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PKV publik 7.2016

Dr. Volker Leienbach, Vorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung

Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung

 

09.09.2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen Wochen berichteten viele Medien von einem „Beitragsschock“ für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Gemeint war die in Zukunft bevorstehende spürbare Erhöhung der Zusatzbeiträge für gesetzlich Versicherte. In anderen Berichten war von einem Sparprogramm bei der AOK zu lesen, das angeblich schon nach wenigen Tagen zu „chaotischen Zuständen“ zu Lasten von Krebspatienten geführt habe.

Solche plakativen Schlagzeilen sind wenig hilfreich. GKV und PKV stehen gleichermaßen vor der Herausforderung, einerseits den medizinischen Fortschritt bestmöglich für die Versorgung der Versicherten zu nutzen und andererseits die damit verbundenen Mehrausgaben zu finanzieren. Für die GKV stellt überdies die Alterung der Bevölkerung eine zusätzliche Herausforderung dar, weil künftig immer weniger aktive Erwerbstätige die steigenden Kosten von immer mehr Älteren tragen müssen. Darauf kann die GKV entweder mit einer Erhöhung der Beiträge oder mit einer Einschränkung des Leistungskatalogs reagieren. Für die Versicherten ist beides nicht erstrebenswert. Es ist aber erforderlich, um die gute Gesundheitsversorgung dauerhaft zu sichern.

In der PKV gibt es keine Kürzungen bei der Versorgung, denn der Anspruch auf den vereinbarten Leistungsumfang ist vertraglich garantiert. Und weil die Privatversicherten schon in jungen Jahren mit Rückstellungen für ihre im Alter steigenden Gesundheitsausgaben vorsorgen, ist die PKV auch von der demografischen Entwicklung weitgehend unabhängig. Durch die nun schon mehrere Jahre anhaltende Niedrigzinsphase sehen sich die Versicherungsunternehmen allerdings einer eigenen Herausforderung gegenüber. Denn es wird immer schwieriger, den ursprünglich für die Rückstellungen einkalkulierten Zinssatz zu erzielen. Daher kann es auch bei Privatversicherten zu Beitragserhöhungen kommen, um damit das Vorsorgeziel zu erreichen.

Den Betroffenen wird das nicht gefallen. Doch solche Anpassungen sind – je nach Unternehmen und Tarif – notwendig, um den vereinbarten Versicherungsschutz bis ins hohe Alter garantieren zu können. Anders als in der GKV wird aber das Geld aus einer zinsbedingten Beitragserhöhung nicht sofort wieder ausgegeben, sondern es fließt vollständig in die Altersvorsorge – kommt den Versicherten also später wieder zugute. Und wenn die Zinsen langfristig wieder steigen, wird der größte Teil der Erträge wiederum den Versicherten gutgeschrieben. Ohne an dieser Stelle falsche Versprechungen machen zu wollen, ist das bei einer Versicherungslaufzeit von 20, 30, 40 und mehr Jahren kein unrealistisches Szenario.

In beiden Systemen kommt es jeweils darauf an, den Versicherten zu erklären, dass unter Umständen auch unpopuläre Schritte notwendig sind, um das sehr gute Versorgungsniveau dauerhaft zu sichern.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Volker Leienbach