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PKV publik 7.2015

Kind schreibt mit weißer Kreide auf grüne Tafel
 

Genau kalkuliert

Die Beitragsberechnung in der Privaten Krankenversicherung erfolgt nach strengen Regeln

Die Beitragskalkulation in der Privaten Krankenversicherung unterscheidet sich deutlich von der Gesetzlichen Krankenversicherung. Wir informieren über die wichtigsten Aspekte.


 

Das deutsche Gesundheitssystem wird von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung getragen. Zusammen garantieren sie eine hervorragende medizinische Versorgung für alle Menschen. Dennoch unterscheiden sich beide Versicherungssysteme erheblich. Das gilt nicht nur für die Leistungs-, sondern auch für die Finanzierungsseite. Wer sich für einen Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV) interessiert, sollte sich daher informieren, wie dort die Beitragskalkulation funktioniert.

Die Beiträge in der PKV werden risikogerecht, solidarisch und generationengerecht kalkuliert. Die Kalkulation erfolgt auf der Grundlage gesetzlicher Vorschriften und unter Einbeziehung zahlreicher Statistiken. Das gilt für die Beiträge der Neuversicherten ebenso wie für Beitragsanpassungen.

Risikogerecht bedeutet in der PKV, dass zu Beginn der Versicherung das Alter und der Leistungsumfang den Beitrag mitbestimmen. Je älter jemand bei Vertragsabschluss ist und je höher der gewählte Leistungsumfang ist, desto höher ist auch der Beitrag. Außerdem findet eine Gesundheitsprüfung statt. Bei relevanten Vorerkrankungen erhebt der Versicherer zum Ausgleich der zu erwartenden Mehrleistungen gegenüber anfänglich gesunden Versicherten einen Risikozuschlag.

Die Versicherten in der PKV bilden Solidargemeinschaften. Nach ihrem Eintrittsalter und Tarif sind die Versicherten in Kollektiven zusammengefasst, in denen die Beiträge aller die Krankheitskosten des Einzelnen finanzieren.

Mit zunehmendem Alter mehren sich Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Medikamentenbedarf. Da die Gesetzliche Krankenversicherung nach dem Umlageverfahren funktioniert, ist die junge, erwerbstätige Generation überdurchschnittlich an der Finanzierung dieser Kosten beteiligt. Da die Lebenserwartung und der Anteil der Rentner an der Bevölkerung steigen, wächst die finanzielle Belastung der Jüngeren kontinuierlich.

In der Privaten Krankenversicherung zahlen die Versicherten hingegen in jungen Jahren einen höheren Beitrag, als kalkulatorisch notwendig wäre. Der sich ergebende Mehrbeitrag – Alterungsrückstellungen genannt – wird verzinslich angelegt. Im Alter werden diese Alterungsrückstellungen für die höheren Gesundheitsausgaben der Versichertengemeinschaft verwendet. So sorgt in der Privaten Krankenversicherung jede Generation für sich selbst vor.

Allerdings können sich die kalkulierten Ausgaben durch die allgemeine Inflation, den medizinisch-technischen Fortschritt oder eine insgesamt steigende Lebenserwartung ändern. Diese Kosten dürfen von der PKV jedoch nicht vorauseilend eingerechnet werden. Um den vereinbarten Versicherungsschutz dauerhaft erfüllen zu können, dürfen und müssen die Unternehmen die Beiträge daher anpassen. Leistungseinschränkungen von Seiten des Versicherers sind nicht zulässig.

Um rechtzeitig auf entsprechende Veränderungen reagieren zu können, ist die PKV gesetzlich verpflichtet, jährlich die tatsächlichen mit den kalkulierten Ausgaben zu vergleichen. Bei einer Abweichung über einen in den Versicherungsbedingungen festgelegten Wert hinaus müssen die Versicherer ihre Rechnungsgrundlagen überprüfen. Bestätigt die Überprüfung die Abweichung, muss das Versicherungsunternehmen die Beiträge anpassen.

Für die Richtigkeit der Kalkulation bürgt im Unternehmen der Verantwortliche Aktuar. Darüber hinaus muss ein unabhängiger mathematischer Treuhänder jeder Beitragsanpassung zustimmen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht die korrekte Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben.

Jede Beitragserhöhung ist zur dauerhaften Erfüllbarkeit der Verträge notwendig. Falls die Beiträge dadurch für einzelne Versicherte allerdings zu hoch werden, haben die Kunden mehrere Möglichkeiten, zu reagieren. Vor einer Beitragsanpassung weist das Unternehmen seine Kunden schriftlich auf das Tarifwechselrecht hin. Selbst bei vergleichbaren Leistungen kann ein anderer Tarif unter Umständen günstiger sein. Damit die Versicherten jederzeit die für sie beste Tarifoption finden und auswählen können, hat die Branche einen Leitfaden zum Tarifwechsel erarbeitet, der die geltende Rechtslage konkretisiert, aber auch deutlich über die gesetzlichen Vorgaben des Tarifwechselrechts hinausgeht und den Versicherten größtmögliche Transparenz garantiert.

Neben einem Tarifwechsel kann der Versicherte auf einzelne Tarifbausteine wie zum Beispiel die Chefarztbehandlung verzichten, um einen niedrigeren Beitrag zu zahlen. Bei finanzieller Überforderung kann er außerdem in einen der Sozialtarife der Privaten Krankenversicherung – den Standardtarif oder den Basistarif – wechseln. Jeder, der über eine Beitragsreduzierung nachdenkt, sollte grundsätzlich erst einmal alle Optionen mit seinem Versicherungsunternehmen besprechen.

Weitere Informationen zur Beitragskalkulation in der Privaten Krankenversicherung gibt es in einer neuen Broschüre, die auf der Internetseite des PKV-Verbandes heruntergeladen werden kann.


www.pkv.de/service/broschueren/verbraucher