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PKV publik 4.2016

10.05.2016

GASTBEITRAG

Organpatenpreis 2016 - Auf neutrale Art zu einer Entscheidung bewegen

Mit dem Organpatenpreis wird besonderes Engagement für das Thema Organspende ausgezeichnet. Wichtig ist dabei, die Menschen dazu zu bewegen, überhaupt eine Entscheidung für oder gegen Organspende zu treffen. Von Nadja Komm


Es ist nicht selbstverständlich, sich über die Organ- und Gewebespende Gedanken zu machen. Denn dieses Thema bedeutet auch, sich mit dem Tod und der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Doch warum ist es so wichtig, sich damit intensiv zu beschäftigen? Nicht nur, um möglicherweise den 10.000 Patientinnen und Patienten zu helfen, die auf einer Warteliste stehen mit der Hoffnung, dass ein Organ rechtzeitig ihr Leben rettet oder die Lebensqualität möglichst wiederherstellt.

Eine persönliche Entscheidung treffen zu können und diese in einem Organspendeausweis festzuhalten, bedeutet vielmehr: im schwersten Moment eines sehr plötzlichen Verlustes für Angehörige wertvolle Klarheit im eignen Sinne zu schaffen und sie von einer schwerwiegenden Entscheidung zu entlasten.

Nur rund ein Drittel der Bevölkerung hat eine Entscheidung in einem Organspendeausweis festgehalten. Die überwiegende Mehrheit spricht sich jedoch in Umfragen positiv für die Organspende aus. Die wenigsten wissen, dass auch die Ablehnung einer Organspende im Ausweis dokumentiert werden kann. Auch das würde im Ernstfall Angehörigen und Ärzten helfen.

Der Gesetzgeber hat daher die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) damit beauftragt, die für eine persönliche Entscheidung zum Thema Organspende notwendigen Informationen neutral bereitzustellen.

Unter dem Motto „Entscheiden – und darüber reden!“ vergibt die BZgA auch im Jahr 2016 den ORGANPATEN-Preis, mit dem besonderes Engagement für das Thema Organspende ausgezeichnet wird. Prämiert werden herausragende Arbeiten, die zu einer offenen und konstruktiven Auseinandersetzung motivieren und zur Dokumentation der eigenen Entscheidung anregen.

Die Preisträger sind ganz unterschiedliche, kreative Wege gegangen, um die breite Bevölkerung an dieses sensible Thema heranzuführen.

Die Mitglieder der Jury haben in dem Wettbewerb, der auch für Amateure ausgeschrieben war, bewusst nicht primär auf die Perfektion der werblichen Bildsprache geachtet, sondern vor allem auf die Tragfähigkeit der dahinterstehenden Idee. Im Vordergrund stand die Frage, ob das Motiv geeignet ist, in der Zielgruppe eine Auseinandersetzung mit der persönlichen Entscheidung zum Thema Organspende anzuregen.

Bei der Bewertung der Entwürfe war der Jury vor allem ein Aspekt wesentlich, der auch im Ernstfall im Krankenhaus sehr wichtig ist, wenn die Frage nach der „Option Organspende“ den Angehörigen gestellt wird: Ergebnisoffenheit! Die Auseinandersetzung mit dem Thema und die Entscheidung zu dokumentieren ist ein Akt der Zivilcourage unabhängig vom persönlichen Ergebnis. Viele der eingereichten Vorschläge hatten ihre große Stärke in ihrer emotionalen Wucht, aber auch ihre Schwäche bezüglich der neutralen Ausrichtung. Die ausgezeichneten Werke zeigen daher auf ergebnisoffene und respektierende Weise, dass das Thema nicht an den Rand, sondern in die Mitte des alltäglichen Lebens und der Gesellschaft gehört.


www.organpaten.de/organpatenpreis