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PKV publik 7.2016

09.09.2016

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Versicherte, die am 31. Dezember 2016 pflegebedürftig sind, müssen sich nicht neu begutachten lassen. Sie erhalten einen mindestens um eine Ebene höheren Pflegegrad als es ihrer bisherigen Pflegestufe entspricht. Sind sie in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt, erfolgt sogar eine Einordnung in den übernächsten Pflegegrad (s. Tabelle). Der so ermittelte Pflegegrad bleibt dauerhaft erhalten, es sei denn, es liegt künftig keine Pflegebedürftigkeit mehr vor, oder es wird in einer Folgebegutachtung ein höherer Pflegegrad festgestellt.

Darüber hinaus erhöht das Gesetz in den meisten Leistungsbereichen auch die absolute Höhe der Leistungen: So steigt der Maximalbetrag des Pflegegeldes, den ein ambulant Pflegebedürftiger monatlich erhält, von derzeit 728 Euro (Pflegestufe 3) auf 901 Euro für den Pflegegrad 5. Bei stationärer Versorgung steigt die maximale Leistung von 1.995 Euro für Härtefälle in der Pflegestufe 3 auf 2.005 Euro im neuen Pflegegrad 5 (s. Tabelle).

Über die Mehrleistungen und die Umstellung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes hinaus umfasst das Gesetz noch weitere Reformschritte: In stationären Einrichtungen wird der Eigenanteil künftig nicht mehr von der Höhe der Pflegebedürftigkeit abhängen, sondern es wird für alle Pflegegrade von 2 bis 5 einen einheitlichen Eigenanteil geben. Überdies erhalten Pflegebedürftige einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsangebote in Pflegeheimen. In der ambulanten Pflege werden Betreuungs- und Entlastungsangebote zur Gestaltung des Lebens im häuslichen Umfeld neu geregelt.

Beim umstrittenen Notensystem des Pflege-TÜV haben bereits im laufenden Jahr die Vorbereitungen für eine Umstellung begonnen: Nach gesetzlicher Vorgabe soll es bis 2018 auf eine neue Grundlage gestellt werden. Bis 2020 soll zudem ein Verfahren entwickelt werden, um den Personalbedarf in den Pflegeeinrichtungen zu ermitteln. Hinsichtlich der Pflegeberatung sieht das Gesetz vor, dass diese auf Wunsch künftig auch gegenüber ihren Angehörigen oder weiteren Personen in der häuslichen Umgebung oder in der entsprechenden Pflegeeinrichtung stattfindet. Damit orientiert sich der Gesetzgeber am Best-Practice-Beispiel der privaten Pflegeberatung compass, die seit ihrer Gründung im Jahr 2008 eine aufsuchende und damit niedrigschwellige Beratung bietet (s. Artikel: Getestet und für gut befunden).

Schließlich verbessert das Gesetz auch die soziale Absicherung pflegender Angehöriger: Ab dem Pflegegrad 2 zahlt ihnen die Pflegeversicherung gestaffelt nach dem Pflegegrad und danach, ob Pflegegeld oder Pflegesachleistungen bezogen werden, Beiträge zur Rentenversicherung. Ab dem Pflegegrad 2 werden für pflegende Angehörige auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung abgeführt und sie sind, während sie pflegen, auch gesetzlich unfallversichert.

Unter dem Strich bringt die Pflegereform damit erhebliche Mehrleistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Diese müssen natürlich solide finanziert werden. Der Bundestag geht in einer Drucksache von mehr als 8 Milliarden Euro aus, die den Pflegebedürftigen in der Pflegeversicherung allein im kommenden Jahr zusätzlich zu Gute kommen. Daher steigt der Beitragssatz für die Soziale Pflegeversicherung 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent bzw. 2,8 Prozent für Kinderlose. Auch in der privaten Pflegeversicherung werden die Beiträge in Folge der Pflegereform zum 1. Januar 2017 steigen. Denn die neuen Leistungen bedeuten auch für die privat Pflegeversicherten eine Ausweitung des Versicherungsschutzes. Über die entsprechenden Anpassungen werden sie bis zum 30. November 2016 schriftlich informiert.

Anders als die Versicherten der Sozialen Pflegeversicherung haben alle Privatversicherten aber die Gewissheit, dass es nicht allein wegen der alternden Gesellschaft und der damit verbundenen Zunahme von Pflegebedürftigen bei gleichzeitigem Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen zu weiteren Beitragssteigerungen kommt.

Denn die Private Pflegepflichtversicherung funktioniert nach dem Prinzip der Kapitaldeckung, wobei ein großer Teil des Beitrags für den späteren Pflegefall angespart wird. Dadurch werden keine Finanzierungslasten auf kommende Generationen verschoben. Die Kapitalbildung zahlt sich in der Zukunft aus, denn sie macht die Privatversicherten von der sich ändernden Altersstruktur der Bevölkerung weitgehend unabhängig.


Alle wichtigen Informationen rund um das Thema Pflege finden Sie auf der Internetseite des PKV-Verbandes: www.pkv.de/themen/pflege