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PKV publik 8.2016

 

11.10.2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Ende September stellte sich Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, im Deutschen Bundestag den Fragen der Abgeordneten zum dauerhaft niedrigen Zinsniveau. Dabei deutete er an, dass mit einem Ende der Niedrigzinsen so schnell nicht zu rechnen sein wird. Wie auch immer man die Begründung für Draghis Zinspolitik bewerten mag, fest steht, dass sie Sparer, Versicherungen und Altersvorsorge vor große Herausforderungen stellt – mithin also auch die Private Krankenversicherung.

Privatversicherte haben einen lebenslangen Anspruch auf hervorragende Leistungen und die Teilhabe am medizinischen Fortschritt. Um das gewährleisten zu können, legen die Privaten Krankenversicherer einen Teil der Beitragsgelder verzinslich an. Bis zuletzt waren sie dabei überaus erfolgreich: So erzielte die PKV im Branchendurchschnitt 2015 für ihre Versicherten eine Verzinsung von immerhin noch 3,7 Prozent.

Weil die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank solche Erträge aber nicht dauerhaft ermöglicht, müssen die PKV-Unternehmen ihre Zinserwartungen nun vorsorglich zurückschrauben. Für die Versicherten führt dies zu einem Anstieg der Beiträge. Denn was am Kapitalmarkt nicht zu erwirtschaften ist, muss – so ist es gesetzlich vorgeschrieben – durch eine Erhöhung der Vorsorge ausgeglichen werden. Davon sind Privatversicherte jetzt also ebenso betroffen wie andere Sparer auch, wobei die Beitragsanpassung unmittelbar ihre eigene medizinische Versorgung der Zukunft sichert.

Hinzu kommen bei vielen Versicherern gestiegene Aufwendungen für medizinische Leistungen. Beide Effekte zusammen werden in einigen Tarifen zu untypisch starken Beitragserhöhungen führen. Grundsätzlich bietet die PKV aber auch nach der aktuellen Beitragsanpassung ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis.

Aus Umfragen wissen wir, dass die Menschen kleine, regelmäßigere Beitragsanpassungen eher akzeptieren würden als seltene, dann aber deutlich größere Sprünge. Bei einer derart gleichmäßigen Anpassung wäre die PKV-Beitragsentwicklung in den vergangenen Jahren absolut unauffällig gewesen und hätte sogar unter der Steigerung in der GKV gelegen. Im Einklang mit Verbraucherschützern hat der PKV-Verband daher dem Gesetzgeber schon vor längerer Zeit Vorschläge gemacht, wie sich eine solche Verstetigung rechtlich ermöglichen ließe. 

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Volker Leienbach