• Vorlesen
  • A A A

PKV publik 6.2016

Uwe Laue, Vorsitzender des PKV-Verbandes

Uwe Laue, Vorsitzender der PKV-Verbandes

 

13.07.2016

1 | 2

„Die überwältigende Mehrheit beurteilt das duale System als positiv.“

90 Prozent der gesetzlich Versicherten zögen hier eine positive Bilanz. Das sei deswegen beachtlich, weil in Deutschland sehr stark auf einen sozialen Ausgleich geachtet werde und Unbehagen entstehe, wenn Unterschiede zu groß würden. Allerdings habe die Bevölkerung kein Problem mit Differenzierungen, wenn letztlich alle eine gute Versorgung hätten. Mit anderen Worten: „Die Akzeptanz des dualen Systems hängt in hohem Maß davon ab, dass das Versorgungssystem insgesamt als positiv gesehen wird. Und diese Voraussetzung ist nach dem Urteil der überwältigenden Mehrheit gegeben.“

Allerdings sei es fraglich, wie lange das hohe Versorgungsniveau angesichts einer alternden Gesellschaft in Zukunft aufrecht erhalten werden kann. Hier seien vor allem die Ärzte skeptisch. Köcher sagte vor diesem Hintergrund, es sei die Aufgabe von GKV und PKV dafür zu sorgen, dass das Versorgungsniveau insgesamt und nicht nur selektiv hoch bleibe. Die Bevölkerung wisse sehr wohl, dass die Alterung der Gesellschaft eine Belastung für die sozialen Sicherungssysteme bedeute und mit steigenden Kosten gerade auch im Gesundheitssystem einhergehe. Bei allem Optimismus rechneten daher sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte mit Kostensteigerungen. Zudem befürchte eine Mehrheit, dass es zu Leistungseinschnitten im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung komme.

Diese Befürchtung der Menschen hat mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung einen konkreten Grund. So warnte auch Jens Spahn in seiner Rede vor der demografischen Entwicklung, deren „Auswirkungen erst noch auf uns zukommen.“ In diesem Zusammenhang warb er für eine stärkere private Vorsorge der Bürgerinnen und Bürger in allen Bereichen.

Vor diesem Hintergrund betonte Uwe Laue mit Blick auf das Gesundheitssystem, dass gerade hier die Folgen der alternden Gesellschaft immer deutlicher zutage treten werden: „Je weiter der demografische Wandel voranschreitet, desto wichtiger wird es, noch mehr Menschen und Leistungen privat abzusichern – für die Nachhaltigkeit des ganzen Systems.“

Zudem betonte er, dass das System aus Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung der beste Garant für die Aufrechterhaltung des hohen Versorgungsniveaus sei: „In Zeiten des demografischen Wandels wird unser Gesundheitswesen seiner Verantwortung für Qualität, für Versorgungssicherheit und für stetige Innovation nur dann gerecht werden können, wenn es sich die Energie des Wettbewerbs zunutze macht; wenn es die unterschiedlichen Stärken von Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung auch in Zukunft nutzt.“ In diesem System sei die PKV starke Säule, Innovationstreiber und nachhaltige Finanzierungsquelle. Unterstützung bekam er dabei von Professor Köcher: „Der Beitrag, den die privaten Krankenversicherungen zur Aufrechterhaltung einer intakten Versorgungsinfrastruktur leisten, ist groß, wird aber noch viel zu wenig gewürdigt.“ Es sei wichtig, noch bekannter zu machen, wie sehr das duale System dazu beiträgt, den heutigen Leistungsstandard zu halten. Das sei vielen noch nicht bewusst.

Laue betonte darüber hinaus, dass sich die PKV auch in einem schwierigen Umfeld gut behaupten könne. Vor dem Hintergrund der anhalten Niedrigzinsphase sagte er: „Selbst im schwierigsten Zinsumfeld bildet die PKV jährlich über 10 Milliarden Euro zusätzliche Alterungsrückstellungen. Sie konnte diese Vorsorge in den vergangenen 10 Jahren verdoppeln – auf über 219 Milliarden Euro. Das zeigt, wie verlässlich die Kapitaldeckung funktioniert.“

Gleichzeitig sei die Beitragsentwicklung der PKV gerade in den letzten Jahren sehr moderat, betonte Laue und zitierte eine Untersuchung des unabhängigen IGES-Instituts, der zufolge sie in den vergangenen acht Jahren mit 2,4 Prozent pro Jahr sogar unter der Beitragsentwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung mit 3,8 Prozent pro Jahr lag.

Dabei ruhe sich die PKV nicht auf dem Erreichten aus, sondern treibe ihren Reformprozess weiter voran. Laue nannte die neuen Leitlinien, die Versicherten den unternehmensinternen Tarifwechsel erleichtern, als jüngstes Beispiel. Sie sind mit Jahresbeginn in Kraft getreten und gehen deutlich über die gesetzlichen Regelungen hinaus.

Aufgrund der guten Gesundheitsversorgung können wir uns erlauben, auch über ökonomische Aspekte zu sprechen.“

Einen völlig anderen Ansatz für die wichtige Rolle der Privaten Krankenversicherung fand Dennis Ostwald. Der Geschäftsführer des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR untersucht regelmäßig für das Bundeswirtschaftsministerium den Beitrag der Gesundheitswirtschaft zum Wohlstand in Deutschland. Auf der Jahrestagung stellte er nun erste Ergebnisse seiner Untersuchung zur ökonomischen Bedeutung der PKV vor. Einleitend sagte er: „Da wir in Deutschland eine gute Gesundheitsversorgung haben, können wir uns erlauben, uns auch einmal die ökonomische Perspektive der Gesundheitswirtschaft anzusehen.“