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PKV publik 10.2015

QPP-Jahrestagung
 

Quo vadis Qualitätsprüfung?

Auf dem Jahrestreffen des PKV-Prüfdienstes diskutierten die Teilnehmer über die Zukunft der Pflege

Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Auswirkungen des Pflegestärkungsgesetzes II auf Qualitätsprüfung, Begutachtung und Beratung sowie die Notwendigkeit zur Aufwertung des Pflegeberufs.


„Der Alte Fritz hätte gar nicht verstanden, worüber wir heute reden.“ Mit einem Seitenblick auf den preußischen König spannte Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), den Bogen zur alten Residenzstadt Potsdam, dem diesjährigen Tagungsort des Jahrestreffens des PKV-Prüfdienstes. Inhaltlich bezog Suhr sich mit seiner Aussage auf die noch neuen Herausforderungen, einer immer weiter steigenden Lebenserwartung und der damit einhergehenden wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen. Denn, so Suhr, vor 250 Jahren habe das durchschnittliche Lebensalter bei 35 Jahren gelegen. Altersbedingte Pflegebedürftigkeit war damals somit kaum ein Thema.

Heute indes stellt die zunehmende Zahl pflegebedürftiger Menschen unsere Gesellschaft vor große Aufgaben. Und so drehten sich auch die zahlreichen Vorträge und das moderierte Fachgespräch von Pflegeexperten um die Frage, wie die Lebensqualität im Allgemeinen und die Pflegequalität im Besonderen weiter verbessert werden können. Damit passte das Jahrestreffen sehr gut in die aktuelle politische Diskussion. Denn mit dem jüngst verabschiedeten zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wurden bereits viele Verbesserungen im Pflegebereich auf den Weg gebracht, wie Christian Berringer, Referatsleiter im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) den rund 200 Gästen erläuterte (s. auch Artikel auf Seite 4).

Frank Schlerfer, Abteilungsleiter beim PKV-Prüfdienst, und Gastgeber des Jahrestreffens zeigte die Geschichte der Qualitätsprüfungen vom Beginn der Pflegepflichtversicherung im Jahr 1995 bis heute auf und erläuterte die komplexe Aufgabe, der sich die Prüfer täglich stellen müssen. Angesichts der unterschiedlichsten Erwartungen von Pflegebedürftigen, Angehörigen, Pflegeeinrichtungen, Kostenträgern, Politik und Öffentlichkeit an die Qualitätsprüfung, sei diese heute zur „eierlegenden Wollmilchsau“ geworden, der es kaum möglich sei, alle Anforderungen gleichermaßen zu erfüllen. Dennoch gebe es keine Alternative zur Qualitätsprüfung. Denn ohne sie hätten wir keine Transparenz, schlechtere Leistungen und keinen Schutz der Pflegebedürftigen. Wie eine ideale Qualitätsprüfung in Zukunft aussehen werde, könne man zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen, so Schlerfer. Um den Weg dorthin zu finden, müssten jedoch Antworten auf ein paar zentrale Fragen gefunden werden. Darunter etwa die Fragen, wie „Pflegequalität“ denn genau definiert sei, ob sie immer mit dem Begriff „Lebensqualität“ kompatibel sei oder wie man interne und externe Qualitätssicherung verbinden könne.

Im Anschluss erklärte Renate Richter, Leiterin der Abteilung Sozialmedizin bei MEDICPROOF, das künftige Begutachtungssystem bei der Einstufung von Pflegebedürftigkeit (s. auch Interview auf Seite 6). Hier „müssen wir als Begutachter nicht nur umdenken, sondern komplett neu denken.“ Vor ähnliche Herausforderungen sah sich auch Claudia Calero von der COMPASS Private Pflegeberatung GmbH gestellt. Hier sei man allerdings auf einem guten Weg. So werde etwa der erweiterte Anspruch auf eineBeratung innerhalb von 14 Tagen schon heute annähernd erfüllt.

In einem weiteren Vortrag schilderte Elisabeth Beikirch, die fachliche Leiterin des Projektbüros Ein-STEP, die Herausforderungen und Effekte des Strukturmodells, mit dem eine Initiative des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, zur Neuausrichtung und effektiveren Gestaltung der Pflegedokumentationspraxis umgesetzt werden soll. Ziel sei es, den Beteiligten in der Pflege mehr Zeit für die persönliche Zuwendung einzuräumen. In weiteren Beiträgen referierte Professor Peter Udsching, ehemaliger Vorsitzender Richter am Bundessozialgericht, über sozial- und haftungsrechtliche Aspekte der Pflegedokumentation, und Heidemarie Kelleter, Referentin für Qualitätsberatung des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln, stellte ein Projekt zu Umsetzung und Wirkung von Qualitätsindikatoren vor.

In einem moderierten Fachgespräch gab es schließlich einen lebendigen Erfahrungsaustausch zur Zukunft der Qualitätsprüfung zwischen Vertretern von Kostenträgern, Politik und PKV-Prüfdienst. Große Einigkeit herrschte darin, dass die Qualitätsprüfung eine sehr gute Entwicklung hinter sich habe. So hätten sich Prüfer und Pflegeeinrichtungen aneinander angenähert und würden sich zunehmend als Diskussionspartner anerkennen. Thomas Meißner vom AnbieterVerband qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen brachte es mit dem Ausspruch „Von der Feindschaft zur Freundschaft“ auf den Punkt. Dies bekräftigte auch der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel, Pflegepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Ich habe das Gefühl, Qualitätsprüfungen bringen die Pflegeeinrichtungen voran.“ Zu den jüngsten politischen Reformen im Pflegebereich sagte er: „Die Dinge, die wir auf den Weg gebracht haben, führen zu einer weiteren Verbesserung der Qualität durch kompetentere Mitarbeiter.“

Damit sprach Rüddel einen Punkt an, der sich als roter Faden durch die gesamte Diskussion zog: Die Aufwertung des Pflegeberufs. Volker Schulze von der Deutschen Seniorenstift Gesellschaft bemängelte in diesem Zusammenhang, dass in Deutschland der Pflegebereich im Krankenhaus personell und finanziell wesentlich besser ausgestattet sei als die Altenpflege. Hier müsse es endlich eine Behandlung auf Augenhöhe geben: „Die Altenpflege muss weg vom Katzentisch.“ Denn – da waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig – nur wenn der Pflegeberuf attraktiver werde, würden sich mehr junge Menschen für einen solchen Beruf entscheiden. Das wäre nicht nur wichtig, um dem wachsenden Bedarf an Pflegekräften zu begegnen, sondern verbessere auch die Qualität durch mehr Auswahl. Frank Schlerfer brachte in diesem Zusammenhang noch einen anderen Aspekt ins Spiel: Die Altenpflege habe insgesamt ein viel zu schlechtes Image: „Fakt ist: In der Gesellschaft gibt es kein gutes Gefühl beim Thema Pflege. Die Öffentlichkeit hat den Eindruck, dass es hier viel zu viele schwarze Schafe gibt.“ Hier sei es auch Aufgabe des Qualitätsmanagements, den Pflegeberuf als hochqualifizierte Arbeit besser darzustellen.

Mit Blick in die Zukunft ergänzte Rüddel: „Auch die Entbürokratisierung und eine zunehmende Digitalisierung werden den Mitarbeitern in der Pflege mehr Zeit für die pflegebedürftigen Menschen geben.“ Er zeigte sich daher zuversichtlich: „Die Welt in fünf Jahren wird sich deutlich geändert haben.“