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PKV publik 8.2016

11.10.2016

Auch Kinder sind mit dem Thema Demenz konfrontiert

Viele empfinden eine Demenzerkrankung in der Familie als Belastung

Fast ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist im familiären Umfeld von Demenz betroffen. Das zeigt, dass das Thema mitten in der Gesellschaft angekommen ist.


Eine Demenzerkrankung ist eine große Herausforderung für die daran Erkrankten und ihre Angehörigen. Dabei sind viele der Ansicht, dass in erster Linie ältere Menschen die Auswirkungen zu spüren bekommen. An die Bedeutung, die eine solche Erkrankung für Kinder und Jugendliche als Angehörige hat, wird hingegen eher selten gedacht. Ein Fehler, wie die aktuelle, repräsentative Umfrage der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) jetzt zeigt: Denn etwa 29 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland geben an, einen Familienangehörigen mit einer Demenz zu haben. Das ist fast jeder dritte Jugendliche.

Über Empfindungen und Bedürfnisse, die ein demenzerkrankter Angehöriger bei Kindern und Jugendlichen auslösen kann, wird jedoch wenig gesprochen – auch weil immer noch zu wenige Untersuchungen dazu vorliegen. Das ZQP möchte mit der Veröffentlichung seiner Analyse dazu beitragen, diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Befragt wurden deutschlandweit 1.005 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. Das Fazit des ZQP: Der Umgang mit der Krankheit ist für viele ein Thema, bei dem sie Unterstützung benötigen.

„Demenz betrifft auch junge Angehörige. Die Erkrankung auf ein ausschließliches Altersphänomen zu reduzieren, ist falsch“, sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege. Kinder und Jugendliche dürften im Kontext der Krankheit nicht vergessen werden.

Die bundesweite Woche der Demenz stand 2016 unter dem Motto „Jung und Alt bewegt Demenz“. Das Thema  unterstreicht die Ergebnisse der ZQP-Untersuchung.

Das zeigen auch die Umfrageergebnisse: Die meisten Kinder und Jugendlichen, die eine Demenzerkrankung in ihrer Familie wahrnehmen, empfinden in diesem Zusammenhang Belastungen. So macht 58 Prozent traurig, wie sich der Erkrankte aus ihrer Sicht verändert. 30 Prozent sind sich unsicher, wie sie mit ihm umgehen sollen. Und jeder Vierte äußert Angst, dem Verwandten könne etwas zustoßen.

Bei den Jugendlichen wurde zudem gefragt, wen sie als Unterstützung sehen würden, wenn sie bei der Versorgung des Angehörigen helfen müssten. Von denjenigen, die von einer Demenz in der Familie betroffen sind, wollen knapp zwei Drittel eine ambulante Pflegekraft hinzuziehen. Zudem wünschen sich 49 Prozent für diesen Fall eine Person, die die Familie zu Pflegethemen berät. Einen Chat oder ein Forum im Internet will über ein Viertel nutzen. Immerhin noch jeder fünfte Befragte würde in schwierigen Situationen auf ein Sorgentelefon zurückgreifen.

Anlässlich der Woche der Demenz hatten das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das ZQP zum Forum „Erinnerung“ geladen. Im Atrium des BMG begrüßten die Gastgeber Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit, und Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP, die rund 100 Gäste aus Politik, Kunst und Wissenschaft. Im Mittelpunkt stand neben einem Expertengespräch zum Thema „Jung und Alt bewegt Demenz“ auch die Eröffnung der Fotoausstellung „Erinnerung“. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf www.erinnerung-demenz.de.

„Als Gesellschaft müssen wir Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, gut mit dem Thema Demenz umgehen zu können. Die Aufklärung muss daher altersgerecht zum Beispiel im Kindergarten oder in der Schule beginnen. Neben der Familie müssen auch unsere sozialen Unterstützungssysteme dafür sorgen, dass auf akute Sorgen und Fragen von Kindern richtig reagiert werden kann“, betonte Suhr.

Neben den Herausforderungen wurden jedoch auch positive Erfahrungen in Zusammenhang mit der Demenzerkrankung berichtet: 15 Prozent der Befragten geben an, viel durch den Umgang mit an Demenz erkrankten Angehörigen zu lernen. Ebenfalls berichtet fast jeder Siebte, durch die Krankheit einen stärkeren Familienzusammenhalt wahrzunehmen.

Nach aktuellen Schätzungen leben heute 1,3 bis 1,5 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. Bis 2050 wird aufgrund des starken Wachstums der älteren Bevölkerung teilweise mit mehr als einer Verdoppelung der Zahl der Erkrankten gerechnet.

Demenz macht vielen Menschen Sorgen, ist nach wie vor oft tabuisiert und mit Scham besetzt. Für Angehörige, die sich um Menschen mit Demenz kümmern oder diese pflegen, wird die Lebenssituation häufig zu einer großen Herausforderung. Dazu trägt bei, dass Erkrankte im Krankheitsverlauf häufig durch die Gesellschaft ausgeschlossen und in ihrem alten Freundes- und Bekanntenkreisen vergessen werden. Aufklärung, Enttabuisierung und Hilfe beim Umgang mit Schamgefühlen müssen daher weiterhin im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Anstrengungen stehen.


Weitere Informationen unter www.zqp.de