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PKV publik 5.2015

Bundeswettbewerb Sirius
 

Von Socke bis Smartphone

Der Bundeswettbewerb Sirius prämiert innovative Projekte der AIDS-Prävention

Zum dritten Mal haben Bundesgesundheitsministerium, PKV-Verband und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) den ­Präventionspreis Sirius ausgelobt.


 

Die einen drehen Filme im Co­mic-Stil, um Häftlinge aufzuklären. Andere fahren mit einem Beratungs-Bus zu drogenabhängigen Prostituierten. Und wieder andere bieten Jugendlichen eine „Schnitzeljagd“ per GPS zu Bera­tungsstellen über sexuell übertragbare Krankheiten an.

Die insgesamt zehn Preisträger des Prä­ventionswettbewerbs Sirius 2015 sind ein gutes Beispiel dafür, wie man auf neue Herausforderungen mit innovati­ven Ideen reagieren kann. Zum dritten Mal nach 2008 und 2010 haben Bundes­gesundheitsministerium, PKV-Verband und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) den Präventionspreis ausgelobt, der sich speziell der Verhütung von HIV/AIDS und anderen sexuell über­tragbaren Krankheiten (STI) widmet.

Mehr als 100.000 Euro an Preisgeldern stehen nun den sechs Haupt-Preisträgern und den vier Gewinnern eines kleineren „Anerkennungspreises“ zur Verfügung, um ihre Projekte voranzubringen. Dank Fantasie, Engagement und zuweilen et­was unkonventionellen Ansätzen spre­chen all diese Projekte Menschen an, die ansonsten nicht leicht mit den Präventi­onsbotschaften zu erreichen sind.

Das würdigte auch Bundesgesundheits­minister Hermann Gröhe (CDU) bei der Preisverleihung im Mai in Berlin: Die Ideen der Preisträger zeigten eine viel­seitige, kreative Art, sich dem Thema zu widmen.  Es seien Projekte, die in diesem Land wirklich etwas verbessern. „Viele der eingereichten Projekte beruhen auf ehrenamtlicher Arbeit“, so der Minister. Das zeige einmal mehr, dass viele Prä­ventionsansätze ohne dieses zivilgesell­schaftliche Engagement nicht möglich seien.

Mehr als 50 unterschiedliche Akteure hatten sich für den Sirius 2015 beworben – die Bandbreite reicht von Beratungs­stellen und Vereinen über Universitäten bis hin zu kirchlichen Einrichtungen.

Manche der prämierten Projekte bauen dabei auf klassische Medien wie Film oder Internet, um ihre jeweilige Zielgrup­pe zu erreichen. Andere nutzen mobile Kommunikationsangebote wie Apps oder GeoCaching – oder setzen ausschließlich auf das persönliche Gespräch. So gibt es unter den sechs Hauptpreisträgern neben den bereits erwähnten Präven­tionsangeboten auch eine afrikanische Teezeremonie als kultursensible Ge­sprächsmöglichkeit speziell für Flüchtlin­ge, Internet-Kurzfilme für homosexuelle Männer, die sich außerhalb der Schwu­len-Szene bewegen, sowie ein Online-Portal mit lustigen Socken-Handpuppen als Präventionsbotschaftern.

Damit docken die Preisträger direkt an der Lebenswirklichkeit ihrer Zielgruppen an. Ob es sich nun um Risikogruppen wie Drogenkonsumenten oder um Menschen ohne ausreichende Sprachkenntnisse handelt: Sie benötigen passende und ver­ständliche Informationen darüber, wie sie sich und andere schützen können. Dabei kommt es oft darauf an, kulturelle Grenzen, Sprachbarrieren, Bildungsfer­ne, Ängste oder Tabus zu überwinden.

„Die Projektträger haben eindrücklich bewiesen, dass sie kei­ne Berührungsängste haben, auf Risikogrup­pen zuzugehen“, lobt PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach. „An­dererseits holen sie aber auch Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit ab, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zu einer Risikogruppe gehören – und Menschen, die bei anderen Angeboten manchmal durchs Raster fallen, weil sie über klas­sische Medienangebote kaum noch er­reichbar sind.“

Auch BZgA-Direktorin Heidrun Thaiss weist darauf hin, dass von den prämier­ten Initiativen „wesentliche Impulse für die HIV- und STI-Präventionslandschaft in Deutschland“ ausgehen. Zwar habe die Aufklärungsarbeit der BZgA dazu ge­führt, dass die Zahl der Neuinfektionen bei HIV in Deutschland im europäischen Vergleich sehr niedrig sei. Das Wissen über andere sexuell übertragbare Krank­heiten (Sexually Transmitted Infection – STI) sei aber noch immer gering. Und diese haben nicht nur selbst oft schwere Folgen für die Erkrank­ten, sondern können zudem auch das Risi­ko einer HIV-Infektion deutlich erhöhen. Da­her sei eine seriöse und neutrale Aufklärungsarbeit nach wie vor notwendig.

Die Private Krankenversicherung unter­stützt die Präventionsarbeit gegen HIV und AIDS schon seit Ende der 80er Jahre. Sie ist einer der Mitbegründer der Deut­schen AIDS-Stiftung und fördert seit fast zehn Jahren auch die Kampagne „Gib AIDS keine Chance“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit meh­reren Millionen Euro pro Jahr. Nicht zu­letzt dank der Erfolge dieser Präventions­kampagne gilt Deutschland international als Vorbild bei der HIV-Prävention.  

Minister Gröhe dankte der Privaten Krankenversicherung in seiner Rede aus­drücklich dafür, dass ihr Präventionsen­gagement gegen HIV und AIDS nicht nur eine „Eintagsfliege“ sei, sondern dass es sich im Gegenteil um eine seit fast drei Jahrzehnten andauernde „bemerkens­werte Zusammenarbeit“ von öffentli­chen Institutionen und Privatwirtschaft handele.

„AIDS ist nicht nur eine Krankheit, die erhebliche Kosten im Gesundheitssystem verursacht“, fasst PKV-Verbandsdirektor Leienbach die Motivation der Branche zusammen. „Jede HIV-Infektion bringt sehr großes seelisches und körperliches Leid für die Betroffenen mit sich, unge­achtet aller medizinischen Fortschritte der letzten Jahre. Jede HIV-Infektion, die wir durch Präventionsmaßnahmen verhindern können, ist deshalb das Geld wert.“


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