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PKV publik 7.2014

ältere Hand bedient ein Tablet-PC
 

Spielen, quizzen, skypen

Eine Pilotstudie des Zentrums für Qualität in der Pflege zeigt, dass Tablet-Computer den Zustand von Demenzpatienten verbessern können

Moderne Technik hat auf lange Sicht das Potenzial, die Versorgungs- und damit die Lebensqualität Pflegebedürftiger zu verbessern.


 

Derzeit leiden etwa 1,4 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz. Schätzungen zufolge wird diese Zahl bis 2020 auf 1,8 Millionen und bis 2050 auf 3 Millionen ansteigen. Trotz intensiver Forschungen gibt es noch keinen Durchbruch in Prävention und Therapie. Wissenschaftler der Charité haben im Auftrag der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) nun herausgefunden, dass die Beschäftigung mit Tablet-Computern zumindest helfen kann, Demenzkranke zu aktivieren und ihr Wohlbefinden zu stärken. Nach Einschätzungen des ZQP-Vorstandsvorsitzenden Dr. Ralf Suhr sind die Ergebnisse der Pilotstudie „ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung und Aufwertung des Pflegeberufs“.

Über einen Zeitraum von drei Monaten nahmen im Berliner Domicil Seniorenpflegeheim „Am Schlosspark“ 14 Demenzkranke zwischen 70 und 100 Jahren an dem Versuch teil. Sie beschäftigten sich wöchentlich an drei Tagen jeweils fünf- bis sechsmal für eine halbe Stunde mit einem Tablet. Unter anderem mussten sie Buchstaben zu Wörtern fügen oder Quizfragen beantworten. Die Resonanz war erstaunlich: Die Studienteilnehmer zeigten große Neugier, Unbefangenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber der ihnen unbekannten modernen Technik.

Auch entdeckten die Forscher, dass die leicht zu bedienenden und multifunktional nutzbaren Tablets den Erkrankten helfen könnten, ihr Gedächtnis zu aktivieren, miteinander zu kommunizieren, selbstständiger zu werden und somit wieder mehr am Heimalltag teilzunehmen. Zudem reduzierten sich die für Demenzpatienten ganz typischen Verhaltensweisen wie etwa innere Unruhe oder Apathie. Deutlich wurde aber auch, dass die durchgeführten Aktivierungen immer durch eine zuvor geschulte Pflegefachkraft begleitet werden müssen. Ein weiterer Befund: Die eingesetzten Computerprogramme sollten möglichst individuell auf jeden Demenzkranken abgestimmt werden.

„Bei der Anwendung – wie spielen, quizzen, skypen – vereinen sich die Bedürfnisse aller am Prozess Beteiligter“, erklärt die Leiterin des Domicil Pflegeheims, Ines Jesse. Die Bewohner erfahren viel Anerkennung und Wertschätzung, ebenso Freude und Gemeinschaft. Die Angehörigen wiederum sind jederzeit in der Lage, mit ihren Lieben im Heim Kontakt aufzunehmen – eben auch visuell durch die Skype-Videotelefonie.

„Das Projekt hat gezeigt, dass der Einsatz von Tablets bei der Aktivierung von Demenzpatienten viel Potential hat“, sagt Suhr. Nun sollen die Ergebnisse der Voruntersuchung durch weitere Forschungen qualifiziert werden.

Im Interview erläutert Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Leiterin des durchführenden Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité, die Zukunftschancen der Pilotstudie.


www.zqp.de