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PKV publik 8.2014

Beste Wahl garantiert

Die Private Krankenversicherung verbessert den Service beim Tarifwechsel

Privatversicherte können in ihrem Unternehmen jederzeit in andere Tarife wechseln. Eine Initiative der PKV macht diesen Wechsel jetzt noch verbraucherfreundlicher.



Privatversicherte müssen auch im hohen Alter nicht auf ihre Wahlfreiheit verzichten: Alle Versicherten haben ein lebenslanges Recht, jederzeit in andere Tarife des eigenen Unternehmens zu wechseln.

„Diese Wahlfreiheit ist einer der großen Pluspunkte der Privaten Krankenversicherung“, stellt der PKV-Verbandsvorsitzende Uwe Laue klar. „Unsere Versicherten können ihren Schutz selbst Jahre und Jahrzehnte nach dem Vertragsschluss jederzeit an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen.“

Durch einen Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens können Privatversicherte ihren Schutz nicht nur um neue Leistungen und modernere Tarifbedingungen erweitern. Sie können bei Bedarf auch Leistungen aus dem Versicherungsschutz herausnehmen, um ihren Beitrag zu senken. Die bisher aufgebauten Alterungsrückstellungen bleiben ihnen bei einem Tarifwechsel innerhalb ihres Versicherungsunternehmens in voller Höhe erhalten.

Neuer Leitfaden des PKV-Verbandes

Damit die Versicherten jederzeit die für sie beste Tarifoption finden und auswählen können, hat die Branche nun eine neue Service-Initiative ins Leben gerufen. „Wir haben im PKV-Verband einen Leitfaden zum Tarifwechsel erarbeitet, der die geltende Rechtslage konkretisiert, aber auch deutlich über die Vorgaben des Tarifwechselrechts hinausgeht und den Versicherten größtmögliche Objektivität und Transparenz garantiert“, erläutert Laue. Natürlich könne es aus kartellrechtlichen Gründen keine branchenweit verpflichtende Lösung geben. Deshalb habe man den Tarifwechsel-Leitfaden als eine Beitrittslösung konzipiert, sodass jedes Versicherungsunternehmen selbst entscheidet, ob es sich an dieser Initiative beteiligt. „Schon jetzt haben sich 87 Prozent des Marktes verbindlich dazu bereit erklärt, den Leitfaden umzusetzen“.

Die Branche löst damit ein Versprechen ein, das der Verbandsvorsitzende Laue im Vorjahr gegenüber Politik und Versicherten gegeben hatte: das Tarifwechselrecht weiter zu stärken und noch kundenfreundlicher auszugestalten. Denn obwohl das Gesetz schon jetzt umfangreiche Möglichkeiten eröffnet, den PKV-Schutz jederzeit an die aktuelle Lebenslage anzupassen, war es für die Versicherten nicht immer leicht, die ihnen zustehenden Rechte optimal zu nutzen. Das liegt unter anderem daran, dass die gesetzlichen Regelungen auf mehrere Gesetze bzw. Rechtsverordnungen verteilt und dabei so knapp gefasst sind, dass im Einzelfall durchaus Fragen offen bleiben.

Bedarfsgerechte Beratung steht im Mittelpunkt

„Unser Ziel war daher vor allem, mehr Transparenz zu schaffen, damit den Versicherten die für einen Wechsel nötigen Informationen schnell und übersichtlich zur Verfügung stehen“, erklärt Laue. Das umfasst zunächst einmal eine Zusammenfassung und Konkretisierung der geltenden Rechtslage: Dank des neuen Leitfadens können die Versicherten auf einen Blick und in verständlicher Sprache erfahren, welche Informationspflichten ihr Versicherungsunternehmen ihnen gegenüber hat und unter welchen Bedingungen sie einen Tarifwechsel im Unternehmen durchführen können.

Kern der geltenden Rechtslage ist §204 desVersicherungsvertragsgesetzes (VVG). Demnach muss jeder private Krankenversicherer alle „Anträge auf Wechsel in andere Tarife mit gleichartigem Versicherungsschutz unter Anrechnung der aus dem Vertrag erworbenen Rechte und der Alterungsrückstellung“ annehmen. Nur wenn der neue Tarif mehr Leistungen als der bisherige bieten sollte, ist für diese Mehrleistungen – und ausschließlich dafür – eine neue Gesundheitsprüfung zulässig. Risikozuschläge und Wartezeiten können die Wechsler aber dadurch vermeiden, dass sie auf die besagten Mehrleistungen verzichten.

Das Gesetz behandelt die Informationen über die Wechseloptionen innerhalb des Unternehmens allerdings nur sporadisch. Zwar schreibt die Informationspflichtenverordnung vor, dass ein PKV-Unternehmen bei jeder Prämienänderung allgemein auf das Wechselrecht nach § 204 VVG hinweisen muss. Konkrete Tarifalternativen müssen dabei aber nicht genannt werden. Nur wenn die Versicherten älter als 60 Jahre sind, muss ihnen ihr Versicherungsunternehmen explizit bis zu zehn andere Tarife im Unternehmen nennen, „die einen gleichartigen Versicherungsschutz … bieten und bei denen eine Umstufung zu einer Prämienreduzierung führen würde“. Auch auf die Möglichkeit zum Wechsel in den Standard- oder Basistarif muss dabei hingewiesen werden.

Damit ein Tarifwechsel sich auch langfristig als die richtige Wahl erweist, kommt es bei der Betrachtung aber nicht nur auf die Höhe des Beitrags, sondern auch auf die Leistungen an. Hier macht eine qualifizierte, bedarfsorientierte Beratung Sinn, die über alle Auswirkungen des Tarifwechsels (wie Mehr- und Minderleistungen) transparent und vollständig informiert.

Im Rahmen der neuen „Leitlinien der Privaten Krankenversicherung für einen transparenten und kundenorientierten Tarifwechsel“ verpflichten sich die teilnehmenden Unternehmen daher ausdrücklich, ihren wechselwilligen Versicherten eine persönliche und bedarfsgerechte Beratung zu garantieren. Im Mittelpunkt sollen dabei ausschließlich die Bedürfnisse und Wünsche der Versicherten stehen. Die Unternehmen nehmen diese detailliert auf und empfehlen dann auf dieser Basis die konkreten Tarifalternativen.

Der Leitfaden stellt klar, dass die Versicherten nicht nur erfahren, welche Mehr- und Minderleistungen die alternativen Tarife gegenüber dem bisherigen Versicherungsschutz aufweisen, welche Beitragsunterschiede damit einhergehen und ob im Zieltarif eine neue Risikoprüfung erforderlich wird. Auch über die Folgen eines Wechsels von älteren Bisex-Tarifen in die neue Unisex-Tarifwelt oder über die besonderen Bedingungen für einen Wechsel in die PKV-Sozialtarife (Standard- oder Basistarif) werden sie umfassend informiert.

Zugleich verpflichten sich die Unternehmen – und gehen damit deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinaus – ihren Versicherten künftig für eine größtmögliche Transparenz bei der Auswahl entweder das gesamte Spektrum an möglichen Zieltarifen aufzuzeigen oder geeignete Tarife auf der Basis eines objektiven Auswahlsystems vorzustellen. Letzeres kann beispielsweise dann die bessere Lösung sein, wenn das Unternehmen über eine sehr umfangreiche Tariflandschaft verfügt. Schlägt das Unternehmen nur eine Auswahl an Tarifen vor, so soll es die Versicherten explizit darauf hinweisen. Zugleich ist sicherzustellen, dass verkaufsoffene und andere bestandsstarke Tarife in der Auswahl enthalten sind. Dabei muss es den Versicherten einen Überblick über gleichwertige Tarife sowie über die Gruppe der Tarife mit höherem und niedrigerem Leistungsniveau ermöglichen.

„Damit sind die Versicherten künftig optimal über ihre Wechselmöglichkeiten informiert“, betont Laue. Und damit nicht genug: „Damit erst gar nicht der Anschein entsteht, dass das jeweilige Auswahlverfahren mehr im Interesse des Unternehmens als im Interesse der Kunden sein könnte, haben sich alle Unternehmen bereit erklärt, ihre Auswahlkriterien durch einen Wirtschaftsprüfer überprüfen zu lassen“. Auf Wunsch können sich die Versicherten ihre Beratung auch protokollieren lassen. Damit ist ein Höchstmaß an Objektivität garantiert.

Der neue Leitfaden übertrifft aber noch in weiteren wichtigen Punkten die Anforderungen des Gesetzgebers: Künftig schlagen die teilnehmenden Unternehmen ihren Versicherten bei Prämienerhöhungen nicht erst ab dem 60., sondern bereits ab dem 55. Lebensjahr von sich aus konkrete Tarifalternativen vor. Zudem verpflichten sich die Versicherer, sämtliche Tarifwechsel-Anfragen innerhalb von 15 Arbeitstagen zu beantworten. Diese Frist gilt auch für etwaige Beschwerden. Verzögert sich die Bearbeitung im Einzelfall, erfolgt fristgerecht eine Zwischennachricht. Darüber hinaus können sich die Versicherten notfalls auch im Beschwerdeverfahren beim Ombudsmann der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung gegenüber den teilnehmenden Unternehmen auf den Leitfaden berufen.

Spätestens ab Jahresbeginn 2016 werden die Versicherten bei allen Unterzeichnern des Leitfadens vollumfänglich vom neuen Service beim Tarifwechsel profitieren können, also insbesondere von der optimierten Transparenz beim Tarifvergleich bzw. der Tarifauswahl. Solange kann es – je nach Unternehmen – dauern, die umfangreichen Organisations-Änderungen in die Wege zu leiten, die dafür erforderlich sind. So erläutert Holger Eich, Geschäftsführer für Mathematik und Statistik im PKV-Verband: „Um künftig entsprechend den Vorgaben des Leitfadens entweder alle Tarife im Unternehmen übersichtlich gegenüberzustellen oder um ein mit einem externen Wirtschaftsprüfer abgestimmtes Auswahlsystem zu etablieren, müssen die Unternehmen in der Regel ihre IT-Prozesse ändern. Ein solches Vergleichsprogramm darf natürlich keine Fehler produzieren, und es muss die in Frage kommenden Tarife mit allen möglichen Optionen erfassen. Angesichts der Tarifvielfalt in vielen Unternehmen ist das eine umfangreiche Aufgabe. Aus diesem Grund braucht die Umsetzung Zeit, allein schon deshalb, weil viele bisherige IT-Prozesse umgestellt oder ganz neu erstellt werden müssen“.

Hier gilt also Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Selbstverständlich können die Versicherten das geltende Tarifwechselrecht auch schon vor der Einrichtung der neuen Prozesse weiterhin in Anspruch nehmen – auch in Unternehmen, die dem Leitfaden nicht beitreten: So verfügen die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung auch bisher schon über eine gute Praxis darin, die gesetzlichen Vorgaben zur Zufriedenheit ihrer Versicherten umzusetzen. Das belegt ein Blick auf die Statistik des PKV-Ombudsmanns Von den 3.479 zulässigen Beschwerden für den Bereich der Vollversicherung im Jahr 2013 hatten nur 5,2 Prozent (180 Beschwerden) mit internen Tarifwechseln zu tun. Angesichts der rund 9 Millionen Privatversicherten ist das nur einer von 50.000 Versicherten pro Jahr.