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PKV publik 4.2015

Peers
 

Auf Augenhöhe

Jugendliche Präventionsbotschafter sind wichtige Helfer der Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“

Spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger: Rund 40 „Peers“ klären Jugendliche deutschlandweit über die Gefahren des Komasaufens auf.


 

„Hallooo Ihr beiden!“ Mit breitem Lächeln gehen Laura und Chris­topher zielbewusst auf die beiden Mäd­chen zu. Sie setzen sich zu ihnen auf die Bordsteinkante am Berliner Alexander­platz und zücken einen Tablet-Computer. Schnell sind die Mädchen in ein Gespräch verwickelt, in denen sie spielerisch viele Fakten über das Thema Alkohol erfah­ren: Wie viel Alkohol ist in bestimmten Getränken enthalten? Wie schnell geht Alkohol ins Blut über? Wie viele Kalorien hat ein Drink? Und vor allem: Wie viel Al­kohol könnte zu viel für sie sein?

Christopher und Laura sind sogenannte Peers der Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit“. Die von der Privaten Krankenver­sicherung finanzierte Präventionskam­pagne der Bundeszentrale für ge­sundheitliche Aufklärung motiviert Jugendliche zu einem verantwortungs­vollen Umgang mit Alkohol und versucht so, riskantes Trinkverhalten zu verhin­dern. Über 50 Millionen Euro hat die PKV seit 2009 bisher dafür bereit gestellt.

Die Kampagne setzt dabei nicht nur auf die klassischen Kommunikationswege Anzeigen, Fernsehen und Internet, son­dern insbesondere auch auf die persön­liche Ansprache der Jugendlichen. Wie hier auf dem Berliner Alexanderplatz sind deutschlandweit rund 40 jugendli­che Kampagnenbotschafter („Peers“) un­terwegs – und auf belebten Plätzen in In­nenstädten oder beispielsweise auch bei Konzerten und Sportveranstaltungen im Einsatz. Der Grundgedanke dabei: eine Kommunikation auf Augenhöhe.

„Da wir nicht viel älter als die Jugendli­chen sind, kommen wir meist sehr locker mit ihnen ins Gespräch“ erzählt Präventi­onsbotschafterin Laura aus Sachsen. „Wir fragen zum Beispiel einfach ‚Was habt Ihr denn heute Abend noch so vor?‘ Nach an­fänglichem Zögern merken wir dann oft, dass die Jugendlichen total Lust haben, sich über das Thema auszutauschen.“

„Viele reagieren erst mit einem Schmun­zeln“, bestätigt ihr Einsatzpartner Chris­topher, der aus dem Ruhrgebiet kommt. „Wenn man dann aber erklärt, worum es geht, finden es viele super. Manchmal er­zählen sie nachher sogar ihren Freunden davon und die kommen dann auch an und wollen mitmachen.“

Mitmachen statt Frontalbelehrung: Be­sonders mit spielerischen Mitteln gelingt es den Peers immer wieder, das Interes­se der Jugendlichen zu wecken. Wenige Minuten nach ihrer ersten Unterhaltung haben sie schon zwei weitere junge Men­schen in ein Gespräch verwickelt – dies­mal sind es zwei Jungen. Sie beugen sich interessiert über den Tablet-Computer, auf dem sich eine animierte Flasche wie beim Flaschendrehen im Kreis bewegt und dabei allmählich langsamer wird.

Die Flasche stoppt. Auf dem Display erscheint eine Frage: „Wird man lang­samer betrunken, wenn man etwas Fet­tiges isst?“ liest Laura vor. Die Jungs la­chen und tippen auf „ja“. Die Antwort ist richtig. Die Jungs stimmen ein kleines Siegesgelächter an. Und schon geht es weiter: „Was hat mehr Alkohol? Zwei Fla­schen Biermixgetränk oder ein doppelter Schnaps?“ Diesmal tippen die Jungen falsch – der Schnaps ist es nicht.

Am Ende des Gesprächs sind nicht nur die Peers zufrieden. „Die beiden kamen sehr sympathisch rüber“, sagt der 19-jährige Valentin, mit dem sich die Peers unterhalten hatten. „Und ich habe ein paar Dinge gelernt, von denen ich vorher echt keine Ahnung hatte.“ Lob bekommt von ihm auch die Grundidee der Kampa­gne, sein „Limit“ zu kennen, „weil man im Alkoholrausch nicht nur sich, sondern auch andere Menschen in Gefahr brin­gen kann.“

Das sieht auch Annika aus Niedersachsen so. Sie ist mit ihrem Freund auf Berlin-Besuch und wird von den beiden Präven­tionsbotschaftern als nächstes angespro­chen. „Am Wochenende gehe ich schon ab und zu mit meinen Freunden feiern“, erzählt sie. „Es war daher mal interes­sant zu erfahren, wie viel man wirklich verträgt“.

Die Kampagne setzt auf die persönliche Ansprache der Jugendlichen

Ernste Botschaften locker vermitteln: Die Bedeutung dieser Kommunikation auf Augenhöhe ist gerade bei der An­sprache von Jugendlichen nicht zu un­terschätzen. Studien zufolge nehmen sie nach Peer-Einsät­zen alkoholbeding­te Risiken stärker wahr, sprechen eher mit Gleichaltrigen über Alkoholprob­leme und schaffen es eher, Alkohol zu widerstehen.

36.000 Jugendliche erreichen die Peers jedes Jahr mit ihrer Präventionsbot­schaft. Pro Einsatz sind es rund 30 Ge­spräche. Nicht immer stoßen die Peers dabei auf offene Ohren – mal werden sie weggeschickt, weil ein Pärchen lieber für sich sein will, mal haben die Jugendli­chen keine Zeit oder wollen sich vor ih­rer Clique nicht äußern. Bei den meisten kommt die offene Art der Peers aber gut an. Und am Ende des Tages sind auch Laura und Christopher zufrieden.

„Ich bin echt begeistert. Wir hatten so positive Gespräche, sind super mit den Jugendlichen in Kontakt gekommen“, bi­lanziert Laura. „Man merkt einfach, die Kampagne kommt super bei den Ju­gendlichen an. Fast jeder kennt diese Kampagne, weil sie einfach so präsent ist – im Kino, auf Plakaten, auf Postkarten, in Bars. Und die meisten, mit denen wir sprechen, würden das Motto am Ende sofort unterschreiben und sagen: ‚Ja. Im Limit bleiben, das ist cool‘“.


Eine Videoreportage zu diesem Artikel finden Sie unter: www.pkv.de/themen/praevention/alkohol-kdl