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PKV publik 2.2015

 

Für eine bessere Pflege

Der Jahresbericht der PKV-Qualitätsprüfer gibt Hinweise für die Weiterentwicklung des sogenannten Pflege-TÜV

Die Erfahrung des PKV-Prüfdienstes zeigt: Die Pflege in Deutschland erfolgt auf gutem Niveau. Es gibt aber Raum für Verbesserungen.


 

„Wie jetzt kann es nicht bleiben“, „irreführend“, ein „Desaster“: Das Urteil von Spitzenpolitikern der Koaliti­on über den sogenannten Pflege-TÜV ist verheerend.

Pflegenoten sind zu intransparent

So bilanziert der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Jo­sef Laumann (CDU), dass die Pflegeno­ten in ihrer bisherigen Systematik für Verbraucher nicht hilfreich sind. In der Tat bewegen sich die Durchschnittsnoten der etwa 25.000 ambu­lanten und stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland in der Span­ne von 1,1 (Saarland) bis 1,6 (Bremen). Für Laumann besitzt das System daher „keinerlei Aussagekraft“ und ist dringend reformbedürftig.

Der aktuelle Jahresbericht der PKV-Qua­litätsprüfer für das vergangene Jahr un­terfüttert diese Kritik. Zugleich bietet er wichtige Hinweise für eine Weiterent­wicklung des Systems der Pflegenoten.

Seit 2011 beteiligt sich der Verband der Privaten Krankenversicherung mit eige­nen Teams an den gesetzlichen Quali­tätsprüfungen von Pflegeeinrichtungen – bundesweit und nach einheitlichem Standard. Dabei erfüllt die Branche ihre Quote von zehn Prozent aller Prüfungen, was dem Anteil der Privatversicherten in der Bevölkerung entspricht.

Fast 8.000 Prüfungen von Pflegediensten und -heimen haben die 120 Qualitäts­prüfer der PKV in die­ser Zeit durchgeführt. Dadurch konnten sie einen repräsentati­ven Eindruck von der Pflegequalität in Deutschland gewinnen.

Die Einrichtungen schätzen wiederum den partnerschaftlichen Ansatz der PKV, deren Mitarbeiter ihnen nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe begeg­nen. Auch die Tatsache, dass sich die PKV für ihre Prüfungen stets zwei Tage Zeit nimmt und die Einrichtungen so gründ­lich kennenlernen kann, findet Zustim­mung. In anonymen Rückmeldungen zeigten sich über 95 Prozent der Einrich­tungen zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Vorgehen der PKV – unabhängig vom Prüfungsergebnis.

Das wichtigste Fazit des PKV-Jahresbe­richtes: Die große Mehrheit der geprüf­ten Pflegeeinrichtungen führt eine gute Pflege durch. Trotz oft schwieriger Ar­beitsbedingungen gehen die Pflegekräfte in der Regel würde- und respektvoll mit den Pflegebedürftigen um, versuchen individuelle Wünsche umzusetzen, den Kontakt mit Angehörigen zu fördern, komplexe Situationen professionell zu bewältigen.

„Die Pflege in Deutschland kann danach keineswegs als schlecht bezeichnet wer­den“, schlussfolgern die Prüfer. Dies sei auch ein Erfolg der Qualitätsprüfungen. Denn um ein positives Ergebnis zu erzie­len, stellen sich die Einrichtungen auf die Prüfinhalte ein – und letztlich auf die damit verbundenen Qualitätsansprüche. Auch die Beratung durch die Prüfer ist oft Auslöser für Verbesserungsprozesse.

Daher wäre es unverantwortlich, die Prüfungen gänzlich in Frage zu stellen. Im Detail bietet sich allerdings durchaus Raum für Verbesserungen. So teilt die Private Krankenversicherung die Ein­schätzung von Staatssekretär Laumann, dass die Pflegenoten in ihrer bisherigen Systematik nicht aussagekräftig genug sind.

Das liegt vor allem daran, dass bei der Berechnung der Gesamtnote nicht zwi­schen Kernkriterien für eine gute Pflege und weniger wichtigen Kriterien unter­schieden wird. So sei es möglich, „dass Defizite im Umgang mit der Ernährung beispielsweise mit dem korrekten Aus­hang eines Speiseplanes ausgeglichen werden können“, kritisieren die Quali­tätsprüfer. Das führe „weder zu Trans­parenz noch zu mehr Qualität in den Pflegeeinrichtungen“.

Feinjustierungen haben sich hier bisher als wenig erfolgreich erwiesen. So stel­len die Prüfer fest, dass viele Aspekte der kleinen Reform des Pflege-TÜV zum Jahresbeginn 2014 offenbar ins Lee­re gehen: Weder durch die Erhöhung der Stichprobengröße, noch durch die Änderung der Notenwert-Berechnung (veränderte Skalenwerte) oder durch die Reduzierung der Prüffragen ergeben sich signifikante Auswirkungen auf das Prüfergebnis.

Reform auf wissenschaftlicher Grundlage

Die PKV plädiert daher dafür, dass die Bewertungsmaßstäbe für die Noten neu festgesetzt werden – und zwar nicht wie bisher als Vereinbarung zwischen den Verbänden der Selbstverwaltung, sondern auf objektiver Grundlage durch den Gesetzgeber.

Wünschenswert wäre hierbei nicht nur eine stärkere Gewich­tung der Kernkriterien, sondern auch eine stärkere Orientierung an wissen­schaftlichen Erkenntnissen. Auch die Frage, wie die Qualitätsberichterstattung verständlicher erfolgen kann – also vom Nutzer her gedacht – wäre aus PKV-Sicht ein sinnvolles Reformziel.

Nicht unkritisch empfinden die Prüfer der PKV zudem die Tatsache, dass die ge­setzlichen Qualitätsprüfungs-Richtlinien und die Prüfanleitungen der Medizini­schen Dienste durchaus unterschiedlich interpretiert werden. Dadurch kommt es zu einer uneinheitlichen Bewertung ein­zelner Fragen. Hier sollte nur der Maß­stab angelegt werden dürfen, der in den Prüfungsgrundlagen explizit beschrie­ben ist.

Schließlich vermisst die Private Kran­kenversicherung noch immer das Recht, selbst Prüfungen zu veranlassen und nicht wie bislang im Auftrag der Pflege­kassen handeln zu müssen. Erst dann wäre ein echter Wett­bewerb der Prüfdiens­te möglich. Auch zur Einbeziehung der PKV-Unternehmen in den Kreis der Empfänger der Prüfbe­richte konnte sich der Gesetzgeber bis­her nicht entschließen – obwohl ja auch privatversicherte Pflegebedürftige in Au­genschein genommen werden.

Hierfür wird sich die PKV weiter im In­teresse ihrer Versicherten stark machen. Und auch die übrigen Pflegebedürftigen in Deutschland würden von mehr Wett­bewerb und Qualität bei den Prüfungen profitieren.