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PKV publik 9.2015

 

Helfer der Geburtshilfe

Der Mehrumsatz aus PKV-Honoraren gibt freiberuflichen Hebammen mehr Sicherheit

Eine Studie belegt: Freiberufliche Hebammen erhalten von der PKV fast doppelt so viel Honorar wie von den gesetzlichen Krankenkassen.


„Wenn es keine Private Krankenversicherung geben würde, hätte ich möglicherweise schon vor einem Jahr aufhören müssen zu arbeiten“, berichtet Hebamme Linda aus München. Als freiberufliche Geburtshelferin unterstützt sie Frauen bei der Niederkunft und der Nachsorge. Außerdem hilft sie Paaren bei der Geburtsvorbereitung, um Neugeborenen und ihren Eltern einen guten Start ins gemeinsame Leben zu ermöglichen. Ihre Erfahrung dabei: „Wir Hebammen können sehr, sehr glücklich sein, dass wir das duale Versicherungssystem haben.“

So wie Linda geht es vielen freiberuflichen Hebammen. Seit Monaten streiten sie mit den gesetzlichen Krankenkassen über eine Vergütungsreform. Sie soll die Geburtshelferinnen in die Lage versetzen, die gestiegenen Kosten ihrer Haftpflichtversicherung besser tragen zu können. Denn in den seltenen Fällen, in denen es durch einen Fehler der Hebamme zur Schädigung des Kindes kommt, können sehr hohe, langfristige Folgekosten entstehen, die ohne eine solche Absicherung nicht zu tragen wären.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nannte es vor rund einem Jahr sein persönliches „Herzensanliegen“, dass Hebammen ihre Arbeit „auch in Zukunft mit guten Rahmenbedingungen ausüben können.“ Doch obwohl inzwischen sogar schon eine Schiedsstelle im Streit zwischen gesetzlichen Kassen und Hebammen aktiv geworden ist, bangen die Freiberuflerinnen Stand jetzt, Ende Oktober 2015, weiter um ihre Zukunft.

Und sie müssten es noch mehr, wenn sie sich nicht auf die Private Krankenversicherung verlassen könnten. Eine aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) unterfüttert Lindas Erfahrung: Dank der PKV erhalten die Hebammen eine zusätzliche finanzielle Sicherheit, die es ohne das duale System nicht gäbe.

Zwar ist die Vergütung der Hebammen in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Doch insgesamt ist das Ergebnis der WIP-Forscher eindeutig: Von der PKV erhalten freie Hebammen im Schnitt fast doppelt so viel Honorar wie bei der Versorgung gesetzlich versicherter Mütter.

Grund dafür sind die höheren Vergütungsmöglichkeiten durch die Privaten Gebührenordnungen (Privat-GebO), die von den Bundesländern erlassen werden. Diese orientieren sich zwar an den Vergütungsvereinbarungen der gesetzlichen Krankenkassen, lassen bei besonders hochwertiger Versorgung aber Steigerungsfaktoren zu, die teilweise bis zum Doppelten des Kassenniveaus reichen. Wie bei der ambulanten Arztbehandlung, bezahlen die privatversicherten Mütter die Leistungen zunächst selbst und können die Rechnungen dann zur Kostenerstattung bei ihrem PKV-Unternehmen einreichen.

Die Folge des Vergütungsunterschiedes: Bundesweit profitieren die freien Hebammen durch die Existenz der PKV von einem sogenannten Mehrumsatz in Millionenhöhe.

Ohne PKV würden in der freien Geburtshilfe über 36 Millionen Euro fehlen.

Das WIP rechnet vor: Von den 79 Millionen Euro, die die Private Krankenversicherung im Jahr 2013 (dem Jahr der Erhebung) bundesweit für Hebammen- Leistungen erstattet hat, wären den Geburtshelferinnen 36,5 Millionen Euro weniger zugute gekommen, wenn die Mütter alle gesetzlich versichert gewesen wären. Das ist fast die Hälfte der Gesamtsumme.

Betrachtet man die Ebene der einzelnen Geburten, so liegen die Ausgaben der GKV für Hebammen-Leistungen im Schnitt bei 820 Euro je Mutter. In der PKV sind es 1.523 Euro, also das 1,86-fache. Abgedeckt sind damit nicht nur die konkrete Hilfe bei der Geburt, sondern auch Beratung, Vorsorgeuntersuchungen, Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden, Geburtsvorbereitung und Wochenbettbetreuung. Die Versicherung des Kindes spielt für die Zuordnung zu GKV oder PKV übrigens keine Rolle, entscheidend ist der Versichertenstatus der Mutter.

„Es wird deutlich, welche erheblichen finanziellen Leistungen die PKV beisteuert, damit Hebammen ihrer unverzichtbaren Fürsorge zur Gesundheit von Schwangeren, jungen Müttern sowie Neugeborenen nachgehen können“, bilanziert Frank Wild, Leiter des WIP und Autor der Untersuchung. Damit reihen sich die Geburtshelferinnen ein in die Reihe mit niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern, Zahnärzten, Arzneimittelherstellern und anderen. Schon vor Jahren stellte das WIP fest, dass alle diese Gesundheitsberufe dank der Privaten Krankenversicherung von einem Mehrumsatz in Milliardenhöhe profitieren. 2013 betrug er rund 11,8 Milliarden Euro, wovon fast die Hälfte auf den Bereich der ärztlichen Vergütung entfällt.

Bei Hebammen ist die absolute Höhe des Mehrumsatzes wegen des eng umschriebenen Leistungsbereichs naturgemäß deutlich geringer. Für die kleine, spezialisierte Branche ist er aber beachtlich. Regional betrachtet fällt der Mehrumsatz dabei durchaus unterschiedlich aus: Den höchsten verzeichnen die Hebammen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg, den niedrigsten in Bremen, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland. Das liegt weniger an den jeweiligen Gebührensätzen als daran, dass es in den drei erstgenannten Ländern einen deutlich höheren Anteil privat versicherter Mütter gibt.

Je mehr Privatversicherte, desto besser also für alle künftigen Mütter – denn dadurch können freiberufliche Hebammen besser von ihrem Beruf leben und somit auch gesetzlich versicherten Müttern weiter zur Verfügung stehen.

Das ist nicht nur gut für die werdenden Mütter, sondern auch für Hebammen wie Linda. Denn, so sagt sie lächelnd: „Ich finde, dass ich den schönsten Beruf auf Erden habe.“


Die Studie des WIP zum Download unter: www.wip-pkv.de/veroeffentlichungen