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PKV publik 5.2015

GASTBEITRAG

Adipositas in der Schwangerschaft – Gefahr für Mutter und Kind

Übergewicht in der Schwangerschaft gefährdet nicht nur Mutter und Kind, sondern hat auch gravierende Folgen für das Gesundheitssystem. Die Stiftung für das behinderte Kind will daher über das Thema aufklären. Von Prof. Joachim W. Dudenhausen


 

Übergewicht wird oft vor allem als ästhetisches Problem betrachtet. Dabei hat es gravierende gesundheitli­che Risiken – vor allem in der Schwan­gerschaft. Durch Übergewicht und Fett­leibigkeit gefährden immer mehr Frauen ihren Gesundheitszustand und den ihres Kindes. Die vorliegenden Zahlen sind alarmierend.

Studien belegen, dass die Zahl der Frau­en und Kinder in Deutschland, die zu ei­ner gefährdeten Risikogruppe gehören, stetig wächst: 24 Prozent der Frauen im geburtsfähigen Alter sind übergewichtig oder fettleibig. Nur 34 Prozent halten sich während der Schwangerschaft an empfohlene Richtwerte zur Gewichtszu­nahme. Dies führt neben Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt auch zu dauerhaften Konsequenzen für die Neugeborenen. Aufgrund ihrer feta­len Programmierung neigen Kinder über­gewichtiger Mütter häufig selbst zu Über­gewicht und Adipositas und sind damit einem erhöhten Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen ausgesetzt – Krankheiten, die sie ein Leben lang be­gleiten und behandelt werden müssen. Dies ist mit immensen Kosten auch für die Krankenversicherung verbunden.

Die Folgen für die Betroffenen und das Gesundheitssystem ließen sich jedoch vermeiden. Es gibt gesicherte Daten über die Senkung der Häufigkeiten der dargestellten kurzzeitigen und lang­zeitigen Komplikationen bei Mutter und Kind durch körperliche Bewe­gung und Ernährungsänderungen bzw. Lebensstiländerungen.

Frauen mit Kinderwunsch müssen recht­zeitig über den Einfluss der Ernährung und des Stoffwechselzustandes sowie körperlicher Aktivitäten intensiv infor­miert werden und schon vor dem Beginn der Schwangerschaft Körpergewicht re­duzieren. Oft fehlt es ihnen jedoch an Problembewusstsein und frühzeitiger Aufklärung sowie Hilfsangeboten von Seiten betreuender Ärzte.

Die Stiftung für das behinderte Kind sieht daher die Notwendigkeit, in der Öf­fentlichkeit eine primäre Prävention des Übergewichts im reproduktionsfähigen Alter mit Hilfe einer Kommunikations­kampagne zu fordern und zu fördern. Zunächst soll bei einem wissenschaftli­chen Symposium eine State-of-the-Art-Analyse vorgestellt werden. Darüber hinaus steht Zielgruppendialog mit den Medien, der Fachwelt, der Politik so­wie mit Frauen im gebärfähigen Alter im Fokus. Eine Kooperation mit einem bundesweit tätigen Anbieter von Ernäh­rungsberatung und Fitnesskursen für interessierte Frauen befindet sich in der Planung. Außerdem könnte im Rahmen der Kampagne eine App mit einem Kör­pergewicht/Body-Mass-Index-Kalender und Nahrungs-Aufnahme-Kalender so­wie individueller Beratung zur Ernäh­rung und körperlicher Aktivität entwi­ckelt werden.

Langfristiges Ziel ist eine halbe ärztliche Fachberatungsstelle bei der Stiftung für das behinderte Kind an der Charité Ber­lin zu schaffen und damit die notwendige Fachberatung für die Risiken von Über­gewicht und Adipositas während der Schwangerschaft zu bieten. Dafür bedarf es noch Partnern aus der Wirtschaft, die sich dem gesellschaftlich relevanten Thema von mütterlichem Übergewicht und Adipositas vor und während der Schwangerschaft annehmen, Verantwor­tung übernehmen und sich für Präventi­on stark machen wollen.


www.stiftung-behindertes-kind.de


Kontakt: Joachim.dudenhausen@charite.de