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PKV publik 7.2014

Frau im pinkfarbenen Pullover steckt ihren Kopf in eine Hecke
 

Nicht in die Irre führen lassen

Die Private Krankenversicherung geht juristisch gegen unseriöse Billigwerbung vor

Fragwürdige Werbetricks mit Versicherungstarifen greifen um sich. Das ärgert die Verbraucher und schädigt den Ruf der Branche. Der PKV-Verband geht nun rechtlich dagegen vor.



Die knalligen Internet-Anzeigen und Werbemails klingen zu schön, um wahr zu sein: „Private Krankenversicherung ab 55 Euro monatlich.“ Kurzum: Es ist auch nicht wahr. Ein privater Vollversicherungsschutz für Erwachsene ist seriös für solche Beiträge nicht zu haben. Schon gar nicht inklusive Pflegepflichtversicherung, wie eine andere Anzeige für angeblich 59 Euro verspricht. Weil diese fragwürdigen Werbetricks um sich greifen und den Ruf der Privaten Krankenversicherung schädigen, will der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) jetzt rechtlich dagegen vorgehen.

In vielen Fällen solcher scheinbaren Billig-Angebote liegt der Verdacht nahe, dass es sich gar nicht um Werbung irgendwelcher Versicherungsvermittler handelt, sondern in Wahrheit Adressenhändler dahinterstecken oder gar getarnte Fallensteller für ungewollte Internet-Bestellungen. Denn meistens führen diese Werbeanzeigen direkt zu Internet-Fragebögen. Dort werden von den Interessenten persönliche Daten abgefragt, die sich anschließend gewinnbringend für völlig andere Zwecke vermarkten lassen. Praxistests von Verbraucherschutz-Journalisten brachten zutage, dass sie in keinem einzigen Fall nach dem Ausfüllen solcher Fragebögen ein konkretes Versicherungsangebot erhalten haben. Stattdessen kam z.B. ein versehentlich bestelltes Zeitschriften-Abonnement, weil eine entsprechende Bestellfunktion im Kleingedruckten des Internetformulars übersehen wurde.

Neben dem Ärger für die irregeführten oder gar abgezockten Verbraucher sind diese angeblichen Billigangebote auch aus Sicht der Privaten Krankenversicherung ein großes Ärgernis. Sie beschädigen das Markenbild der PKV als besonders hochwertiger Versicherungsschutz für eine umfassende Gesundheitsversorgung. Und sie werden zudem von politischen Gegnern der PKV gerne als scheinbarer Beleg dafür gewertet, dass die PKV angeblich auf breiter Front mit unterkalkulierten „Billigtarifen“ auf Kundenfang gehe.

Eine aktuelle Umfrage des PKV-Verbandes bei den privaten Versicherungsunternehmen ergab, dass zu diesen irreführenden Billigst-Werbungen im Internet kein reales Tarifangebot in Deutschland existiert, das eine private Krankheitskostenvollversicherung für Erwachsene mit den typischen Leistungen umfasst. Dies gilt selbst dann, wenn die Werbetreibenden behaupten sollten, ihre „59 Euro“ bezögen sich nur auf den hälftigen Arbeitnehmeranteil. Denn es gibt in der PKV keinen vollwertigen Tarif, dessen Neuzugangsbeitrag zum jüngsten Erwachsenenalter unter 120 Euro liegt. Soweit es bei den PKV-Unternehmen einzelne Tarife mit geringeren Monatsbeiträgen gibt, beziehen sie sich nur auf sehr spezielle Zielgruppen wie z.B. Studenten, Beamtenanwärter oder Meisterschüler. Solche Ausbildungstarife werden aber in der Regel ohne die PKV-typischen Alterungsrückstellungen kalkuliert, weil sie nur für vorübergehende Lebensphasen gelten.

Der PKV-Verband geht nun wettbewerbsrechtlich gegen irreführende Tarifwerbung à la „PKV für 59 Euro“ vor. Der Verband ist als Vertreter der allgemeinen Interessen der Privaten Krankenversicherung sowie seiner Mitgliedsunternehmen nach den Vorschriften des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) legitimiert, gegen unlautere geschäftliche Handlungen wettbewerbsrechtliche Schritte einzuleiten. Die in derartigen Werbungen dargestellten Tarif-Berechnungsgrundlagen sind falsch. Es liegen mehrfache Verstöße gegen das UWG vor; indem durch unzutreffende oder intransparente Angaben bzw. auch durch Weglassen wesentlicher Informationen die Verbraucher getäuscht werden.

Bezeichnend für derartige, aus Sicht der PKV wettbewerbswidrigen Angebote ist die fehlende oder unvollständige Benennung von marktüblichen Konditionen bei Neuabschluss, wie etwa die Höhe der Selbstbeteiligung, der Umfang des Zahnschutzes, die Unterkunft im Ein-/ Zwei- oder Mehrbettzimmer und die Chefarztbehandlung. Derartige Werbung enthält den angesprochenen Verbrauchern bewusst wesentliche Informationen vor, die zur Beeinflussung der Entscheidung geeignet sind.

Wer sich für eine PKV interessiert, sollte sich nicht auf scheinbare Schnäppchen einlassen.

Wer sich für eine private Krankenversicherung interessiert, sollte sich daher nicht auf knallig aufgemachte scheinbare Schnäppchen einlassen, sondern sich zunächst umfassend informieren. Die PKV bietet viele Vorteile. So garantiert sie eine lebenslange Leistungszusage, freie Arzt-und Klinikwahl, eine nachhaltige Finanzierung durch Kapitaldeckung, Teilhabe am medizinischen Fortschritt und Wahlfreiheit der Versicherungsleistungen. Diese Wahlfreiheit erfordert allerdings auch, dass jeder Interessent sich im Vorfeld gründlich informiert und selbst entscheidet, welcher Versicherungsschutz in welchem Umfang für ihn der richtige ist: Wie hoch soll ein möglicher Selbstbehalt sein? Benötigt man Wahlleistungen im Krankenhaus, wie Einbettzimmer oder Chefarztbehandlung? Ab wann soll gegebenenfalls ein Krankentagegeld gezahlt werden?

Auf diese und andere wichtige Fragen wird ein seriöser Versicherungsexperte jeden Interessenten klar hinweisen und sie ausführlich mit ihm diskutieren. Ein Vergleichsportal im Internet kann zwar – wenn kein Adresshändler dahinterstecken sollte – eine gute Erstinformation liefern, eine umfassende Beratung aber nicht ersetzen.