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PKV publik 5.2015

„Wir haben ein großes Ziel im Visier.“

Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung, spricht im Interview mit PKV publik über die Vorteile des deutschen Gesundheitssystems, Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung und die Pflegekompetenz der Privaten Krankenversicherung. Außerdem stellt er die neu gegründete „Stiftung Gesundheitswissen“ vor.


 

Herr Laue, wir befinden uns mitten in der Legislaturperiode. Die Gesundheitspolitik ist geprägt von einem sachlichen Arbeitskli­ma. Was bedeutet das für die PKV?

Laue: Natürlich freue ich mich, dass  nach dem Bundestagswahljahr 2013 mit seinen recht emotional geführten Diskussionen und teilweise brachialen Forderungen zum Gesundheitswesen im vergangenen Jahr wieder eine sachli­chere Tonlage in die gesundheitspolitische Debatte eingezogen ist. Von einer ruhigen Zeit kann allerdings keine Rede sein. Denn die Private Krankenversicherung (PKV) nutzt diese Zeit, um ihren Reformpro­zess weiter voranzubringen und um ihrer Verantwortung als wichtiger Akteur im Gesundheitswesen gerecht zu werden, indem wir noch mehr dabei mitwirken, die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland weiter zu verbessern.

„Die PKV nutzt die Zeit, um ihren Reformprozess voranzubringen.“

Was gehört alles zu dem von Ihnen er­wähnten Reformprozess?

Laue: Die Erweiterung des Tarifwech­selrechts ist dafür das jüngste Beispiel. Wahlfreiheit und individueller Versi­cherungsschutz gehören zu den großen Pluspunkten der Privaten Krankenversi­cherung. Damit die Privatversicherten jederzeit die für sie beste Tarifoption finden und auswählen können, hat die Branche einen Leitfaden zum unterneh­mensinternen Tarifwechsel erarbeitet. Unser Ziel ist vor allem, mehr Transpa­renz zu schaffen, damit den Versicherten die für einen Wechsel nötigen Informati­onen schnell und übersichtlich zur Verfü­gung stehen. Der Tarifwechsel-Leitfaden erläutert und konkretisiert nicht nur die geltende Rechtslage, sondern geht auch deutlich über das gesetzliche Tarifwech­selrecht hinaus. Zurzeit arbeiten alle teil­nehmenden Unternehmen daran, dass der Leitfaden spätestens 2016 in vollem Umfang in Kraft treten kann.

Aber auch die angestrebte Novellierung der Gebühren­ordnung für Ärzte (GOÄ) zählt zu den Reformen, die wir durch Ver­handlungen mit der Bundesärztekammer im Interesse der Versicherten mitgestalten.

Wie weit sind Sie denn in diesen Verhandlungen?

Laue: Wir wollen mit einer neuen GOÄ die moderne Medizin auf dem neuesten Stand abbilden – und wir wollen ein Ver­fahren etablieren, das medizinische In­novationen in Zukunft weitaus schneller in die GOÄ integrieren kann als bisher. Wir wollen außerdem die persönliche Zuwendung des Arztes zum Patienten re­lativ höher gewichten im Verhältnis zur so genannten Apparatemedizin. Denn auch die „sprechende Medizin“ ist ein wesentlicher Qualitätsaspekt in der Pri­vaten Krankenversicherung.

Aber gerade weil uns an einem erfolgrei­chen Abschluss dieser sehr konstruktiven GOÄ-Verhandlungen gelegen ist, kann ich zurzeit noch nicht auf weitere Details eingehen. Wir haben mit der Ärzteschaft vereinbart, dass wir die vielfach ja auch sehr komplizierten Fragen gemeinsam am Verhandlungstisch klären und nicht über öffentliche Diskussionen austau­schen. Wir sind gemeinsam schon sehr weit vorangekommen.

„Die Private Krankenversicherung versteht sich als Treiber für Qualität.

Und wie wollen Sie die Qualität der Ge­sundheitsversorgung verbessern?

Laue: Die Private Krankenversicherung versteht sich grundsätzlich als Treiber für Qualität. Denn dieses Thema und die Frage, wie wir die Gesundheitsversor­gung in Deutschland sicherstellen und stetig weiter verbessern können, beschäf­tigen uns buchstäblich jeden Tag. Und unser Einsatz in den Verhandlungen zu einer Reform der GOÄ gehört eindeutig mit dazu.

Aber wir wollen noch mehr und haben ein großes Ziel im Visier. Der PKV-Ver­band will einen eigenen Beitrag zum na­tionalen Gesundheitsziel einer stärkeren Patientenkompetenz leisten. Dazu haben wir eine gemeinnützige Stiftung gegrün­det: die „Stiftung Gesundheitswissen“. Sie soll Ende 2015, wenn die nötigen Vorarbeiten abgeschlossen sind, mit ers­ten Projekten starten.

Stiftungszweck ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie die Förderung des öffentlichen Gesundheits­wesens. Diesen Zweck wird die Stiftung dadurch verwirklichen, dass sie Patien­teninformationen aufbereitet und Ent­scheidungshilfen über Behandlungspfa­de, innovative Therapien und Diagnostik auf dem Stand internationaler Erkennt­nisse bereitstellt. Diese Informationen werden unabhängig, wissenschaftsba­siert, qualitätsgesichert, laienverständ­lich und praxistauglich sein und damit  alle erforderlichen Kriterien erfüllen.

Die Informationen der Stiftung ermögli­chen den Patienten informierte Entschei­dungen, wodurch Selbstbestimmung und Wahlfreiheit gestärkt werden. Ein Eingriff in das Arzt-Patienten-Verhältnis findet nicht statt. Denn der Arzt hat nach wie vor die Freiheit, eine Therapie seiner Wahl vorzuschlagen; der Patient hat weiterhin die Freiheit, sich den Arzt seines Vertrau­ens auszuwählen und sich für oder gegen eine Therapie zu entscheiden.

Was hat Sie bewogen, gerade diesen Weg zu gehen, um Qualitätsverbesserungen zu erreichen?

Laue: Freie Arztwahl der Privatversi­cherten und die Therapiefreiheit der Ärz­te sind wesentliche Elemente der Priva­ten Krankenversiche­rung. Diesen ausge­prägten Freiheiten entspricht ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Der Patient entscheidet eigenverantwortlich. Über die Qualität des Arztes stimmt er quasi mit den Füßen ab. Zur freien Arztwahl der Privatpatienten gehört das Recht, je­derzeit weitere Ärzte des Vertrauens zur Beratung hinzuzuziehen oder sich auch vom Arzt ihrer Wahl ambulant im Kran­kenhaus behandeln  zu lassen.

Es ist daher ein Kernanliegen der PKV, die Patientenkompetenz zu stärken. Denn dadurch wird eine partnerschaftliche Therapieentscheidung von Arzt und Pa­tient möglich. Dieser Ansatz ist nicht nur systemtypisch für die Privatmedizin. Er weist zugleich weit über die PKV hinaus.

In welcher Hinsicht?

Laue: Studien belegen, dass das Ge­sundheitswissen bei Patienten im inter­nationalen Vergleich hierzulande noch unterentwickelt ist. Der Bedarf an ent­sprechenden Informationen ist offenkun­dig, blickt man nur auf die Vielzahl beste­hender und immer neuer Angebote allein im Internet.

Doch dabei fällt zugleich der Mangel an unabhängigen, qualitätsgesicherten und laienverständlichen Patienteninforma­tionen auf. Die im Internet recherchier­baren Informationen sind oft wider­sprüchlich, zuweilen sogar falsch oder mit Verkaufsabsichten verbunden. In der Regel ist nicht erkennbar, ob die Informa­tionen dem international anerkannten Stand des Wissens entsprechen.  

Das sind die inhaltlichen Erwägungen, die uns zur Gründung der „Stiftung Ge­sundheitswissen“ veranlasst haben. Zu­sätzlich ermutigt und motiviert hat uns aber natürlich der große Erfolg der Pri­vaten Krankenver­sicherung in der Verbesserung der Pflege-Qualität, insbesondere un­serer gemeinnützi­gen Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“.

 

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