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PKV publik 5.2016

10.06.2016

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Wir wissen aber, dass die Kunden lieber mehrere kleine als eine große Beitragsanpassung hätten. Das zeigen repräsentative Umfragen. Inzwischen hat sich auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen öffentlich für eine solche versichertenfreundliche Lösung eingesetzt. Der Gesetzgeber hat diese Vorschläge leider nur zum Teil aufgegriffen.

Dasselbe gilt für die Weiterentwicklung des PKV-Standardtarifs. Er bietet langjährig Privatversicherten, die in finanzielle Probleme geraten, eine umfassende Versorgung zu sehr moderaten Beiträgen. Der Standardtarif wurde allerdings 2009 per Gesetz für Neukunden geschlossen. Wir wollen diesen sehr gut funktionierenden Sozialtarif auch für alle Neuzugänge wieder öffnen. Doch dazu benötigen wir ebenfalls den Gesetzgeber.

Apropos Beiträge im Alter: Ein gängiges Vorurteil gegen die PKV lautet, sie sei im Alter nicht mehr zu bezahlen.

Laue: Das stimmt nicht. Sicher kann es Einzelfälle geben, in denen es zu einer finanziellen Überforderung kommt. Doch die Private Krankenversicherung bietet auch in solchen Fällen zahlreiche Lösungen, allen voran das Tarifwechselrecht, das wir mit den erwähnten Leitlinien zusätzlich gestärkt haben. Sollten Versicherte dennoch in finanzielle Probleme geraten, sind die PKV-Sozialtarife eine sehr gute Option. Der Standardtarif etwa bietet für langjährig Versicherte ein gutes Leistungsniveau bei einem durchschnittlichen Beitrag von rund 280 Euro monatlich, wobei es hier noch einen Zuschuss von der Rentenversicherung geben kann. Und wer sozial hilfebedürftig ist, erhält im Basistarif einen an der Gesetzlichen Krankenversicherung orientierten Versicherungsschutz, ohne dass er selbst einen Beitrag zahlen muss.

Übrigens sieht auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht keine Überforderung älterer PKV-Kunden. In ihrem Jahresbericht 2015 hat sie soeben festgestellt, dass auf „mittlere Sicht eine relative Stabilisierung der Beitragsentwicklung für die privat Krankenversicherten im Alter“ prognostiziert werden kann. Gleichwohl muss aber jedem bewusst sein, dass die PKV keine „Billiglösung“ ist, deren Beiträge über die gesamte Versicherungsdauer gesehen in jedem Fall günstiger sind als in der GKV. Vorrangig ist vielmehr, dass Privatversicherte eine umfassende und unkürzbare Leistungsgarantie erhalten, die ein Leben lang gilt und weder durch die Politik noch durch die Versicherung eingeschränkt werden kann.

Ein weiteres Vorurteil lautet, die PKV würde einer Zweiklassenmedizin Vorschub leisten. Manche nehmen diesen Vorwurf sogar als Argument für die Notwendigkeit einer Bürgerversicherung.

Laue: Das ist eine ideologisch motivierte Parole, die auf Neidreflexe setzt. Unser zweigegliedertes Versicherungssystem führt eben gerade nicht zu einer „Zwei-Klassen-Medizin“. Das Zusammenwirken von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung ist unverzichtbar für die Qualität der Versorgung. Es macht Spitzenmedizin bezahlbar – jetzt und in Zukunft.

Als Wettbewerber zur Gesetzlichen Krankenversicherung ist die PKV ein wichtiger Vergleichsmaßstab, der es der Politik schwerer macht, Leistungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung zu kürzen. Die medizinische Versorgung wird damit für alle Patienten gestärkt. Dank dieses Wettbewerbs bietet das duale deutsche System leichten Zugang zu Ärzten und Krankenhäusern, Spitzenmedizin und medizinischen Fortschritt für jeden Patienten.

Zudem wirkt die PKV in der Medizin als Innovationsmotor. Anders als in der Gesetzlichen Krankenversicherung gibt es bei uns keine Genehmigungsvorbehalte bei Innovationen und keine Budgetgrenzen für die Ärzte. Das erleichtert die Einführung neuer Methoden, die letztlich allen Patienten zu Gute kommen. Zusätzlich können die Ärzte die Mehreinnahmen durch Privatpatienten nutzen, um in mehr Personal und moderne Geräte zu investieren.

Allein die Existenz der PKV bringt damit Vorteile für alle Versicherten. Und das gilt nicht nur heute, sondern auch in Zukunft. Denn dank der kapitalgedeckten Finanzierung in der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung profitieren angesichts des demografischen Wandels auch die kommenden Generationen – und zwar ganz unabhängig von ihrem Versichertenstatus.

Sie spielen auf die Alterung der Bevölkerung an?

Laue: Genau. Die kapitalgedeckte PKV ist angesichts unserer alternden Bevölkerung unverzichtbar. Auch bei der Pflegereform hat der Gesetzgeber die Bedeutung kapitalgedeckter Vorsorge sowie ergänzender privater Absicherung anerkannt. Es wäre aberwitzig, diese Erkenntnis in der Krankenversicherung über Bord zu werfen. Die fast 9 Millionen Privatversicherten treffen mit ihren Beiträgen Vorsorge für die im Alter steigenden Gesundheitsausgaben und sichern so die Generationengerechtigkeit. Für sie müssen unsere Kinder und Enkel nicht aufkommen.

Der PKV-Verband hat im vergangenen Jahr die Kampagne „Für unsere Gesundheit“ gestartet. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Laue: Bei allen Vorteilen des Systemwettbewerbs wollen wir nicht vergessen, dass es vor allem auf die 5 Millionen Menschen ankommt, die täglich für unsere Gesundheit arbeiten. Sie sorgen dafür, dass Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat. Mit unserer Informationskampagne geben wir diesen Menschen ein Gesicht und bedanken uns für ihre enormen Leistungen. Wir als PKV zeigen damit unsere Wertschätzung für dieses große Engagement. Die Kampagne zeigt stellvertretend sehr authentische Menschen aus den verschiedensten Gesundheitsberufen. Diese „Botschafter“ sind übrigens keine Schauspieler, sondern aktive Krankenpfleger, Ärzte, Hebammen oder Physiotherapeuten.

Und in aller Bescheidenheit wollen wir mit der Kampagne natürlich ebenfalls zeigen, dass diese hohe Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems im Kern auch etwas mit der Privaten Krankenversicherung zu tun hat.

Wird die PKV diese Rolle auch in Zukunft gut ausfüllen können?

Laue: Die Private Krankenversicherung wird ihre wichtige Funktion als eine starke Säule, als Innovationstreiber und als nachhaltige, generationengerechte Finanzierungsquelle des dualen deutschen Gesundheitssystems auch in Zukunft sehr selbstbewusst und verlässlich erfüllen.

Doch nicht nur das. Wir werden auch aktiv dazu beitragen, die Versorgungsqualität in Deutschland weiter zu verbessern: Dazu haben wir eine neue Stiftung ins Leben gerufen. In dieser Entscheidung hat uns auch der Erfolg der ebenfalls von uns gegründeten gemeinnützigen Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ bestärkt, die innerhalb weniger Jahre zum führenden Kompetenzzentrum in der gesamten deutschen Pflege-Szene geworden ist. Nun gehen wir mit der neuen, gemeinnützigen „Stiftung Gesundheitswissen“ den nächsten Schritt. Sie soll die Versorgungsqualität verbessern durch eine Stärkung der Patientenkompetenz, indem sie allen Patienten verständliche und auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeitete Entscheidungshilfen über Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten anbietet. Das zeigt, dass sich die PKV ihrer verantwortungsvollen Rolle im deutschen Gesundheitssystem sehr bewusst ist. Und sie steht bereit, in der Zukunft eine noch stärkere Rolle für das Gesundheitswesen zu übernehmen.

Werden wir im nächsten Bundestagswahlkampf wieder eine Debatte über die Abschaffung des dualen Krankenversicherungssystems erleben?

Laue: Das wäre jedenfalls mit absoluter Sicherheit nicht im Interesse der Menschen in Deutschland. Die meisten wissen, dass wir ein Gesundheitssystem haben, um das uns die Welt beneidet. Auch deshalb kann ich mit Blick auf interne Programmdebatten einiger Parteien vor dem Bundestagswahlkampf 2017 nur sagen: Die Vehemenz, mit der manche auf einen radikalen Systemwechsel setzen, geht völlig an der Sache und am Empfinden der Bürger vorbei. Die Menschen spüren genau: Unser Gesundheitssystem ist viel zu kostbar, um es mit Radikaloperationen zu gefährden.