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PKV publik 6.2015

Ohne Missverständnisse

PKV-Verband stärkt Gesundheitskompetenz durch Beratungsangebote in der Muttersprache

Eine Studie zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Ein häufiger Grund sind Sprachbarrieren.


 

Für Patienten gibt es in Deutschland ein breites Informations- und Aufklärungsangebot durch Krankenver­sicherungen, Ärzte, Therapeuten und Beratungsstellen. Daneben informieren sich immer mehr Patienten online über Krank­heiten, Behandlungsmethoden und neue Gesundheitstrends, was aber nicht selten mehr Verwirrung stiftet, als dass es hilft. Trotz der Fülle an verfügbaren Informati­onen gibt es oft Verunsicherungen, wenn es darum geht zu entscheiden, welche der angebotenen Gesundheitsleistungen tatsächlich sinnvoll sind.

Die Fähigkeit des Einzelnen, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen und zu nutzen wird als Gesundheitskompetenz – im Englischen als Health Literacy – bezeichnet. Ist diese Kompetenz nicht oder nur begrenzt vorhanden, kann das nicht nur direkte Auswirkungen auf die Gesundheit des Einzelnen haben. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) belastet die mangelhafte Gesundheitskompetenz der Bevölkerung die jährlichen Gesundheitsausgaben von Industrienati­onen mit drei bis fünf Prozent. Das entspräche in Deutschland für das Jahr 2014 rund 15 Milliarden Euro Mehrausgaben.

Eine Studie der Universität Bielefeld hat festgestellt, dass neben den Älteren auch Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status oder niedrigem Bildungsniveau und insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten damit haben, sich im deutschen Gesundheitswesen zurechtzufinden. Demnach nehmen Patienten mit Migrationshintergrund seltener Gesundheitsleistungen in Anspruch. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Wissenslücken, kulturelle Barrieren oder negative Erfahrungen mit der Versorgung im Herkunftsland führen dazu, dass Migranten dem deutschen Gesundheitswesen fernbleiben. Vor allem aber verhindern mangelnde Sprachkenntnisse, dass Patienten mit Migrationshintergrund wichtige Gesundheitsinformationen erhalten. Dies kann schwerwiegende Folgen haben: Wenn etwa die Operationsaufklärung durch den Arzt oder wichtige Briefe von der Krankenkasse nicht oder falsch verstanden werden. Den Ergebnissen der Forscher aus Bielefeld zufolge verstehen viele Patienten mit Migrationshintergrund nicht einmal, welche Diagnose ihr Arzt gestellt hat.

Zielgruppenspezifische Angebote sind  unerlässlich. 

Reguläre Beratungsangebote sind auf deutsche Patienten ausgerichtet und können vorhandene Barrieren nicht überwinden. Zielgruppenspezifische Beratungsangebote sind daher unerlässlich, um Patienten mit Migrationshintergrund und Zuwanderern den Zugang zu relevanten Gesundheitsinformationen zu erleichtern. Diesen Bedarf hat der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) erkannt und unterstützt daher zwei Beratungsprojekte, die an die Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund angepasst sind und gezielte Beratung in der Muttersprache anbieten.

Seit 2011 beteiligt sich der PKV-Verband freiwillig an der Finanzierung der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Um das Beratungsangebot für Patienten mit Migrationshintergrund zu verbessern, bietet die UPD ein muttersprachliches Beratungsangebot an. Derzeit leben rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund  in Deutschland, Tendenz steigend. Mit rund 6 Millionen stellen russisch- und türkischsprachige Patienten die größten Gruppen der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund. Aus diesem Grund konzentriert sich das muttersprachliche Beratungsangebot der UPD auf diese beiden Gruppen.

Nach einer Umfrage der Bielefelder Forscher unter Patienten, die das Angebot der UPD wahrgenommen haben, nehmen Patienten die Beratung regelmäßig in Anspruch. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sie dadurch erstmals Vertrauen in das deutsche Gesundheitswesen fassen.

Gut aufgenommen wird auch die mit Hilfe der PKV von der Deutschen AIDS-Stiftung finanzierte HIV/AIDS-Aufklärung der Deutschen Aidshilfe, die regelmäßig in einer Flüchtlings-Aufnahmestelle angeboten wird. Im Rahmen ihres Engagements in der HIV/ AIDS-Prävention unterstützen PKV und Deutsche AIDS-Stiftung seit 20 Jahren die Deutsche AIDS-Hilfe bei Aufklärungs­kampagnen für Menschen mit Migrationshintergrund. Seit 2011 ist ein weiteres Projekt hinzugekommen, das sich speziell an Flüchtlinge und Zuwanderer richtet. Angesichts steigender Zuwanderungen und der Tatsache, dass – je nach Herkunftsland– die Infektionsquote in dieser Gruppe deutlich höher liegt als in Deutschland, ist Präventionsarbeit hier besonders wichtig. In vielen Herkunftsländern sind HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten noch immer kaum bekannt oder stark stigmatisiert. Die Aufklärung in der Muttersprache erleichtert häufig den Zugang zu den Betroffenen.

Zudem bleibt in der muttersprachlichen Beratung genügend Raum, um die Beratung kulturell sensibel zu gestalten und an die jeweilige Zielgruppe anzupassen. Die Teilnehmer des Aufklärungsangebots erhalten so nicht nur Informationen über die Infektionskrankheiten, sondern auch zum deutschen Versorgungssystem allgemein. Unter anderem erfahren Betroffene, welche medizinische Versorgung sie benötigen und wo sie diese erhalten.

„Muttersprachliche Beratungsangebote bieten eine wichtige Ergänzung im deutschen Gesundheitswesen und sind ein entscheidender Schritt auf dem Weg hin zu einer patientenorientierten Integration“, so PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach.