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PKV publik 6.2015

Unzureichend informiert

Eine Umfrage der Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ (ZQP) zeigt: Nur jeder Fünfte weiß, wer im Pflegefall helfen kann

Mit der Zahl der Pflegebedürftigen steigt auch der entsprechende Beratungsbedarf. Die Umfrage des ZQP zeigt, dass es hier noch viel Verbesserungspotenzial gibt.


 

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wird laut Statisti­schem Bundesamt von derzeit 2,6 Milli­onen auf mehr als 3,3 Millionen im Jahr 2030 wachsen. Damit steigt auch der Informationsbedarf zum Thema Pflege. Heute weiß jedoch nur jeder Fünfte, an wen er sich bei einem plötzlich auftre­tenden Pflegefall wenden soll. Auch bei gesetzlichen Leistungen beklagen die Befragten ein Informationsdefizit: So fin­den zwei Drittel der Deutschen das Ge­sundheits- und Versorgungssystem un­übersichtlich. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung der Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ (ZQP).

Pflegeberatung könnte den Verbrauche­rinnen und Verbrauchern eine wichtige Orientierung geben. Doch die Studie deckt auf: Nur 40 Prozent wissen um ihren gesetzlich festgeschriebenen Anspruch auf kostenfreie und neutrale Pflegebera­tung. Zudem gaben nur 25 Prozent an, eine auf das Thema Pflege spezialisierte wohnortnahe Beratungsstelle zu kennen. Lediglich acht Prozent sind über einen konkreten Pflegestützpunkt informiert.

„Es ist nicht hinnehmbar, wenn auf Hilfe angewiesene Menschen von qualifizierter Pflegeberatung nicht erreicht werden“, sagt der ZQP-Vorstandsvorsitzende Ralf Suhr. Gute Beratung sichere die Quali­tät in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Daher müsse die unabhängi­ge Beratung auch eine zentrale Rolle bei der Ausgestaltung des zweiten Pflegestär­kungsgesetzes spielen.

„Pflegeberatung kann einen zentralen Beitrag zu einer guten Versorgung in Deutschland leisten“, so Suhr weiter. Und es gebe schon Einrichtungen, die als vor­bildlich und als „Goldstandard“ gelten. Beispielsweise die COMPASS Private Pflegeberatung.

Wie die Ergebnisse der ZQP-Studie zei­gen, hält mehr als die Hälfte der Bürger (57 Prozent) spezialisierte Beratungsan­gebote für notwendig. Gut jeder Zweite (53 Prozent) wünscht sich eine persön­liche Beratung, zusätzlich zum Internet oder Telefon. Bei der Auswahl der Be­ratungsstelle steht die Unabhängigkeit des Anbieters an vorderster Stelle (57 Prozent).

Vor allem ist es für Rat- und Hilfesuchende schwer, sich im Dschungel der Beratungs­angebote zurechtzufinden. Es fehlt die Transparenz – auch dazu, was sich hinter dem Etikett „Pflegeberatung“ eigentlich verbirgt. Wie das ZQP ermittelt hat, gibt es neben den Beratungsangeboten der Pflegekassen, den Pflegestützpunkten der gesetzlichen Pflegeversicherung und der COMPASS Private Pflegeberatung etwa 4.500 weitere nicht-kommerzielle Angebote auf Länder- und kommunaler Ebene, die einen Beratungsschwerpunkt im Themenfeld Pflege aufweisen. Diese Angebote unterscheiden sich in ihrem konzeptionellen Rahmen. Über deren Qualität ist wenig bekannt.

Suhrs Fazit lautet daher: „Die Pflege­beratung in Deutschland gleicht einem Flickenteppich. Damit die Verbraucher wirklich wissen, wo sie eine professionel­le Beratung finden, bedarf es in Deutsch­land einer klaren Regelung zu den Stan­dards. Wo Pflegeberatung drauf steht, müssen einheitliche Regelungen zugrun­de liegen.“


www.zqp.de