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PKV publik 1.2015

Therapeutin führt Bodenübungen mit einer Patientin durch
 

Privatversicherte erhalten mehr Heilmittel

Die Heilmittelausgaben der Privatversicherten betragen über 1,5 Milliarden Euro pro Jahr

Der Mehrumsatz der Privatversicherten im Heilmittelbereich belief sich im Jahr 2013 auf 936 Millionen Euro. Das zeigt eine aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP).  



Privatversicherte stützen mit ihren Ausgaben für medizinische Leistungen das gesamte Gesundheitssystem in Deutschland. Denn wären sie gesetzlich versichert, stünden etwa Krankenhäusern und Ärzten jedes Jahr rund 11 Milliarden Euro weniger für Investitionen und Innovationen zur Verfügung. Dieser so genannte Mehrumsatz der Privatversicherten entsteht zu einem großen Teil im Bereich der Arzthonorare. Doch auch in der Heilmittelversorgung lassen sich deutliche Unterschiede zwischen Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung feststellen. Dazu liefert nun eine aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) erstmals eine umfassende Darstellung.

Die Untersuchung zeigt, dass die Privatversicherten im Jahr 2013 insgesamt 1.554 Millionen Euro für Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie ausgegeben haben. Wären die PKV-Versicherten gesetzlich krankenversichert gewesen, hätte die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nur rund 618 Millionen Euro für sie aufgewendet. Die Differenz zwischen den tatsächlichen Ausgaben und den hypothetischen Heilmittelausgaben der PKV-Versicherten, die entstanden wären, wenn sie gesetzlich versichert wären, kann als Mehrumsatz der Privaten Krankenversicherung im Heilmittelbereich bezeichnet werden. Er belief sich auf 936 Millionen Euro. Rein rechnerisch entfielen damit auf jede der insgesamt 70.360 Heilmittelpraxen in Deutschland im Jahr durchschnittlich 13.300 Euro Mehrumsatz durch die Private Krankenversicherung.

Ein wesentlicher Grund für die unterschiedlichen Ausgaben dürfte in der stärkeren Reglementierung der Heilmittelversorgung in der GKV liegen. Die wesentliche Grundlage ist hier die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie begrenzt beispielsweise die Anzahl der Massagen bei Wirbelsäulenerkrankungen auf sechs Anwendungen.

Darüber hinaus ist in der GKV die Verordnung bestimmter Heilmittel gesetzlich ausgeschlossen. Zudem gilt das Wirtschaftlichkeitsgebot, dessen Einhaltung durch eine gesetzlich vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsprüfung gewährleistet werden soll. Bei Nichteinhaltung bestimmter Richtgrößen können Ärzte in Regress genommen werden. Dies wirkt sich einschränkend auf die Verordnung von Heilmitteln aus. Darüber hinaus haben die Regelungen zur Zuzahlung im Heilmittelbereich ebenfalls dämpfende Effekte auf die Inanspruchnahme dieser Leistungen.

In der Privaten Krankenversicherung ergibt sich der Anspruch auf die Erstattung von Heilmitteln aus dem individuell gewählten Tarif und den Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Privatversicherte können sich also hinsichtlich Art und Umfang der Heilmittelversorgung einen Tarif auswählen, der ihren individuellen Bedürfnissen entspricht. Grundsätzlich gehören Heilmittel aber immer zum Versicherungsschutz der Privaten Krankenversicherung, sofern sie von Ärzten, Zahnärzten oder Heilpraktikern verordnet werden und von der Schulmedizin überwiegend anerkannt sind bzw. sich als ebenso Erfolg versprechend bewährt haben.

Im Vergleich zu gesetzlich versicherten Patienten erhalten Privatversicherte also in aller Regel eine umfangreichere und individuellere Versorgung, die sich in entsprechend höheren Heilmittelausgaben niederschlägt.


Die Studie kann im Internet abgerufen werden: www.wip-pkv.de