem Jahreswechsel den entsprechend gestiegenen Beitrag an die GKV ab. Die Beschäftigten bemerken die „heimliche Beitragsanpassung“ oft erst bei ihrem nächsten Gehaltseingang.

Kein Warten bei neuem oder beim ersten Job

Ein Wechsel in die PKV ist für viele Arbeitnehmer daher auch vom Preis-/ Leistungsverhältnis sehr attraktiv. Wer pünktlich zum Jahreswechsel seinen Versicherungsschutz optimieren möchte, sollte allerdings langsam aktiv werden.

Liegt bereits Versicherungsfreiheit in der GKV vor, kann das Versicherungsverhältnis in der Regel jederzeit mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende gekündigt werden, sofern bis zum Ablauf dieser Frist eine Folgeversicherung bei der PKV nachgewiesen werden kann. Bei einer Kündigung zum Beispiel im März würde der Wechsel also zum 1. Juni erfolgen können.

Ein solch unterjähriger Wechsel ist aber nur für Arbeitnehmer möglich, die entweder bereits versicherungsfrei sind oder die ihren Arbeitgeber gewechselt haben und in der neuen Stelle auf das benötigte Monatsgehalt kommen oder die vorher noch kein Arbeitsverhältnis hatten und gleich mit ihrem ersten „Job“ ein entsprechend hohes Einkommen erzielen. Wer in diesen drei Fällen vorausschauend für die nächsten zwölf Monate ein Jahresentgelt über der Versicherungspflichtgrenze haben wird, ist sofort ab Beginn des neuen Beschäftigungsverhältnisses versicherungsfrei.

Alle anderen Arbeitnehmer müssen bis zum Jahreswechsel warten, bevor sie sich privat versichern können. Denn bei einem bestehenden, ungekündigten Arbeitsverhältnis tritt die Versicherungsfreiheit üblicherweise erst zum Beginn des neuen Kalenderjahres ein – egal, wie hohe Gehaltsanpassungen die Beschäftigten in der Zwischenzeit erhalten haben. Entscheidend für die Frage, ob die Versicherungsfreiheit eintritt, ist übrigens nicht das tatsächliche in einem Kalenderjahr erzielte Gesamteinkommen, sondern das aufs Jahr hochgerechnete Monatseinkommen. Wer also im Dezember eine Gehaltserhöhung bekommt, kann sich unter Umständen über einen schnellen Wechsel in die Private Krankenversicherung freuen.

Befreiung bei steigender Grenze möglich

Bereits Privatversicherten sollte die jährliche Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze übrigens auch nicht egal sein: Steigt die Grenze über ihr Einkommen, werden sie wieder versicherungspflichtig und würden infolgedessen wieder in die Gesetzliche Krankenversicherung gezwungen. In diesem Fall gewährt das Gesetz allerdings eine Art „Bestandsschutz“: Wer innerhalb von drei Monaten nach Beginn dieser Versicherungspflicht bei der zuständigen Krankenkasse – in der Regel ist das die letzte Krankenkasse, bei der man vor dem Wechsel in die PKV versichert war – einen entsprechenden Antrag stellt, bleibt von der Versicherungspflicht in der GKV befreit und kann damit weiter privat versichert bleiben.