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PKV publik 8.2016

Ältere Dame mit rotem Stirnband macht Sportübungen am Rande eines Waldes
 

11.10.2016

Die Kräfte mobilisieren

Was jeder gegen Pflegebedürftigkeit im Alter tun kann

Der PKV-Verband unterstützt ein neues Präventionsprogramm, mit dem Pflegebedürftigkeit im Alter möglichst vermieden werden soll. Der Fokus liegt auf Bewegungsmöglichkeiten im Alltag.


Weniger Pflichten. Mehr Freiheiten. Das ist die Vorstellung vieler Menschen, wenn sie an den eigenen Ruhestand denken. Viele Senioren nutzen diesen Lebensabschnitt ganz bewusst, um all die Dinge zu tun, für die es im Arbeitsleben keine Zeit gab. Sie treffen Freunde, unternehmen schöne Dinge und verreisen.

Die körperliche Aktivität nimmt im Rentenalter nach und nach ab.

Und trotzdem nimmt die Aktivität im Rentenalter nach und nach ab. Statistiken zeigen, dass sich die Menschen umso weniger bewegen, je älter sie werden. Das kann schlagartig der Fall sein, etwa wenn man aus dem eigenen Haus in eine kleinere Wohnung zieht und die gewohnte Gartenarbeit plötzlich entfällt. Oder wenn die Spaziergänge bei jedem Wind und Wetter entfallen, weil der Hund verstirbt.

Viel häufiger ist es aber eher ein allmählicher Prozess: Eine Kombination aus mehreren Faktoren führt dazu, dass sich ältere Menschen weniger bewegen. Persönliche Bequemlichkeiten, der Wegfall von Pflichten, aber auch wachsende gesundheitliche Einschränkungen spielen dabei eine Rolle. Dass sich gerade ältere Menschen erheblichen gesundheitlichen Risiken aussetzen, wenn sie keinerlei Sport treiben, ist vielen nicht bewusst. Und dass sich die individuellen Kräfte und Fähigkeiten weiter reduzieren, je mehr man den Regenschirm gegen die Fernbedienung eintauscht, noch weniger.

Anders lässt sich kaum erklären, dass Personen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Muskel-Skelett- Beschwerden selten sportlich aktiv sind. Tatsächlich hat unser Lebensstil entscheidenden Einfluss auf unsere Mobilität: Wer sich im Alltag nicht ausreichend bewegt, dem versteifen eines Tages die Gelenke, wer immer nur sitzt, der kommt irgendwann nicht mehr hoch. Schleichend wird so für viele Ältere aus der Freiheit, viele Dinge nicht mehr tun zu müssen, eine Einschränkung, weil man viele Dinge nicht mehr tun kann.

Und von diesem Problem werden in Zukunft immer mehr Mesnchen betroffen sein: Denn der mediziniche Fortschritt, höhere Einkommen und viele weitere Faktoren lassen die Lebenserwartung immer weiter steigen. Je älter die Menschen aber werden, desto häufiger entwickeln sich chronische Erkrankungen. Und ab einem gewissen Alter steigt schließlich die Wahrscheinlichkeit rapide, pflegebedürftig zu werden: So hat heute jeder Fünfte im Alter über 80 eine Pflegestufe. Bei den Über-90-Jährigen ist es schon mehr als jeder Zweite. Und laut Statistischem Bundesamt wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen im Jahr 2050 mit 4,5 Millionen im Vergleich zum Jahr 2010 annähernd verdoppelt haben.

Wer nicht mehr mobil genug ist, um Einkäufe allein zu erledigen, die Wohnung sauber zu halten oder Freunde zu treffen, der braucht dauerhaft Hilfe. Für den Betroffenen bedeutet dies einen Rückgang an Autonomie und oftmals auch an Lebensfreude. Für die Allgemeinheit bedeutet es höhere Kosten, die durch die Betreuung anfallen.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung hat sich deshalb bereits im Jahr 2014 entschlossen, mit Älter werden in Balance über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ein Präventionsprogramm für Menschen in höherem und hohem Alter ins Leben zu rufen. Ziel ist es, die Selbstbestimmung, Mobilität und damit Lebensqualität im Alter zu fördern. Damit soll eine Pflegebedürftigkeit hinausgezögert, abgemildert oder idealerweise sogar ganz vermieden werden. Als ersten Baustein von „Älter werden in Balance“ gibt es seit Jahresbeginn das „Lübecker Modell Bewegungswelten“. Es richtet sich an bereits Pflegebedürftige und wird aktuell in ganz Schleswig-Holstein angeboten (siehe PKV publik 6/2016).

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