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PKV publik 3.2016

 

Äpfel und Birnen

Warum die Verwaltungskosten in Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung schwer vergleichbar sind

Die Verwaltungskosten in der Gesetzlichen und der Privaten Krankenversicherung sind nur bedingt vergleichbar: So braucht sich die GKV als Pflichtversicherung um neue Kunden nicht zu bemühen – und sie lagert eine Menge Aufgaben aus.


Im Jahr 2014 summierten sich die Nettoverwaltungskosten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf 10,06 Mrd. Euro. Das entsprach 4,89 Prozent ihrer gesamten Ausgaben. Umgerechnet auf jeden einzelnen Versicherten waren dies 143,12 Euro, je zahlendes Mitglied 189,79 Euro. Die Aussagekraft dieser Werte ist allerdings begrenzt, da die Kassen zahlreiche Verwaltungsaufgaben – und die dadurch entstehenden Kosten – quasi auslagern:

• So wird die Vergütung über die Organisationen der Leistungserbringer wie zum Beispiel die Kassenärztlichen Vereinigungen abgewickelt. Verwaltungskosten, die hier entstehen, könnten Schadensregulierungskosten des GKV-Systems genannt werden.

• Auch Arbeitgeber tragen Verwaltungskosten, die eigentlich der GKV zuzurechnen wären: Bei (geschlossenen) Betriebskrankenkassen übernehmen oder unterstützen sie den personellen und sachlichen Aufwand der Kasse.

• Alle Arbeitgeber sind verpflichtet, Arbeitnehmer bei der Krankenversicherung an- und abzumelden oder Entgeltbescheinigungen auszustellen bzw. Formulare zu vervollständigen (z. B. beim Mutterschutz und der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall). Darüber hinaus müssen sie monatlich die Zahlungen der Beiträge zur Krankenversicherung organisieren und abwickeln.

• Auch Krankenhäuser, Vertragsärzte und Apotheken erbringen regelmäßig Verwaltungs- und Dokumentationsleistungen für das GKV-System.

Die Vielzahl dieser direkten und indirekten, bei Dritten anfallenden Aufgaben und Kosten offenbart, dass der tatsächliche Verwaltungsaufwand des GKV-Systems und damit des Sachleistungsprinzips über die aktuell genannte Quote von 4,89 Prozent deutlich hinausgeht. Doch auch die Abgrenzung der PKV-Verwaltungskosten, die in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) der Unternehmen auftauchen, ist nicht ganz einfach. Dort sind nämlich auch die Abschlussaufwendungen erfasst. Fälschlicherweise werden sie von manchem Betrachter den Verwaltungskosten zugeschlagen, zu denen sie aber nicht gehören.

Die Abschlusskosten spiegeln ausschließlich die Vertriebsanstrengungen der PKV wider. Während die Zugehörigkeit zur GKV in der Regel verpflichtend ist – also Abschlusskosten erst gar nicht entstehen –, müssen PKV-Unternehmen ein Vertriebssystem unterhalten, um eine ausreichend große Versicherungsgemeinschaft zu bilden, auf die das Krankheitsrisiko verteilt wird. So gesehen, stellen Abschlussaufwendungen eine Investition im Sinne der Versicherten dar. Außerdem unterliegen alle PKV-Unternehmen beim Neugeschäft einem intensiven Angebots- und Produktwettbewerb. Ein Wettbewerb, der auf der einen Seite mit Abschlusskosten verbunden ist, aber auf der anderen Seite auch Produktvielfalt und Effizienz erzeugt. Eine zur GKV analoge Einheitsversicherung mit beinahe identischen Leistungen und Preisen wird so vermieden. Abschlusskosten sind Begleiterscheinungen eines funktionierenden marktwirtschaftlichen Wettbewerbs.

Ein unverzerrter Vergleich ist nur schwer möglich.

Die reinen Verwaltungsaufwendungen in der privaten Kranken- und Pflegeversicherung beliefen sich im Jahr 2014 auf 890 Mio. Euro. Dies entspricht einem Anteil von 3,59 Prozent an den Versicherungsleistungen beziehungsweise 100,75 Euro je Vollversicherten. Damit schneidet die Private Krankenversicherung im Vergleich mit der GKV sehr gut ab. Allerdings ist auch in der Privaten Krankenversicherung die Aussagekraft dieser Kennzahlen begrenzt:

• So beziehen sich die Verwaltungsaufwendungen der PKV nicht nur auf die Krankenvollversicherung, sondern auch auf die Pflegepflichtversicherung und die zahlreichen Zusatzversicherungen. Eine trennscharfe Zuordnung der Kosten auf diese drei Sparten ist nicht möglich.

• Im PKV-System zählen neben den als Verwaltungskosten ausgewiesenen Kosten auch die in den Versicherungsleistungen enthaltenen Schadensregulierungskosten zu den Verwaltungskosten der PKV.

• Analog zur GKV enthalten auch die Kennzahlen der PKV keinerlei Verwaltungskosten, die nicht direkt bei den privaten Versicherungsunternehmen entstehen. Diese unterscheiden sich systembedingt häufig von denen in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Beispielhaft sind die Schadenregulierungskosten in den Beihilfestellen oder die bei Ärzten und Patienten entstehenden Verwaltungskosten einer direkten Abrechnung zwischen Leistungserbringer und Versicherten (Kostenerstattung) zu nennen.

In einem methodisch sauberen Vergleich dürften ausschließlich die institutionellen Verwaltungskosten der Krankenversicherungssysteme und die bei den Arbeitgebern entstehenden Verwaltungskosten betrachtet werden, die von ihrer Art her in beiden Systemen existieren. Es würden damit ausschließlich diejenigen Kosten berücksichtigt, die beim Arbeitgeber wettbewerbsrelevante Kosten verursachen oder im System der GKV beziehungsweise PKV beitragsrelevant sind.

Angesichts der vielen nicht zu beziffernden Unbekannten wären alle Ergebnisse derartiger Vergleichsberechnungen angreifbar und nicht belastbar. Schon relativ kleine Abweichungen würden zu völlig anderen Resultaten führen. Dies zeigt: Ein unverzerrter Vergleich der Verwaltungskosten von Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung ist nur schwer möglich. Und das wissen eigentlich auch diejenigen, die bisweilen den Eindruck erwecken, als stünde die Gesetzliche Krankenversicherung in dieser Disziplin per se besser da.