• Vorlesen
  • A A A

PKV publik 5.2015

1 | 2

 

„In der Pflege können wir über zahlreiche Erfolgsgeschichten berichten.“

 

Woran genau macht sich dieser Erfolg in der Pflege fest?

Laue: Da gibt es bei uns zahlreiche Er­folgsgeschichten zu berichten. Nehmen wir zum Beispiel die Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“, also das ZQP. Mit ihrem erfolgreichen Engagement hat sich die Stiftung innerhalb von nur sechs Jahren den Ruf eines nationalen Kompe­tenzzentrums für die Pflege in Deutsch­land erworben.

Das ZQP ist in seiner Forschung me­thodisch breit aufgestellt und begleitet Fragestellungen von der Grundlagen­forschung bis hin zur Umsetzung. Es ist durch seine Projekte ein zentraler Trei­ber von Innovationen in der Pflege. Die Stiftung setzt klare Arbeitsschwerpunkte in Bereichen, die von anderen wissen­schaftlichen Einrichtungen nicht oder nur wenig erforscht werden und in denen beträchtliche Wissenslücken bestehen.

Zentrales Kennzeichen der ZQP-Arbeit ist die Praxisorientierung, um alle Erkennt­nisgewinne rasch dorthin zu bringen, wo Menschen tatsächlich gepflegt werden. Die Arbeit findet also nicht im Elfenbein­turm statt, denn die Stiftung will ja etwas für die Menschen bewegen. Deshalb tref­fen hier Wissenschaftler auf Pflegeprofis aus der Praxis. Deshalb stellt das Zent­rum für Qualität in der Pflege alle seine Ergebnisse der Öffentlichkeit und der Fachszene kostenlos zur Verfügung.

Sie sprachen von mehreren Erfolgsge­schichten. Können Sie weitere Beispiele nennen?

Laue: Natürlich, da sind vor allem unsere Leistungen in der Pflegeberatung und der Prüfung von Pflegeeinrichtungen zu nen­nen. Zum einen gibt es ja seit 2008 un­sere Private Pflegeberatung COMPASS, die mit ihren 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 100.000 Beratungen pro Jahr durch­führt und so ein bundesweit flä­chendeckendes In­formationsangebot gewährleistet. Im­mer wieder erreichen uns sehr dankbare und oft auch sehr anrührende Briefe von Menschen, denen COMPASS konkret hat helfen können, diesen tiefen Einschnitt in ihrem Leben zu bewältigen.

Und das Konzept einer aufsuchenden Pflegeberatung in der häuslichen Um­gebung der Betroffenen hat Vorbildcha­rakter. Der Gesetzgeber hat 2012 im Pflegeneuordnungsgesetz geregelt, dass nun auch alle gesetzlichen Pflegekas­sen den Hausbesuch anbieten müssen – nach dem erfolgreichen Vorbild von COMPASS. Ein gutes Beispiel dafür, wie die Ideen der PKV im Systemwettbewerb letztlich allen Menschen in Deutschland zu Gute kommen.

Seit Anfang des Jahres bieten wir außer­dem ein umfassendes Informationsportal im Internet als Ratgeber im Pflegefall an. Die Seite „www.pflegeberatung.de“ ist für alle Interessenten kostenlos und unabhängig von ihrem Versicherungs­status. Dort finden Menschen, die oft ja sehr plötzlich vor der Herausforderung stehen, für sich oder ihre Angehörigen eine gute Pflege zu organisieren, viele handfeste Ratschläge.

Zudem steht ihnen Deutschlands um­fangreichste Datenbank mit konkreten Hilfsangeboten in ihrer Nähe zur Ver­fügung. Hier finden sie über eine leicht bedienbare Suchfunktion Informationen zu Pflegeheimen, ambulanten Diensten, Tages- und Nachtpflege sowie weiteren Entlastungsmöglichkeiten.

Mithilfe von Checklisten können sie prü­fen, ob sie eine Pflegestufe beantragen sollten. Mit einem Rechner lassen sich die Kosten von Pflegediensten speziell für die individuell benötigten Leistungen abschätzen. Hinzu kommt das Ange­bot des Portals zum persönlichen Er­fahrungsaustausch der Betroffenen un­tereinander – das ist bisher einmalig im Pflegebereich.

„Das Konzept der aufsuchenden Pflegeberatung hat Vorbildcharakter.“

Und wie sieht es im Bereich der Pflegeprü­fung aus?

Laue: Da haben wir seit 2011 einen ei­genen Prüfdienst, mit dem sich die PKV bundesweit an den Qualitätsprüfungen von Pflegeeinrichtungen beteiligt. Die rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitar­beiter führen jährlich etwa 2.500 Prüfun­gen von Pflegeheimen sowie ambulanten Pflegediensten durch – entsprechend dem PKV-Versichertenanteil in Deutsch­land sind dies etwa 10 Prozent aller Prüfungen.

Im PKV-Prüfdienst werden ausschließ­lich Fachkräfte mit pflegefachlichem Studienabschluss oder vergleichbarer Kompetenz eingesetzt. Der Anteil der Kolleginnen und Kollegen mit Audito­ren-Qualifikation liegt bei rund 70 Pro­zent und damit deutlich über dem gesetz­lichen Maß von 50 Prozent. Die Auswahl der Einrichtungen, die wir prüfen, erfolgt nach dem Zufallsprinzip, deshalb profi­tieren alle Menschen in Deutschland von den Ergebnissen.

Durch die Beteiligung der PKV an den Qualitätsprüfungen hat eine Verände­rung der Prüfland­schaft stattgefunden: Die Monopolstellung des Medizinischen Dienstes der Kran­kenkassen als allei­nige Prüforganisation ist nicht mehr vorhanden. Sowohl der Prüfdienst der PKV als auch der MDK müssen sich nun ihrerseits vergleichen lassen. Dies hat po­sitive Auswirkungen auf die Entwicklung beider Organisationen.

Der Prüfdienst der PKV hebt sich zum Beispiel dadurch ab, dass er seine Prüfeinsätze nach bundeseinheitlichen Richt­linien abwickelt – anders als der Medizi­nische Dienst der GKV, der in den Län­dern durchaus unterschiedliche Ansätze verfolgt.

Und die Qualitätsprüfer der PKV nehmen sich mehr Zeit für Ihre Einsätze. Sie sind in der Regel zwei Tage vor Ort, damit der Prüfeinsatz eben nicht nur eine Kontrolle nach Checkliste ist, sondern damit auch Zeit bleibt für eine konkrete Beratung der jeweiligen Pflegeeinrichtung, wie sie ihre Qualität im Alltag steigern kann.

Auch hier zeigt sich also einmal mehr, dass der Systemwettbewerb von Gesetz­licher und Privater Krankenversicherung eine Triebfeder dafür ist, die Qualität der Versorgung in Deutschland zu steigern – zu Gunsten aller Patienten und Pflegebe­dürftigen, egal wie sie versichert sind.

Die Ergebnisse der Prüfungen fließen in das gesetzlich vorgegebene System der Pfle­ge-Noten ein, die jetzt in die Kritik geraten sind. Wie stehen Sie dazu?

Laue: Die Erfahrungen des PKV-Prüf­dienstes aus vielen tausenden Einzelprü­fungen von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bestätigen die Po­sition des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Herrn Staatssekretär Laumann, dass die Veröffentlichung von sogenannten Pflege-Noten in ihrer bishe­rigen Systematik für die Verbrau­cher nicht aussa­gekräftig und da­mit gescheitert ist. Bisher wird nicht unterschieden zwischen unabdingbaren Kernkriterien, die eine gute Pflegeein­richtung auf jeden Fall erfüllen muss, und weniger wichtigen Faktoren. Diese Art von Noten führt weder zu Trans­parenz noch zu mehr Qualität in den Pflegeeinrichtungen.

Die Private Krankenversicherung be­grüßt deshalb die Initiative der Bundes­regierung für eine Neukonzeption des „Pflege-TÜV“. Wir bieten unsere enga­gierte Mitarbeit an und möchten unser breites Erfahrungswissen aus dem Pfle­gebereich einbringen.

Wie kann eine solche Beteiligung aussehen?

Laue: Nach dem Vorschlag von Staats­sekretär Laumann sollen die bisherigen Pflege-Noten ab 2016 zunächst durch eine Kurzzusammenfassung ersetzt wer­den. Hierfür soll der GKV-Spitzenver­band ein Muster erstellen. Wir bieten an, die PKV hieran zu beteiligen, sodass die Erfahrung aus inzwischen mehr als 10.000 Prüfungen des PKV-Prüfdienstes in die Übergangsregelung mit einfließt. Idealerweise sollte die Übergangsrege­lung daher im Einvernehmen mit dem PKV-Verband erstellt werden.

In dieser Übergangszeit soll ein neues System der Qualitätsbewertung und der Qualitätsveröffentlichung entwickelt und festgelegt werden. Bei der von Herrn Staatssekretär Laumann vorgeschlage­nen Lösung bliebe es grundsätzlich dabei, dass die an der Pflegeversorgung Beteilig­ten in einem Ausschuss selbst festlegen, wie Pflegequalität geprüft und veröf­fentlicht wird. Damit bliebe es allerdings auch bei der bekannten Problematik, dass die unterschiedlichen Interessen der Be­teiligten eine Entscheidung erschweren.

Aus Sicht der PKV wäre es keine optimale Lösung, wenn die Prüfkriterien in einer Art „Tarifverhandlung“ der Beteiligten untereinander ausgehandelt würden. Besser erscheint uns, die neuen Regeln aus der Perspektive der Pflegebedürfti­gen und auf der objektiven Basis pfle­gewissenschaftlicher Erkenntnisse zu entwickeln.

Der Vorschlag von Herrn Staatssekretär Laumann zur Einrichtung eines Pflege­qualitätsinstituts trägt dem Gedanken der Wissenschaft­lichkeit Rechnung. Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll, da­bei auf eine bestehende Einrichtung mit einschlägiger Expertise zurückzugreifen.

Wir schlagen vor, dass das Zentrum für Qualität in der Pflege diese Aufgabe übernimmt. Das ZQP ist in seiner Arbeit unabhängig, multiprofessionell und dem Theorie-Praxis-Transfer verpflichtet. Es erfüllt damit die hier benötigten Anfor­derungen und erscheint uns als die geeig­nete Einrichtung, um den wissenschaftli­chen Erkenntnisprozess zu koordinieren.

Blicken wir noch einmal auf das Geschäfts­jahr 2014 zurück. Wie bewerten Sie die Neugeschäftsentwicklung in der Branche?

Laue: Die grundsätzliche Richtung stimmt. In der Krankenversicherung stieg die Zahl der Voll- und Zusatzversi­cherungen auf insgesamt 32,76 Millio­nen Policen. Die Zusatzversicherungen verzeichneten dabei einen Zuwachs um 1,7 Prozent auf 23,93 Millionen.

Der Trend zu pri­vater Vorsorge, um den Leistungsum­fang der Gesetzli­chen Krankenver­sicherung (GKV) aufzustocken, bleibt damit ungebrochen. Das ist angesichts der Alterung unserer Bevölkerung eine sehr positive Nachricht.

„Der Trend zu mehr privater Vorsorge ist in der Bevölkerung ungebrochen.“

Inwiefern?

Laue: Gerade angesichts des demografi­schen Wandels gewinnt zunehmend die Tatsache an Bedeutung, dass Privatver­sicherte mit ihren Alterungsrückstellun­gen selbst für ihre im Alter steigenden Gesundheitskosten vorsorgen. Im Jahr 2014 überstiegen die Rückstellungen die Rekordmarke von 200 Milliarden Euro. Die Demografie-Vorsorge der Privatver­sicherten ist damit auch in der aktuellen Niedrigzinsphase solide angestiegen. Trotz der Schuldenkrise und des ungüns­tigen Zinsumfeldes konnten die Rückstel­lungen der Privatversicherten um rund acht Milliarden Euro erhöht werden.