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PKV publik 10.2014

GASTBEITRAG

Herausforderungen einer alternden Gesellschaft für die Kommunen

Die Städte und Gemeinden in Deutschland sind noch nicht ausreichend auf die Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft vorbereitet. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Gleichzeitig sind eine Ausweitung der Pflegeleistungen und eine stärkere private Vorsorge notwendig. Von Dr. Gerd Landsberg



So wie die Kommunen sich in den letzten Jahren darauf konzentriert haben, z. B. durch den Ausbau der Kitaplätze, ein kinder- und familienfreundliches Klima zu schaffen, müssen sich die Städte und Gemeinden auf die alternde Gesellschaft einstellen. Die Alterung wird die Gesellschaft in den Kommunen grundlegend verändern, gleichwohl ist ein Großteil unserer Städte und Gemeinden auf diese Herausforderung noch nicht ausreichend vorbereitet. Dabei sollte das Älterwerden auch als Chance begriffen werden. Viele ältere Menschen können bei der Hilfe für Pflegebedürftige und für Flüchtlinge oder bei der Betreuung von Schulabbrechern eingebunden werden und wollen sich auch in der Gesellschaft einbringen. Die Kommunen sollten deshalb ihren Blick auf die enormen Potenziale des Alters richten.

Auf der anderen Seite brauchen die Kommunen eine altersfreundliche Stadtentwicklung. Es fängt damit an, dass jede Kommune analysieren muss, wie sich die Altersstruktur der Bevölkerung entwickelt. Denn die Situation vor Ort gestaltet sich von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. Wie viele Hochbetagte, wie viele Pflegebedürftige wird es in 10, 20 oder 30 Jahren geben?

Die Städte müssen regelrecht umgebaut werden. Die Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause leben, was sie aber nur mit Unterstützung können. Die Städte und Gemeinden müssen alternative Wohn- und Lebensformen wie zum Beispiel generationsübergreifende Wohnanlagen für Jung und Alt oder seniorengerechten Wohnraum ausbauen. Neben dem altersgerechten Umbau ganzer Mietwohnungsgebäude kommen auch individuelle Anpassungsmaßnahmen an einzelnen Mietwohnungen oder Einfamilienhäusern in Betracht. Ziel muss es dabei sein, selbst Schwerstpflegebedürftigen die Möglichkeit zu eröffnen, nicht aus ihrem Quartier wegziehen zu müssen. Neben sozialen Angeboten sind barrierefreie öffentliche Räume, Verkehrsanbindungen, ortsnahe Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote entscheidend.

Pflegende Angehörige und Pflegekräfte sollten durch innovative Technologien unterstützt und entlastet werden. Auch muss nicht jede heute von einem Arzt durchgeführte Maßnahme notwendigerweise von einem Mediziner vorgenommen werden. Wir brauchen neue Berufsbilder, wie zum Beispiel den Arzt­assistenten mit dem Schwerpunkt Pflege- beziehungsweise Altersmedizin.

Qualitativ gute Pflege gibt es nicht zum Nulltarif. Mehr Pflegebedürftige bedeuten für die Kommunen auch höhere Kosten. Wenn die Zahlungen der Pflegeversicherung und das eigene Vermögen nicht ausreichen, muss die von den Kommunen getragene Sozialhilfe einspringen. Deshalb muss darauf geachtet werden, dass die Leistungen aus der Pflegeversicherung mit der Kostenentwicklung Schritt halten, was weitere Beitragsanhebungen erforderlich macht, die mit einer Dynamisierung der Leistungen einhergehen. Notwendig ist zudem eine stärkere private Vorsorge. Auch ein junger Mensch kann und sollte 10 oder 20 Euro im Monat als Vorsorge im Alter investieren. Wer über 30 oder 40 Jahre für die Pflege anspart, wird auch etwas davon haben.