• Vorlesen
  • A A A

PKV publik 1.2015

GASTBEITRAG

Deutsches Aortenklappenregister:
Patientensicherheit und Innovationsforschung

Die Einführung neuer Therapiemethoden bedarf einer besonderen Begleitung und Bewertung. Über ein eigens eingerichtetes Register begleiten die Fachgesellschaften der Herzmedizin deshalb die invasiven Verfahren bei erworbenen Aortenklappen­erkrankungen.

Von Dr. Andreas Beckmann


 

Bei schweren Aortenklappenverkalkungen stehen den Herzmedizinern heutzutage mehrere Behandlungsverfahren zur Verfügung: der klassische herzchirurgische Aortenklappenersatz oder die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (Transkatheter-Aortenklappenimplantation; TAVI), die von einem „Herzteam“ bestehend aus einem Herzchirurgen und einem Kardiologen durchgeführt werden sollte.

9.883 Patienten erhielten 2013 in Deutschland einen isolierten herzchirurgischen Aortenklappenersatz – eine seit Jahrzehnten bewährte Operation mit einer Krankenhaus-Überlebensrate von 97 Prozent. Hierbei wird der Brustkorb des Patienten geöffnet, die erkrankte Herzklappe unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine entfernt und durch eine Herzklappenprothese ersetzt.

Um Patienten helfen zu können, die für die konventionelle herzchirurgische Operation nicht oder nur bedingt infrage kommen, wurde im Jahr 2006 mit der TAVI eine weitere invasive Behandlungsmethode eingeführt. Dabei wird eine neu entwickelte Aortenklappenprothese über einen Katheter in das Herz implantiert. Die Zahl der TAVI-Eingriffe in Deutschland ist von 637 im Jahr 2008 auf 10.426 Patienten im Jahr 2013 stark angestiegen. In keinem anderen Land Europas werden so viele TAVI-Eingriffe vorgenommen wie in Deutschland.

Um eine sorgfältige wissenschaftliche Innovationsbegleitung der neuen Behandlungsmethode sicherzustellen, aber auch, um Nutzen und Risiken der beiden Therapieverfahren abzuwägen und klare Kriterien für deren Einsatz im Sinne der Patientensicherheit zu erarbeiten, gründeten die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) im Jahr 2010 gemeinsam das Deutsche Aortenklappenregister. Zu den weiteren Zielen des Registers gehören die wissenschaftlich unabhängige Bewertung von Qualität und Eigenschaften verschiedener Herzklappenprothesen sowie die gesundheitsökonomische Evaluation der Behandlungsverfahren.

Nach Aufklärung und Einwilligung der Patienten werden standardisiert Daten zum Behandlungsverlauf aller auf freiwilliger Basis teilnehmenden Krankenhäuser erhoben und an die zentrale Registerstelle übermittelt. Diese Daten umfassen in detaillierter Form Informationen zur Therapiewahl, zur Durchführung und dem Ergebnis des jeweiligen Eingriffs, aber auch zu aufgetretenen Besonderheiten. Zudem erfolgt eine zentrale Patientenbefragung im Langzeitverlauf bis fünf Jahre nach dem Eingriff.

Innerhalb von fünf Jahren ist das Deutsche Aortenklappenregister mit 92 beteiligten Kliniken und rund 85.000 erfassten Patienten (Stand: Ende 2014) nicht nur das weltweit größte Register zur invasiven Behandlung von Aortenklappenerkrankungen geworden, sondern auch ein international einzigartiges und vielbeachtetes Projekt zur Verbesserung der Patientensicherheit.

Die Ein-Jahres-Ergebnisse des Aortenklappenregisters wurden Mitte 2014 publiziert. Danach erzielt die konventionelle herzchirurgische Aortenklappenoperation auch weiterhin exzellente Ergebnisse. Die TAVI ist eine gute Alternative für Patienten mit einem hohen Eingriffsrisiko aufgrund ihrer fortgeschrittenen Herzklappenkrankheit oder erheblichen Begleiterkrankungen.


www.aortenklappenregister.de