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PKV publik 9.2014

Ältere Dame schaut nachdenklich
 

Krisenfälle in der Pflege vermeiden

Die PKV-Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat ein Online-Portal zu Gewaltprävention in der Pflege entwickelt

Besseres Wissen hilft, eskalierende Pflegesituationen zu vermeiden. Auf dem neuen Internetportal zur Gewaltprävention können sich die Beteiligten umfassend informieren.



Problematische Situationen bis hin zu Aggression und Gewalt sind in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen keine Seltenheit. Doch nach wie vor wird das Thema in der Öffentlichkeit stark tabuisiert und die meisten Vorfälle bleiben weitestgehend im Verborgenen. Dabei könnten viele Krisenfälle vermieden werden, wenn die Beteiligten das notwendige Wissen hätten, um eskalierende Pflegesituationen zu vermeiden. Allerdings gibt es bislang deutschlandweit keine zentrale, überregionale Informationsstelle, die alle Beteiligten in der Pflege gleichermaßen anspricht. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) ein Internetportal mit Informationen zur Gewaltprävention entwickelt.

"Der Aufklärungsbedarf ist immens." 

Auf dem Portal finden Pflegebedürftige, pflegende Angehörige sowie professionell Pflegende zielgruppenspezifisch aufbereitete und qualitätsgesicherte Informationen, praktische Tipps sowie Kontaktdaten zu bundesweiten Krisentelefonen. Neben allgemeinem Hintergrundwissen zu Häufigkeit, Erscheinungsformen und Entstehungsweisen werden Antworten auf die häufigsten und wichtigsten Fragen rund um das Thema auf der Webseite verständlich und übersichtlich aufbereitet. „Der Aufklärungsbedarf ist immens. Knapp zwei Drittel der Deutschen wissen überhaupt nicht, wohin sie sich bei konkretem Bedarf wenden können. Deshalb benötigen wir mehr zentrale Informationsangebote wie das neue ZQP-Portal, die ein frühzeitiges Erkennen und die Intervention bei derartigen Krisenfällen ermöglichen“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

Gewalt und Aggressionen können in vielen Fällen auch das Ergebnis von Überlastung und Überforderung sein. Eine bevölkerungsrepräsentative Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat ergeben, dass fast drei Viertel der Pflegenden die Betreuung hilfebedürftiger Menschen als „eher belastend“ oder sogar „sehr belastend“ empfinden (siehe Kasten). Dies betrifft gerade auch pflegende Angehörige, die oftmals Verpflichtungen in Familie, Beruf und Pflege nebeneinander wahrnehmen müssen. „Damit pflegende Angehörige gar nicht erst an ihre körperlichen und psychischen Grenzen stoßen, bietet das Portal auch eine umfassende Übersicht zu Hilfe- und Entlastungsmöglichkeiten“, betont Suhr.

Präventiv wirken kann zum Beispiel ein persönlicher Notfallplan, der zum Download auf der Webseite bereit steht. Dieser erinnert in akuten Krisensituationen daran, welches Verhalten und welcher Ansprechpartner helfen können. Zudem wird auf dem Portal immer die Servicenummer eines aktuell verfügbaren Krisentelefons angezeigt. Damit kann 24 Stunden, sieben Tage die Woche, eine erreichbare Notrufnummer gefunden werden. „Für diejenigen, die Gewalt erfahren oder gewalttätig handeln, ist es schwierig, sich jemandem anzuvertrauen und über ihre persönlichen Gewalterfahrungen zu sprechen. Mit einer anonymen Krisenhotline haben Hilfesuchende jederzeit und an jedem Ort die Möglichkeit, Unterstützung zu finden“, so Suhr. Zusätzlich können Ratsuchende auf eine bundesweite Übersicht zu spezialisierten Beratungsangeboten zugreifen.

„Gerade weil die Erscheinungsformen und die Wahrnehmung von Gewalt nicht immer eindeutig sichtbar sind, bedarf es einer offenen Diskussion“, sagt der ZQP-Vorstandschef. Nur so könnten Tabus gebrochen und gewalttätiges Handeln erkannt und verhindert werden. Neben flächendeckenden Informations-, Qualifikations- und Beratungsangeboten hält Suhr eine gesamtgesellschaftliche Aufklärung für zwingend notwendig.

Die Initiative für das Onlineangebot geht zurück auf die gemeinsame Veranstaltung „Pflege ohne Zwang bei Menschen mit Demenz“ von ZQP und Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im November 2013, bei der sowohl die Relevanz als auch der dringend bestehende Informationsbedarf des Themas deutlich wurden.


www.pflege-gewalt.de