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PKV publik 6.2016

 

13.07.2016

Neue Medikamente: Erleichterter Zugang für Privatversicherte nachgewiesen

Voraussetzung für die Kostenübernahme durch eine private Krankenversicherung ist die medizinisch notwendige Heilbehandlung. Das gilt auch für Arzneimittel. Steuerungsinstrumente, die in das ärztliche Verordnungsverhalten eingreifen, gibt es in der PKV nicht. Das hat Auswirkungen auf die Versorgung mit neuen, innovativen Medikamenten.


Neue Medikamente durchlaufen in Deutschland bei Zulassung und Preissetzung einen komplizierten Prozess. Die Regeln dazu finden sich im Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG), das auch die Vorgaben zur Festlegung der Erstattungsbeträge enthält. Die Regeln sind für PKV und GKV zwar gleich. Dennoch kommt es vor, dass die neuen Medikamente in der Praxis unterschiedlich stark verordnet werden.

Denn in der Gesetzlichen Krankenversicherung muss eine Vielzahl von Steuerungsinstrumenten angewendet werden. Dazu gehören unter anderem: Richtgrößenprüfungen, kassenspezifische Zielquoten und Selektivverträge oder Arzneimittelrichtlinien. Dies führt unter anderem dazu, dass Ärzte erst nach Abschluss des AMNOG-Verfahrens beurteilen können, welche finanziellen Auswirkungen die Einstellung oder Umstellung eines Patienten auf ein neues Medikament für ihre Praxis mit sich bringen. Deswegen ist vor allem bei teureren Medikamenten damit zu rechnen, dass die Ärzte abwartend verordnen.

Im Gegensatz dazu gibt es in der Privaten Krankenversicherung keine Steuerungsinstrumente, die in das ärztliche Verordnungsverhalten eingreifen. Daher liegt die Vermutung nahe, dass neue Medikamente in der PKV eine größere Bedeutung aufweisen als in der GKV. Diese These wird nun einmal mehr durch eine neue Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) bestätigt.

Das Ergebnis zeigt, dass der Marktanteil der Privatversicherten bei den untersuchten neuen Medikamenten bei 13,8 Prozent liegt, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nur gut 11 Prozent beträgt. Mit anderen Worten: Bei Privatpatienten liegt die Wahrscheinlichkeit, von ihrem Arzt ein neues, innovatives Arzneimittel verschrieben zu bekommen, deutlich höher als bei gesetzlich Versicherten.

Die Differenz dürfte tatsächlich sogar noch etwas höher sein, da Medikamente, die in der Gesetzlichen Krankenversicherung sehr geringe Verordnungszahlen erreichen, nicht in der Datenbasis erfasst sind. Für diese Medikamente konnten deshalb keine Marktanteile berechnet werden.

Darüber hinaus zeigt die WIP-Studie, dass der durchschnittliche Preis neu zugelassener Medikamente erneut gestiegen ist. Eine Packung eines neuen Arzneimittels aus dem 2014er Jahrgang kostet im Schnitt 1.526 Euro. Die Durchschnittspreise der vorherigen Jahrgänge lagen noch bei 1.087 Euro (2013) und 556 Euro (2012).

Dass die hohe Preisdynamik kein nationales Phänomen ist, zeigt eine Untersuchung des Reimportgeschäftes im Rahmen der Studie. Reimporteure erwerben Arzneimittel aus deutscher Produktion in anderen Ländern zu niedrigeren Preisen, um sie in Deutschland zum höheren Preis anzubieten.

In jüngster Zeit können sie jedoch immer weniger Preisunterschiede identifizieren, um sie für ihre Geschäfte zu nutzen. Die Reimportquoten bei Medikamenten jüngeren Jahrgangs sind auch einige Jahre nach der Zulassung noch niedriger als bei älteren Wirkstoffen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Arzneimittelpreise von neuen Medikamenten in Deutschland nicht substanziell höher sind als in anderen EU-Ländern.