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PKV publik 2.2016

Älterer Herr winkt in die Kamera
 

Schritt für Schritt ins hohe Alter

Die Deutschen werden viel älter, als sie glauben

Bewegung ist ein Schlüsselfaktor für gesundes Altern. Deshalb unterstützt die Private Krankenversicherung das bundesweite Präventionsprojekt „Älter werden in Balance“.


„75“ rät eine ältere Dame, „82“ eine andere. Beide liegen falsch. Zum Glück. Denn sie können mit einer deutlich höheren Lebenserwartung rechnen. Die beiden Damen sind mit anderen befragten Bürgern in einem Film der Initiative „7 Jahre länger“ zu sehen. Damit weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) darauf hin, dass die meisten Deutschen das Alter bei Weitem unterschätzen, das sie auf Basis der statistischen Lebenserwartung erreichen werden. Die persönlichen Schätzungen sind durchschnittlich um sieben Jahre zu gering.

Während Frauen erwarten, etwa 80 Jahre alt zu werden, gehen Männer im Schnitt von 76 Jahren aus; beides liegt etwa sechs bis sieben Jahre unter der vom Statistischen Bundesamt geschätzten Lebenserwartung.

Zwar handelt es sich nur um Durchschnittswerte. Im individuellen Fall kann die Lebenserwartung natürlich deutlich höher oder auch geringer sein. Doch der Trend ist eindeutig: Die Lebenserwartung in Deutschland steigt. Jedes Jahr gewinnen die hier lebenden Menschen statistisch gesehen drei Monate hinzu. Damit nimmt auch der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung zu: Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes wird sich der Anteil der Über-80-Jährigen bis 2060 von heute 5,4 auf 13 Prozent mehr als verdoppeln.

Der stetige Zugewinn an Lebenszeit sei vor allem sieben Gründen zu verdanken, berichtet die Initiative „7 Jahre länger“: Neben steigendem Wohlstand, einem höheren Bildungsniveau, humaneren Arbeitsbedingungen und besserer sozialer Fürsorge in Deutschland spielen auch bessere Hygiene, der medizinische Fortschritt und eine gesündere Lebensweise eine bedeutende Rolle.

Gerade der letzte Punkt zeigt, dass jeder Bürger selbst dazu beitragen kann, seine Chance auf ein längeres Leben zu erhöhen: beispielsweise durch regelmäßige Bewegung. Denn körperliche Aktivität ist ein Segen für die Gesundheit – das gilt vor allem auch im höheren Alter.

Schon seit Jahren warnen Sportwissenschaftler und Mediziner vor einem ungesunden Lebensstil mit stundenlangem Sitzen und zu wenig Sport. So mahnt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln: „Sitzen ist das neue Rauchen“. Es erhöht beispielsweise das Risiko von Rheuma und Arthrose. Altersforscher wissen: Wer bis ins Alter fit bleibt, hat nachgewiesenermaßen gute Chancen, einer Vielzahl typischer Alterskrankheiten und ihren Folgen vorzubeugen, die Anzahl gesunder Lebensjahre zu erhöhen und damit letztlich auch Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zumindest hinauszuschieben. Ein Mehr an körperlicher Bewegung hat Studien zufolge sogar dann positive Folgen, wenn bereits gesundheitliche Einschränkungen vorliegen – und die Bewegung muss dafür nicht einmal besonders intensiv sein.

Gute Präventionsarbeit kann hier also viel erreichen. Aus diesem Grund finanziert der Verband der Privaten Krankenversicherung seit dem Jahr 2014 das Präventionsprogramm „Älter werden in Balance“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), das sich gezielt an Über- 65-Jährige richtet. Das gemeinsame Ziel ist es, die körperliche Bewegung, geistige Aktivität und soziale Teilhabe älterer Menschen zu fördern.

Im Einzelnen setzt „Älter werden in Balance“ dabei auf einen gut durchdachten Mix von Aufklärung, Vernetzung und neuen Bewegungsangeboten auf wissenschaftlicher Grundlage.

Jeder kann selbst dazu beitragen, die Chance auf ein langes Leben zu erhöhen.

So bietet das Programm auf seinem Internetportal unter anderem ein Aktiv-Programm für Ältere an. In Broschüren wird anschaulich erklärt, wie sich mehr Bewegung schon in ganz alltäglichen Abläufen gestalten lässt. „Schon wenn man regelmäßig zu Fuß geht oder statt des Aufzugs die Treppe nimmt, lässt sich ein Plus an Bewegung gewinnen“, erläutert Claudia Jansen aus dem Fachreferat der BZgA. „Aber auch das Zähneputzen oder das Warten auf den Bus lassen sich für kleine Bewegungsübungen nutzen“.

Darüber hinaus sucht die BZgA den Kontakt zu Entscheidungsträgern vor Ort. Die Bundeszentrale hat beispielsweise einen Wettbewerb ausgelobt, der sich speziell an Kommunen richtet. Denn durch die Gestaltung eines mobilitätsfreundlichen Lebensumfeldes lässt sich vor Ort viel für ein „Älter werden in Balance“ tun, vom Einrichten eines Bewegungsparcours über Nachbarschaftshilfe bis hin zu zielgruppengerechten Mitmach-Angeboten.

Weil auch die soziale Teilhabe eine wichtige Rolle in der Prävention von Altersleiden und Pflegebedürftigkeit spielt, arbeitet die BZgA seit diesem Jahr mit deutschen Sportorganisationen zusammen. Aktuell findet in Nordrhein-Westfalen eine Pilotstudie für ein Alltagstrainingsprogramm statt. Die Teilnehmer trainieren jede Woche 60 Minuten zusammen und lernen dabei, Alltagssituationen effektiv für Kräftigungs-, Mobilisierungs- und Dehnübungen zu nutzen. „Dadurch werden Berührungsängste abgebaut und man kann sich schrittweise daran gewöhnen, sich im Alltag fit zu halten“, erklärt Jansen. Ab 2017 soll das neue Programm bundesweit von Sportverbänden angeboten werden.

Ein weiteres alltagstaugliches Angebot richtet sich an Hochbetagte in Pflegeeinrichtungen und wird derzeit in einer Pilotphase wissenschaftlich evaluiert. „Entscheidend ist, dass die Teilnehmer messbare Fortschritte machen und das Programm so organisiert ist, dass es wirklich nachhaltig wirkt“, führt Jansen aus. Neben den speziellen Bedürfnissen von Heimbewohnern spielt daher auch die Vereinbarkeit mit dem Berufsalltag des Pflegepersonals eine wichtige Rolle. Noch im diesem Jahr soll dieses vorbildliche „Lübecker Modell Bewegungswelten“ zunächst in ganz Schleswig-Holstein angeboten werden.


www.7jahrelaenger.de

www.aelter-werden-in-balance.de