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PKV publik 1.2016

ältere Dame ließt einen Zettel mit aufgeschlagener Akte
 

Hilfe zur Pflege

Immer mehr pflegebedürftige Menschen sind auf Sozialhilfe angewiesen

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass immer mehr Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen sind. Das belegt, wie notwendig private Vorsorge bleibt.


Es ist eine erschreckende Zahl: Mehr als 450.000 pflegebedürftige Menschen waren im Jahr 2014 auf Sozialhilfe angewiesen. Und das, obwohl sie bereits Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung erhalten. Das sind mehr als 17 Prozent aller 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Vor allem Frauen kommen demnach mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld nicht aus. Mehr als 291.000 bezogen die so genannte Hilfe zur Pflege. Diese Entwicklung ist alles andere als ein kurzfristiges Problem, denn seit dem Jahr 1999 steigt die Zahl der Empfänger der Hilfe zur Pflege fast durchgängig an.

Fast eine halbe Million pflegebedürftige Menschen sind in Deutschland auf Sozialhilfe angewiesen.

Die Zahlen zeigen, wie nötig die Ende vergangenen Jahres vom Bundestag verabschiedete zweite Stufe der Pflegereform war. Denn neben vielen anderen wichtigen Neuregelungen wird mit dem Gesetz auch die Höhe der absoluten Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung erhöht. So steigt zum Beispiel der Maximalbetrag des Pflegegeldes, den ein ambulant Pflegebedürftiger monatlich erhält, ab 2017 von derzeit 728 Euro (Pflegestufe 3) auf 901 Euro für den neuen Pflegegrad 5 (siehe PKV publik 10/2015). Ob die Leistungsausweitungen ausreichen, um die finanzielle Hilfebedürftigkeit bei den Pflegebedürftigen insgesamt spürbar zu verringern, wird sich zeigen.

Es dürfte allerdings feststehen, dass für die meisten Menschen die Zahlungen aus der Pflegepflichtversicherung nicht ausreichen werden, um im Falle einer Pflegebedürftigkeit rundum abgesichert zu sein. Eine zusätzliche Vorsorge bleibt damit in der Regel unerlässlich, wenn man unabhängig vom Sozialamt sein möchte oder verhindern will, dass die eigenen Kinder zur Finanzierung herangezogen werden. Denn die gesetzliche Rente dürfte bei den meisten Menschen wohl kaum ausreichen, um die Finanzierungslücke zu schließen.

Natürlich kann sich auch jeder selbst Geld für eine eventuelle Pflegebedürftigkeit zurücklegen. Allerdings dürfte eine solche Reserve bei so manchem rasch aufgebraucht sein: Geht man von den bundesweiten Durchschnittskosten aus, müsste man heute für die Betreuung in einem Heim in Pflegestufe III fast 22.000 Euro jährlich aus eigenen Mitteln aufwenden – das würde die Rücklagen schnell aufzehren. Hinzu kommt, dass die Pflegeheimkosten von Jahr zu Jahr weiter steigen und sich damit die selbst zu tragenden Kosten ebenfalls weiter erhöhen.

Deswegen ist der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung eine sinnvolle Möglichkeit, zu überschaubaren Kosten etwas gegen die drohende Pflegelücke zu tun. In einer Versicherung sorgen bekanntlich viele Menschen gemeinsam für ein bestimmtes Risiko – in diesem Fall die Pflegebedürftigkeit – vor. Tritt diese bei einem Einzelnen auf, erhält er die vorher vereinbarte Summe von dem Geld aller Versicherten ausgezahlt. Wer das Glück hat, nicht pflegebedürftig zu werden, erhält zwar nichts, lebt dafür aber in der Gewissheit, im Risikofall gut abgesichert zu sein.

Die PKV-Unternehmen bieten eine große Auswahl solcher Versicherungen an. Je nach persönlicher Risikobereitschaft und finanziellen Möglichkeiten kann sich hier jeder eine monatliche Auszahlungssumme für die verschiedenen Pflegestufen aussuchen. Alternativ gibt es auch so genannte Pflegekostenversicherungen. Dabei wird nicht ein bestimmter Geldbetrag pro Monat ausgezahlt, sondern ein festgelegter Anteil an den tatsächlich entstehenden Pflegekosten erstattet. Bei beiden Versicherungsarten gilt die Faustformel: Je jünger man bei Abschluss des Vertrages ist, desto geringer sind die Beiträge.

Die Bundesregierung hat die Vorteile der Pflegezusatzversicherungen erkannt und die Private Krankenversicherung damit beauftragt, eine zusätzliche Absicherungsmöglichkeit zu schaffen, die staatlich gefördert werden kann. Seit dem 1. Januar 2013 gibt es daher die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung, den „Pflege-Bahr“. Damit besteht eine zusätzliche Option, für die Finanzierungslücke im Pflegefall vorzusorgen. Vom Staat wird sie ab 10 Euro Eigenbeitrag mit 5 Euro monatlich bezuschusst. Von den Menschen in Deutschland wird diese neue Absicherungsform gut angenommen. So hatten Ende 2014 bereits rund 550.000 Personen eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen.

Letztlich sollte sich jeder in möglichst jungen Jahren darüber Gedanken machen, wie er sich gegen das Risiko Pflege absichern möchte. Denn je jünger man beim Abschluss einer Pflegezusatzversicherung ist, desto preiswerter ist es. Es macht daher Sinn, die eigenen Möglichkeiten und späteren Ansprüche genau zu analysieren. Denn jedem sollte auch bewusst sein, dass auch die geförderte Pflegezusatzversicherung nicht dazu gedacht ist, die Finanzierungslücke, die im Pflegefall entstehen kann, vollständig zu schließen. Vielmehr war sie von Anfang an nur als ein zusätzlicher Baustein für die individuelle Vorsorge gedacht. Zusammen mit der ungeförderten Pflegezusatzversicherung, der Pflegepflichtversicherung, der Altersente und den eigenen Ersparnissen bietet sie für jeden eine große Auswahl an Möglichkeiten, sich gegen das Risiko Pflege abzusichern. Auch das familiäre Umfeld spielt bei der Planung der Pflegevorsorge eine wichtige Rolle. Welche Zusammenstellung der einzelnen Instrumente am sinnvollsten ist, muss deshalb jeder für sich selbst entscheiden.

Keine Option ist es übrigens, sich darauf zu verlassen, dass man selbst von einer Pflegebedürftigkeit verschont bleibt. Denn fast jeder Dritte über 80 wird zum Pflegefall. Auch wenn dieses hohe Lebensalter für viele noch weit weg sein mag: Bei der immer weiter steigenden Lebenserwartung in Deutschland bleibt ein beträchtliches Risiko, im Laufe des Lebens pflegebedürftig zu werden.


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