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PKV publik 2.2015

GASTBEITRAG

Hospiz – Leben bis zuletzt

Die meisten Menschen wollen ihre letzten Lebenstage zu Hause verbringen. Die ambulanten Hospizdienste haben die Aufgabe, eine umfassende und qualitativ hochwertige Versorgung vor Ort zu koordinieren. Erst wenn eine Begleitung in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich ist, erfolgt auf Wunsch der Patienten die Aufnahme im stationären Hospiz. Von Benno Bolze


 

Im Mittelpunkt der Hospiz- und Palliativarbeit steht der sterbende Mensch mit seinen Wünschen und Be­dürfnissen. Daraus abgeleitet ist Hospiz ein Konzept der palliativmedizinischen, palliativpflegerischen, psychosozialen und spirituellen Versorgung und Beglei­tung und nicht in erster Linie ein Haus, ein stationäres Hospiz.

Wenn man die Menschen fragt, wo sie sterben wollen, dann antworten 66 Pro­zent der Befragten: zu Hause. Daher gilt in der Hospiz- und Palliativarbeit der Grundsatz, dass die ambulante Versor­gung Vorrang vor der stationären Versor­gung hat.

Ziel der ambulanten Hospizdienste ist es daher dafür Sorge zu tragen, dass insbesondere in Zusammenarbeit mit Palliativmedizinern, entsprechend er­fahrenen Pflegediensten, den Teams der Spezialisierten ambulanten Pallia­tivversorgung (SAPV) sowie weiteren therapeutischen Angeboten eine um­fassende und qualitativ hochwertige Versorgung und Begleitung zu Hause erfolgen kann. Wesentlicher Bestandteil der Arbeit der ambulanten Hospizdiens­te ist die psychosoziale Begleitung der schwerstkranken und sterbenden Men­schen sowie ihrer Angehörigen durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Ehrenamtlichen bringen Zeit mit – Zeit für Gespräche über das, was die Betroffenen bewegt. Ambulante Hospizdienste ermöglichen darüber hin­aus, dass schwerstkranke und sterbende Menschen weiterhin Kontakte pflegen können und dass auch Angehörige mal andere Termine wahrnehmen können, weil in dieser Zeit z. B. eine Mitarbeite­rin des ambulanten Hospizdienstes beim kranken Angehörigen bleibt. Erst wenn eine Versorgung und Begleitung zu Hau­se nicht mehr möglich ist, erfolgt auf Wunsch der Patientin bzw. des Patienten die Aufnahme im stationären Hospiz.

In der aktuellen Debatte um die Beihil­fe zum Suizid wird immer wieder deut­lich, dass ein ‚Ich möchte nicht mehr leben’ in aller Regel heißt ‚Ich möchte so nicht mehr leben’. Der verbreiteten Angst vor Schmerzen und Apparaten, vor dem Alleinsein und davor, anderen zur Last zu fallen, begegnen ambulante Hospizdienste und die dort tätigen Eh­renamtlichen, indem sie auf die Ängste der Menschen in der letzten Lebenspha­se eingehen. Dadurch bekommen die Be­troffenen das Gefühl, dass sie nicht aus­gegrenzt werden und anderen auch nicht zur Last fallen.

Ambulante Hospizdienste, die bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen, erhal­ten auf der Grundlage des § 39a Abs. 2 SGB V eine Förderung durch die gesetz­lichen Krankenkassen. Durch eine in diesem Jahr unterzeichnete vertragliche Regelung zwischen den Hospizverbän­den auf der Bundesebene sowie dem PKV-Verband sind nun die Grundlagen für eine Beteiligung der Unternehmen der Privaten Krankenversicherung an der Förderung der ambulanten Hospizdiens­te geschaffen worden. Die Regelungen werden bereits im derzeit laufenden För­derverfahren für die ambulanten Hospiz­dienste umgesetzt.

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVer­band e.V. (DHPV) möchte sich als Dach­verband für über 1.000 ambulante und stationäre Hospiz- und Palliativeinrich­tungen und -dienste in Deutschland bei den Mitgliedsunternehmen des PKV-Ver­bandes für die Beteiligung an der Finan­zierung der ambulanten Hospizdienste ganz herzlich bedanken.


www.dhpv.de