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PKV publik 7.2015

GASTBEITRAG

Home CIMT: Schlaganfallpatienten trainieren den Armeinsatz im Alltag

Das neue Therapiekonzept home CIMT kann Schlaganfallpatienten dabei helfen, ihren Arm im Alltag häufiger und besser zu gebrauchen. Von Dr. med. Anne Barzel und Gesche Ketels


 

Constraint-induced movement therapy (CIMT) ist eine aktivierende Therapieform für Patienten mit motorischen Beeinträchtigungen des Armes nach Schlaganfall, die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) seit 15 Jahren angeboten wird. CIMT, auch als Taub’sches Training oder Forced-use Therapy bezeichnet, ist geeignet für Schlaganfallpatienten, deren gelähmter Arm zumindest teilweise wieder funktionsfähig ist, und bei denen der Schlaganfall mindestens 6 Monate zurückliegt. Ein vergleichbares Therapiekonzept in der ambulanten Versorgung fehlt bisher. Daher entwickelte eine Forschergruppe am UKE um Dr. Anne Barzel (Institut für Allgemeinmedizin) und Gesche Ketels (Physiotherapie) die modifizierte Form home CIMT.

Home CIMT wird über vier Wochen bei den Patienten zu Hause eingesetzt und von ambulant tätigen Ergo- oder Physiotherapeuten geleitet, die an einer zertifizierten Fortbildung teilgenommen haben. Die Patienten üben in Begleitung eines nicht-professionellen Übungsbegleiters (z. B. eines Angehörigen) täglich 2 Stunden an insgesamt 20 Tagen. Die Therapeuten legen zusammen mit den Patienten alltagsrelevante Ziele fest (z. B. Essen mit Messer und Gabel, aus einer Tasse am Henkel fassend trinken). Sie begleiten das Übungsprogramm in wöchentlich durchgeführten Hausbesuchen und überprüfen gemeinsam mit den Patienten die Zielerreichung. Zusätzlich wird empfohlen, den gesunden Arm bis zu 4 Stunden täglich zu immobilisieren, zum Beispiel durch einen Spezialhandschuh,   um den verstärkten Einsatz des durch den Schlaganfall betroffenen Armes bei Alltagsaktivitäten zu unterstützen.

In einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Förderschwerpunkt „Versorgungsnahe Forschung – Patientenorientierung und Chronische Krankheiten“ geförderten randomisiert- kontrollierten Studie untersuchte die Forschergruppe in Physio- und Ergotherapiepraxen, ob home CIMT bei Schlaganfallpatienten den Gebrauch des Armes bei Alltagsaktivitäten besser fördert als übliche Physio- und Ergotherapie. Alle Patienten erhielten über vier Wochen eine wirksame Therapie, entweder home CIMT oder übliche Therapie. Die Studie zeigte eine Verbesserung des Armeinsatzes in beiden Gruppen. Jedoch beurteilten Patienten der home CIMT-Gruppe den Armgebrauch im Alltag signifikant besser als Patienten der Kontrollgruppe*.

Die Forschergruppe strebt die Einführung dieses neuen Therapiekonzepts in die ambulante Versorgung an. Eine Fortbildung für Therapeuten ist in Vorbereitung, damit möglichst vielen Betroffenen home CIMT angeboten werden kann.


* Barzel A, Ketels G, Stark A, Tetzlaff B, Daubmann A, Wegscheider K, van den Bussche H, Scherer M. Home-based constraint-induced movement therapy for patients with upper limb dysfunction after stroke (HOMECIMT): a cluster-randomised, controlled trial. Lancet Neurol. 2015; 14: 863-902.

Weitere Informationen unter: www.uke.de/institute/allgemeinmedizin/index_96591.php