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PKV publik 6.2016

Liebesleben: Neue Präventionskampagne soll sprachfähig machen und enttabuisieren

Dr. Heidrun Thaiss ist seit Februar 2015 Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

 

13.07.2016

GASTBEITRAG

Liebesleben: Neue Präventionskampagne soll sprachfähig machen und enttabuisieren

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat seit 1987 mit „Gib AIDS keine Chance“ eine der erfolgreichsten nationalen Gesundheitskampagnen umgesetzt. Seit Mai 2016 umfasst die Kampagne weitere sexuell übertragbare Infektionen und wird unter dem Namen LIEBESLEBEN fortgesetzt. Von Dr. Heidrun Thaiss


In der HIV-Prävention wurde seit Anfang der 80er Jahre in Deutschland viel erreicht: Die Neuinfektionszahlen sind im internationalen Vergleich auf einem niedrigen Niveau, das Wissen zu HIV und die Kondomnutzungszahlen in der Bevölkerung sind sehr hoch. Dennoch infizieren sich in Deutschland jedes Jahr ca. 3.200 Menschen neu mit HIV.

Gleichzeitig gibt es Zunahmen bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (Sexually Transmitted Infection = STI). Bleiben solche STI unbehandelt, können sie vielfältige Beschwerden verursachen und schwere Gesundheitsschäden auslösen. Außerdem erhöhen sie das Risiko, sich beim Sex ohne Kondom mit HIV anzustecken. Wie die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgeführte Repräsentativbefragung „AIDS im öffentlichen Bewusstsein“ zeigt, ist das Wissen in der Bevölkerung über andere STI insgesamt gering. Angebote wie etwa die HPV-Impfung oder das Chlamydien-Screening werden bislang nur unzureichend genutzt.

Um weiterhin einen hohen Wissensstand in der Bevölkerung zu HIV zu gewährleisten und zugleich über andere sexuell übertragbare Krankheiten zu informieren, hat die BZgA ihre Kommunikationsstrategie neu ausgerichtet und mit LIEBESLEBEN eine Basis für die Zukunft geschaffen.

Unter dem neuen Namen LIEBESLEBEN vermittelt die öffentlichkeitswirksame Kampagne zwei zentrale Botschaften: „Benutzt Kondome“ und „Geht bei Symptomen für eine STI zum Arzt“. Die Aufklärung über mögliche Symptome ist dabei ein zentraler Aspekt, da der Wissensstand in der Bevölkerung eher niedrig ist: So wissen 42 Prozent der Frauen und nur 29 Prozent der Männer, dass Juckreiz ein Symptom einer STI sein kann. Wissen ist jedoch Voraussetzung für eine sensible Körperwahrnehmung und Handlungsfähigkeit bei Verdacht auf eine Infektion.

Die neue Kampagne knüpft in ihrem Erscheinungsbild an die Lebenswirklichkeiten der Menschen an. Gleichzeitig hat sie den Anspruch, das Thema STI sprachfähig zu machen und es zu enttabuisieren. Aus diesem Grund spielt das Stilmittel Cartoon eine wichtige Rolle. Damit können auf humorvolle Weise Dinge abgebildet werden, die in einer anderen Form nur schwierig abzubilden gewesen wären. Dass dabei in der Bevölkerung auch Meinungen auseinander gehen, ist für eine Kampagne, die im öffentlichen Raum stattfindet, nicht ungewöhnlich. Mit dieser Situation sieht sich die BZgA von Beginn ihrer HIV/AIDS-Prävention an immer wieder konfrontiert. Auch die klassische ‚mach‘s mit‘-Kampagne (Darstellung von Kondomen) ging Anfang der 90er Jahre Teilen der Bevölkerung zu weit in ihrer Darstellung. Gleichzeitig war sie eine der erfolgreichsten und beliebtesten Präventions-Kampagnen in Deutschland.

Die neue Kampagne wird von der Privaten Krankenversicherung unterstützt im Rahmen der langjährigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.


www.liebesleben.de